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Nato zerstört libysche TV-Anlagen

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Tripolis/Brüssel (dpa) - Das Brüsseler Bündnis schießt sich auf Gaddafis Fernsehen ein. Doch dieses verbreitet weiter seine Durchhalteparolen. Der gewaltsame Tod des Rebellen-Generals Junis bleibt mysteriös.

Nato-Kampfbomber haben in der Nacht zum Samstag drei Satellitenantennen des libyschen Staatsfernsehens zerstört. Nach Darstellung des Bündnisses wurden dadurch die «Terrorsendungen» des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi «zum Schweigen gebracht». Das libysche Staatsfernsehen blieb allerdings nach der Attacke weiter auf Sendung. Am Samstagmorgen wiederholte es eine Polit-Talkshow vom Vortag, berichtete der Nachrichtensender Al-Dschasira.

Die Nato begründete den Angriff auf die Übertragungsanlagen mit dem Mandat des UN-Sicherheitsrates zum Schutz der Zivilbevölkerung. Es sei darum gegangen, Gaddafis Einsatz des Satellitenfernsehens «als Mittel zur Einschüchterung des libyschen Volkes und zu Aufrufen zur Gewalt gegen Zivilisten zu verhindern», hieß es in einer in Brüssel verbreiteten Erklärung.

In der ostlibyschen Aufständischen-Metropole Bengasi ging indes das Rätselraten um die Ermordung des Militärchefs der Regimegegner, Abdulfattah Junis, weiter. Der am Donnerstag getötete General war am Freitag unter Anteilnahme von zehntausenden Menschen in Bengasi beigesetzt worden, berichteten arabische Nachrichtensender. Zugleich verdichteten sich die Spekulationen, dass er - zusammen mit zwei anderen Offizieren - Opfer eines Anschlags islamistischer Gruppen geworden sein könnte, die Teil der Aufstandsbewegung gegen Gaddafi sind.

Junis war ein enger Vertrauter Gaddafis noch aus der Zeit, als der libysche «Revolutionsführer» im Jahr 1969 die damalige Monarchie weggeputscht hatte. Zuletzt war er Gaddafis Innenminister. Als sich das Regime im Februar dieses Jahres anschickte, die bis dahin friedlichen Proteste in Bengasi blutig zu unterdrücken, lief Junis zur Aufstandsbewegung über.

Die Islamisten in deren Reihen könnten Rachegefühle gegen Junis gehegt haben, weil dieser in seiner Zeit als Gaddafi-Getreuer die religiöse Opposition mit aller Härte unterdrückt hatte, hieß es am Samstag in Bengasi. Andere Mutmaßungen zielten darauf ab, dass Junis seine Loyalität zum Gaddafi-Regime nie wirklich aufgegeben und als eine Art Regimeagent im Machtzentrum der Aufständischen weitergewirkt habe.

Die Rebellen im westlichen Nafusa-Gebirge haben indes den strategisch wichtigen Ort Gasaija fest unter ihre Kontrolle gebracht. Dort hielten sich nunmehr keine Gaddafi-Verbände mehr auf, berichtete ein Al-Dschasira-Reporter aus dem Kampfgebiet. Die Zivilbevölkerung sei aus dem bisher wichtigen Stützpunkt der Gaddafi-Truppen unweit der tunesischen Grenze vor den Kampfhandlungen geflohen.

Konflikte / Nato / Libyen
30.07.2011 · 13:06 Uhr
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