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Nachbeben erschüttern Norditalien

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Rom/Ferrara/Modena (dpa) - Schwere Nachbeben haben viele Menschen in Norditalien auch am Montag in Angst und Schrecken versetzt. Die Zahl derjenigen, die kein Dach mehr über dem Kopf haben, stieg nach Angaben des Zivilschutzes seit den ersten Erdstößen am Sonntagmorgen auf 4500.

Es ist jedoch offenbar für alle gesorgt: Insgesamt könnten 5500 Plätze bereitgestellt werden.

Regierungschef Mario Monti reiste vorzeitig vom Nato-Gipfel in Chicago zurück in die Heimat. Am Dienstag will die Regierung über Finanzhilfen beraten. Bisher gibt es keine Schätzung der Gesamtschäden. Allein der Verband der italienischen Landwirte sprach von 150 Millionen Euro Schaden an zerstörten Gebäuden und Anlagen.

Die zwei schwersten Nachbeben schreckten die Menschen am frühen Montagmorgen auf. Sie erreichten nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa eine Stärke von 3,7 und 3,6. Insgesamt gab es dem Internetportal «corriere.it» zufolge mehr als hundert kleinere Beben.

«Es wird wahrscheinlich noch mehrere Nachbeben geben, aber ich habe keine Angst - auch wenn mein Haus ganz schön gewackelt hat», sagte der ehemalige Geologie-Professor Carlo Elmi aus Modena der Nachrichtenagentur dpa. In Modena hielten sich die Schäden in Grenzen, schlimmer sei die Lage in Sant'Agostino oder Finale Emilia. Ein Erdbeben in der Region sei nichts ungewöhnliches, viele Häuser seien aber nicht entsprechend der geologischen Beschaffenheit der Region gebaut. «Alte Häuser, aber auch Fabrikgebäude sind zu labil», sagte Elmi.

Sieben Menschen starben bei dem Beben, das die Region am frühen Sonntagmorgen mit einer Stärke von 6,0 erschüttert hatte. Vier Arbeiter und eine über hundertjährige Seniorin wurden von Trümmern erschlagen. Eine 37-jährige Deutsche und eine 86-Jährige starben nach dem Beben, möglicherweise infolge des Schrecks. Die Zahl der Verletzten wurde zuletzt mit etwa 50 angegeben.

Aus den umliegenden Regionen Lombardei, Venetien, der Toskana und Latium reisten Helfer ins Erdbebengebiet. Laut Innenministerium sind es insgesamt 650 Helfer. Aus dem Gefängnis von Ferrara wurden nach einem Bericht des Portals «repubblica.it» 500 Häftlinge vorsorglich in andere Gebäude gebracht.

Viele Schulen im Erdbebengebiet blieben am Montag geschlossen. Auch am Dienstag wird dort der Unterricht ausfallen. Zahlreiche Häuser in der Erdbebenregion sind unbewohnbar, Fabrikhallen und landwirtschaftliche Gebäude stürzten ein. Straßen waren zeitweise unpassierbar.

In der gesamten Region gibt es auch Schäden an wertvollen Kulturschätzen und Denkmälern, unter anderem in der Renaissancestadt Ferrara, deren Stadtkern zum Weltkulturerbe gehört. In Bologna und Ferrara sowie einer Reihe von kleineren Orten wurden Kirchen gesperrt, weil sie Risse bekommen hatten. In San Felice stürzte ein Turm aus dem 14. Jahrhundert ein. «Die Schäden an dem kulturellen Erbe sind nach ersten Erkenntnissen beachtlich», sagte der Minister für Kulturgüter, Lorenzo Ornaghi.

Erdbeben / Italien
21.05.2012 · 17:37 Uhr
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