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Nato beginnt Kommandoübergabe an Afghanen

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Kabul/London (dpa) - Fast zehn Jahre nach dem Einmarsch in Afghanistan hat die Internationale Schutztruppe Isaf mit der Kommandoübergabe an die einheimischen Sicherheitskräfte begonnen.

Afghanische Armee und Polizei erhielten in der als relativ sicher geltenden Provinz Bamian bei einer feierlichen Zeremonie offiziell die Verantwortung für die Sicherheit. In Großbritannien und den USA gab es Zweifel an dem Vorhaben angesichts der instabilen Sicherheitslage am Hindukusch. Nach einem Nato-Beschluss soll der Kampfeinsatz in Afghanistan Ende 2014 beendet werden.

«Heute beginnt der Übergang», sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs von Bamian, Abdul Rahman Ahmadi. Regierung und Bevölkerung seien in der Lage, die Sicherheit zu gewährleisten.

Innenminister Besmillah Khan Mohammadi kündigte an, nach Abzug aller Isaf-Kräfte zusätzliche Polizisten in die Region zu entsenden. Bislang waren in Bamian kleinere Militäreinheiten aus den USA, Neuseeland und Singapur stationiert. Bamian ist die erste von sieben Regionen, in denen die Afghanen bereits in den kommenden Monaten das Kommando von der Isaf übernehmen. Darunter sind zwei weitere Provinzen und vier Städte. Einbezogen wird auch Masar-i-Scharif im Norden des Landes, wo sich das Hauptquartier der Bundeswehr-Truppen am Hindukusch befindet. Bis Ende 2014 soll der Großteil der derzeit landesweit 140 000 ausländischen Soldaten abgezogen und die Sicherheitsverantwortung für das Land schrittweise an die Afghanen übergeben werden.

Der Verteidigungsausschuss im britischen Unterhaus bezweifelte unterdessen, dass die Afghanen alleine für die Sicherheit des Landes sorgen können. Der Termin für den Abzug britischer Truppen müsse der tatsächlichen Situation angepasst werden, hieß es in einem in London veröffentlichten Bericht der Parlamentarier. Auch mehrere US-Generäle stehen dem Rückzug skeptisch gegenüber, da sie die Sicherheitslage in Afghanistan noch immer als instabil bewerten.

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox sagte dagegen, die Zielsetzungen seien «erreichbar», auch wenn noch «eine Menge zu tun» sei. Fox möchte wie von den Nato-Staaten vereinbart, dass britische Truppen bis Ende 2014 die Gefechtshandlungen einstellen. Die Briten sind vor allem im unruhigen Süden des Landes im Einsatz.

Die Provinz Bamian gilt dagegen als relativ sicher. So haben etwa die Taliban kaum Rückhalt in der Bevölkerung, denn während ihrer Herrschaft waren sie brutal gegen die einheimische schiitische Hasara-Mehrheit vorgegangen. Dennoch gibt es immer wieder gewaltsame Zwischenfälle. Erst Anfang Juni war der Chef des Provinzrates verschleppt und wenige Tage später enthauptet aufgefunden worden. Für die Tat machen die Behörden radikal-islamische Aufständische verantwortlich.

In der Nordprovinz Baghlan im Einsatzgebiet der Bundeswehr griffen Unbekannte in der Nacht zu Sonntag eine Hochzeitsfeier an und erschossen mindestens drei Menschen. Zwölf weitere seien bei dem Überfall verletzt worden, teilte ein Sprecher der Regionalverwaltung mit. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Bei einem Gefecht in der östlichen Provinz Nangarhar töteten Sicherheitskräfte nach afghanischen Angaben zudem mindestens 13 Aufständische.

Konflikte / Afghanistan
17.07.2011 · 16:14 Uhr
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