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Nach S&P-Abwertung: DIW-Ökonom hält Auseinanderbrechen der Euro-Zone für möglich

Berlin (dts) - Nach Einschätzung des Forschungsdirektors für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke, könnte die Euro-Zone infolge der jüngsten S&P-Herabstufungen von neun Euro-Ländern auseinanderbrechen. "Ohne ein top geratetes Frankreich und auch wegen des Downgradings anderer Partnerländer kommen auf Deutschland vermehrte Lasten im Rahmen der EFSF zu. Damit könnte auch eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands drohen", sagte Belke der Onlineausgabe des "Handelsblatts".

Diese Entwicklung lasse die Märkte zunehmend an der Nachhaltigkeit der Euro-Zone zweifeln. Selbstverstärkung werde von Märkten antizipiert, Aktienkurse fielen, was den Prozess beschleunige. "Folglich erhöht sich hierdurch im Extremfall auch die Wahrscheinlichkeit für das Auseinanderbrechen der Euro-Zone", warnte der Professor für Makroökonomik an der Universität Duisburg Essen. Belke schätzt, dass vor allem mit der Herabstufung Frankreichs der Euro-Rettungsschirm EFSF die für die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise nötige Schlagkraft eingebüßt hat. Frankreich stehe für den EFSF mit der mit Abstand zweithöchsten Garantiesumme grade. "Mit dem Verlust des AAA-Ratings ist nun eine tragende Säule des EFSF ins Wanken geraten", sagte das Mitglied des "Monetary Expert Panels" im Europa-Parlament. "Entweder ergibt sich jetzt bald ein Anlass zu einem Ausscheiden Frankreichs als Garantiegeber des EFSF oder Frankreich bleibt aus Furcht vor Reputationsverlusten dabei, was aber zu einem schlechteren Rating des EFSF insgesamt und zu höheren Kosten der Kapitalaufnahme durch den Fonds führen würde. Damit würden alle bisherigen Versuche, die Euro-Schuldenkrise zu beruhigen, konterkariert, den sie beruhen ja zentral auf dem AAA-Rating einer hinreichen großen und wirtschaftlich potenten Zahl an Volkswirtschaften." Auch für die Weltwirtschaft hält Belke schwere Rückschläge für möglich, wenn nicht "unbedingt" vermieden werde, dass sich die Ratings der Industrieländer "schleichend" verschlechtern. "Denn der Effekt ist selbstverstärkend, da dann die Kreditzinsen für die betroffenen Länder steigen und das Wirtschaftswachstum zurückgeht", sagte der DIW-Ökonom. Möglich sei dann, dass sich in der Folge Ratings von Hypothekenfinanzierern und Pensionskassen als Halter von wegen der Schuldenkrise zunehmend zweifelhaften Staatsanleihen verschlechterten. "Nicht kontrollierbare Marktverwerfungen wären dann nicht auszuschließen, mit unabsehbaren Folgen für die weltwirtschaftliche Entwicklung."
DEU / Finanzindustrie / Wirtschaftskrise
16.01.2012 · 09:57 Uhr
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