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Nach vereitelten Attentaten: Saudischer Terrorist im Visier

Luftpost-Anschläge vereiteltGroßansicht

London/New York/Sanaa/Berlin (dpa) - Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der vereitelten Paketbombenanschläge haben die US-Fahnder einen ersten Hauptverdächtigen im Visier: Laut «New York Times» vermuten die Ermittler den saudischen Terroristen Ibrahim Hassan al-Asiri hinter den Attentatsplänen.

In Jemen wurde eine Studentin festgenommen, die eine der beiden Paketbomben losgeschickt haben soll. In Deutschland soll vorerst keine Fracht mehr aus dem südarabischen Land ankommen, die Kontrollen wurden verschärft. Eine der beiden Bomben war auf dem Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden. Innenminister Thomas de Maizière sagte eine Nahost-Reise kurzfristig ab.

Die Bundesregierung stoppte als Konsequenz aus den Bombenfunden den gesamten Luftfrachtverkehr aus dem Jemen. «Wir lassen keinerlei Luftpostpakte und Fracht aus dem Jemen mehr nach Deutschland. Das Luftfahrtbundesamt wird die Fluggesellschaften, Expressdienstleister und andere Transportunternehmen entsprechend anweisen», sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Sonntag.

Das Luftfahrtbundesamt forderte die Unternehmen auf, auch jene Frachtstücke, die jetzt noch aus dem Jemen eintreffen oder bereits in Deutschland lagern, lückenlos zu kontrollieren. Insbesondere Transit- und Transferfracht müsse überwacht werden. Die Deutsche Post bestätigte, dass ihre Tochter DHL bereits alle Lieferungen aus dem Jemen gesondert kontrolliert. «Wir folgen natürlich den Vorgaben der Behörden», sagte die Sprecherin.

Bei der Fahndung nach den Hintermännern haben die US-Behörden ihr Augenmerk inzwischen auf den Saudi Ibrahim Hassan al-Asiri gerichtet, der als eine der führenden Figuren der Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel gilt. In den an jüdische Einrichtungen in Chicago adressierten Paketbomben war nach Medienberichten der Sprengstoff PETN enthalten. Den gleichen Sprengstoff wollte auch der sogenannte «Unterhosenbomber» Omar Farouk Abdulmutallab bei seinem gescheiterten Versuch zünden, Weihnachten 2009 ein Passagierflugzeug über Detroit in die Luft zu jagen. Abdulmutallab hatte nach Angaben der US-Behörden Verbindungen zur Al-Kaida im Jemen.

Die jemenitischen Behörden nahmen am Samstag eine 22-Jährige Studentin und deren Mutter in einem Armenviertel der Hauptstadt Sanaa fest. Wie die Regierung mitteilte, führte eine bei einer der Bomben gefundene SIM-Karte auf die Spur der jungen Frau. «Sie ist eine Medizinstudentin, und sie wird zur Befragung festgehalten», sagte Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh am späten Samstagabend. Die 22- Jährige sei von den US-Behörden als Absenderin der Pakete ermittelt worden.

Nach Angaben ihres Anwaltes könnte die Studentin aber Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sein. Laut BBC hatte sie ihre Telefonnummer bei einem Frachtunternehmen hinterlegt. Es mache keinen Sinn, dass jemand, der einen Bombenanschlag plane, eine Kopie seines echten Ausweises und seine Telefonnummer hinterlasse, zitierte die britische «Sunday Times» den Anwalt.

Nach US-Medienberichten wurden die Pakete aus dem Jemen nur durch einen Hinweis des saudi-arabischen Geheimdienstes entdeckt und nicht bei den regulären Sicherheitschecks. Eine der beiden Bomben wurde in Dubai gefunden, der zweite Sprengsatz auf dem East-Midlands-Flughafen nahe Nottingham.

Wie der britische Premier David Cameron am Samstagabend sagte, sollte die Bombe noch im Flugzeug explodieren. Die manipulierte Drucker-Patrone war nach bisherigen Erkenntnissen mit einem Flugzeug des Paketdienstes UPS aus dem Jemen nach Großbritannien gekommen und auf ihrem Weg dahin auf dem Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden.

Cameron war der erste, der am Samstag in einem Nebensatz bestätigte, dass die hochexplosive Fracht in Deutschland einen Zwischenstopp gemacht hatte: «Ein Paket, das im Jemen auf den Weg gebracht wurde, in Deutschland landete, dann in Großbritannien landete, bestimmt für Amerika; das zeigt, wie stark wir zusammenstehen und wie entschlossen wir sein müssen, um den Terrorismus zu besiegen», sagte er vor einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel.

Sicherheitskreise bestätigten am Sonntag, dass das Bundeskriminalamt einen Hinweis bekommen hatte, wonach gefährliche Fracht nach Europa unterwegs sein könnte. Laut «Bild am Sonntag» hatte das BKA den Tipp aus Saudi-Arabien erhalten, konnte den Weitertransport des Bombenpakets nach Großbritannien aber nicht mehr stoppen.

Terrorismus / USA / Großbritannien
31.10.2010 · 16:09 Uhr
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