News
 

NATO soll offenbar auch bei Cyber-Attacken eingreifen

Ein US-Soldat am Computer (Archivbild): Nach Ansicht von NATO-Generalsekretär Rasmussen soll der Bündnisfall auf Cyber-Attacken ausgeweitet werden.

Berlin (dpa) - NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen will das Bündnis offenbar auch für Angriffe über das Internet wappnen.

Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag) nennt er in seinem Entwurf für das neue strategische Konzept neben der militärischen Bedrohung weitere Gefahren, denen die Allianz gemeinsam begegnen sollte. Dazu zähle neben den sogenannten Cyber-Attacken auch die Gefährdung von Energieversorgung und Infrastruktur.

Die 28 Mitgliedstaaten der Allianz wollen das neue Konzept bei ihrem Gipfeltreffen in Lissabon im November verabschieden. Der Entwurf Rasmussens ist noch als geheim eingestuft. Er wurde diese Woche den Regierungen zugestellt.

Laut «SZ» definiert der elfseitige Entwurf des NATO- Generalsekretärs drei Kernaufgaben der NATO im 21. Jahrhundert: Die kollektive Verteidigung gemäß Artikel 5 des NATO-Vertrags, die Förderung von Stabilität weltweit und das Management von Krisen.

Artikel 5 des NATO-Vertrags legt fest, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitgliedsland als Attacke auf das gesamte Bündnis betrachtet und gemeinsam abgewehrt wird. Diesen sogenannten Bündnisfall hat die NATO bislang erst einmal ausgerufen, und zwar nach den Terrorangriffen auf die USA vom 11. September 2001.

In dem Papier wird dem Bericht zufolge auch die Idee einer atomwaffenfreien Welt von US-Präsident Barack Obama aufgegriffen. Allerdings würden Zweifel deutlich, ob dieses Ziel je erreicht werden könne. Von einem Abzug von Atomwaffen aus den Mitgliedstaaten sei keine Rede.

Darauf wird voraussichtlich aber die deutsche Delegation beim NATO-Gipfel dringen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte sich bereits zu Beginn seiner Amtszeit offensiv für den Abzug der in Deutschland lagernden Atomwaffen stark gemacht. Offizielle Angaben zur Zahl gibt es nicht. Vermutet wird, dass sich auf dem rheinland- pfälzischen Fliegerhorst Büchel noch 10 bis 20 atomare Sprengköpfe aus US-Beständen befinden.

Eine zentrale Rolle soll in dem Rasmussen-Papier auch die Zusammenarbeit mit Russland spielen. In diesem Zusammenhang wird es beim Gipfel um die Frage eines gemeinsamen Raketenabwehrsystems der NATO gehen. Die USA hatten noch unter Präsident George W. Bush einen Alleingang bei dem Thema geplant. Inzwischen haben die Amerikaner der NATO und Russland angeboten, gemeinsam ein Abwehrsystem gegen Raketen - beispielsweise aus dem Iran - zu planen.

Verteidigung / Internet / NATO
01.10.2010 · 17:30 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

Weitere Themen