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Nazi- und Twitterskandale - Auf olympischem Parkett gestrauchelt

Olympia 2012 in London - die ganze Welt blickt für 17 Tage in die britische Hauptstadt. Die Augen der Zuschauer richten sich dabei nicht nur auf das sportliche Geschehen, sondern auch auf die Außendarstellung von Stadt, Veranstaltern und Teilnehmern. Mehr als bei allen anderen Sportereignissen stehen speziell die Athleten im Fokus der Weltöffentlichkeit, erst recht seitdem viele Aktive Social-Media-Dienste wie Facebook und Twitter nutzen.

Oberstes Gebot dabei: Political Correctness. Erfahren musste das Paraskevi Papachristou. Die griechische Leichtathletin konnte ihren Traum von Olympia vorab schon begraben, nachdem sie über Twitter eine rassistische Nachricht abgesetzt hatte. «Mit so vielen Afrikanern in Griechenland werden die Mücken aus dem West-Nil zumindest Essen von zu Hause bekommen», twitterte Papachristou. Der griechische Verband war «not amused» und strich sie - trotz Entschuldigung - umgehend aus dem Aufgebot.

Ähnlich dumm verhielt sich der Schweizer Fußballer Michel Morganella. Der 23-Jährige schaffte es zwar immerhin nach London, vergaloppierte sich dann aber von dort aus im Twitter-Netzwerk. «Verpisst euch, ihr Behinderten» hatte er nach der Vorrunden-Niederlage der Eidgenossen gegen Südkorea über den Gegner gehetzt - und wurde umgehend aufs Festland zurück befördert.

Drygalla wird Neoanzi-Verbindung zum Verhängnis

Die deutsche Ruderin Nadja Drygalla zog sich dagegen gleich selbst aus dem Verkehr. Sie hatte sich nicht vertwittert, sondern mit ihrer Beziehung zu dem NPD-Funktionär Michael Fischer disqualifiziert. Das 23-jährige Mitglied des Frauen-Achters verließ das olympische Dorf in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Hals über Kopf, nachdem Berichte aufgekommen waren, dass sie in Verbindung zur rechten Szene stehe. Deutsche Teilnehmer und der Ruch von Nationalsozialismus: Auf der Weltbühne Olympia ein hochsensibles Thema.

Das bekam auch Kommentator Carsten Sostmeier zu spüren. Der Pferdesport-Experte der ARD leistete sich vor Millionen von Zuschauern in der Euphorie über die deutsche Goldmedaille im Vielseitigkeitsreiten einen Rückgriff auf den Sprachjargon des Dritten Reichs: «Seit 2008 wird zurückgeritten. Wir holen uns Gold zurück, gnadenlos», entfuhr es Sostmeier in seinem Livekommentar.

Der NDR reagierte umgehend. Am folgenden Tag entschuldigte sich Sostmeier kleinlaut in einer Pressemitteilung. Einen ordentlichen Rüffel von ARD-Teamchef Walter Johannsen holte er sich zudem ein. «Derartige Formulierungen sind Entgleisungen, die nicht passieren dürfen», polterte Johannsen. Das Schicksal von Drygalla, Morganella und Papachristou blieb dem Medienmann allerdings erspart. Sostmeier ist weiterhin bei den Spielen im Einsatz.

Organisatoren schießen sich Flaggen-Eigentor

Überhaupt sind die Fettnäppchen rund um Olympia breit verteilt. Auch der ein oder andere Politiker stolpert da gerne einmal hinein. US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney brachte es zu Stande, es sich mit wenigen Worten nicht nur mit dem Organisationsteam, sondern gleich mit ganz Großbritannien zu verscherzen.

Dass die Olympischen Spiele sich den Belangen der Weltpolitik nicht entziehen können, zeigt das Beispiel Alexander Lukaschenko. Dem weißrussischen Diktator wurde die geplante Einreise nach Großbritannien verweigert. Ein diplomatisch sensibler Fall, in dem sich auch Jacques Rogge positionieren musste. «Präsident Lukaschenko wurde die Einreise verweigert, weil er auf einer sogenannten Schwarzen Liste der Europäischen Kommission steht, und das respektieren wir», gab der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu Protokoll. Was wäre dem IOC auch anderes übrig geblieben?

Ein peinliches politisches Eigentor schossen sich die britschen Veranstalter selbst. Vor dem Gruppenspiel der Fußball-Frauen von Kolumbien und Nordkorea erschien auf der Anzeigetafel statt der nordkoreanischen Flagge die des verfeindeten Nachbarn aus Südkorea. Für die Spielerinnen aus Asien ein Affront. Sie machten beleidigt kehrt und zogen sich in die Kabine zurück. Erst eine Stunde später konnte das Spiel nach viel gutem Zureden und einer Entschuldigung angepfiffen werden. Immerhin der sportlichen Leistung tat das keinen Abbruch. Die Asiatinnen gewannen die Partie mit 2:0.

Aktuelles / Politik
[news.de] · 05.08.2012 · 09:10 Uhr
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