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Nach Wahl: Sorge um Aussöhnung auf Zypern

Kontrollstelle an der so genannten Grünen Linie zwischen dem türkischen und griechischen Teil Zyperns (Archivbild).
Nikosia/Istanbul (dpa) - Mit dem Sieg des türkischen Hardliners Dervis Eroglu bei der Präsidentenwahl im Nordteil Zyperns wächst die Sorge um den Friedensprozess auf der geteilten Mittelmeerinsel.

Griechische Politiker erklärten nach der Wahl vom Sonntag, die Verhandlungen über die Wiedervereinigung steuerten auf eine Sackgasse zu. Die Europäische Union forderte, die Gespräche müssten fortgesetzt werden. Der Streit um Zypern erschwert der Türkei eine weitere Annäherung an die EU. Am Montagabend gab es das erste telefonische Gespräch des Wahlsiegers mit dem griechisch-zyprischen Volksgruppenführer und Präsidenten der Republik Zypern, Dimitris Christofias.

Christofias rief Eroglu an, gratulierte ihm zu seinem Sieg und erklärte sich bereit, die Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns fortzusetzen. Wie das zyprische Fernsehen (RIK) weiter berichtete, habe sich Eroglu bedankt und Christofias gesagt, er sei bereit sich mit ihm zu treffen.

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül ermunterte Eroglu zur Fortsetzung der Verhandlungen. Zypern gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union. Das EU-Recht gilt aber vorerst nur im griechisch- zyprischen Süden der Insel. Nur Ankara erkennt die Türkische Republik Nordzypern als Staat an. «Für den Erfolg der Verhandlungen wird die Türkei den Willen des türkisch-zyprischen Volkes weiter unterstützen», schrieb Gül an Eroglu. Der türkische Nordteil solle unter Führung Eroglus international besser integriert und entwickelt werden.

Eroglu erhielt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis knapp 50,4 Prozent der Stimmen und ließ damit den gemäßigten Amtsinhaber Mehmet Ali Talat mit rund 42,3 Prozent deutlich hinter sich. Der neue Präsident hat sich mehrfach gegen eine Wiedervereinigung ausgesprochen. Er versicherte nach dem Wahlsieg jedoch, die Verhandlungen sollten fortgesetzt werden.

«Es gibt keine Alternative zu einer Lösung, der Status quo ist unhaltbar», sagte die Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle am Montag in Brüssel. Eroglu müsse «konstruktiv» an die Sache herangehen. Die Kommission biete ihre «volle Unterstützung» für eine schnellstmögliche Einigung an. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, eine Lösung der Zypernfrage sei nur auf dem Verhandlungsweg möglich. «Dafür ist von beiden Seiten die Bereitschaft und auch der Mut zu schmerzhaften Kompromissen erforderlich», betonte Westerwelle in einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes.

Der zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou sagte: «Die Wahl Eroglus ist zweifellos eine negative Entwicklung wegen seiner Thesen. Was jetzt Vorrang hat, ist zu sehen, wie wir auf dieser neuen Basis arbeiten und eine Lösung suchen.» Andros Kyprianou, Generalsekretär der linken Partei AKEL, meinte: «Wir haben neue, sehr negative Gegebenheiten.» Auch der Präsident der kleinen Sozialistischen Partei EDEK, Giannakis Omirou, erklärte: «Das Ergebnis erzeugt neue Tatsachen. (...) Wir gehen wohl in die Sackgasse.» Averof Neofytou, Vizepräsident der konservativen, zweitgrößten Partei DISY (Demokratische Gesamtbewegung), betonte: «Wenn wir mit Talat schon keine Ergebnisse hatten, wie kann man jetzt hoffen, dass es mit Eroglu weitergeht.»

Talat suchte seit September 2008 mit dem Präsidenten der Republik Zypern, Dimitris Christofias, nach einer föderativen Lösung. Die seit 1974 geteilte Insel soll in Form einer Bundesrepublik wiedervereinigt werden. Diese soll aus zwei Ländern - dem türkisch-zyprischen im Norden und dem griechisch-zyprischen im Süden - gebildet werden. Die Nationale Einheitspartei von Eroglu hat dagegen eine Zwei-Staaten- Lösung gefordert.

Wahlen / Zypern
19.04.2010 · 19:40 Uhr
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