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Nach Massenunfällen politische Debatte über A2

Luftbild Unfallserie auf A 2Großansicht
Hannover (dpa) - Nach der Serie von Massenkarambolagen auf der A2 mit 82 Verletzten ist eine politische Debatte über die Sicherheit auf Autobahnen entbrannt.

SPD und Grüne machten die niedersächsische Landesregierung mitverantwortlich für das Unfallchaos, da die A2 noch nicht vollständig mit elektronischen Hinweistafeln ausgestattet ist, die auf Staus hinweisen oder Tempo-Limits vorgeben. Auf dem Abschnitt, wo es am Sonntagabend dutzendfach krachte, gibt es diese Verkehrsleitsysteme noch nicht. Die Grünen-Fraktion forderte am Dienstag zudem den kompletten dreispurigen Ausbau der beiden großen Transitstrecken A2 und A7. Die FDP sprach sich hingegen für den Ausbau einer entlastenden Parallel-Autobahn aus.

Nach starkem Regen, Aquaplaning und anschließend tief stehender Sonne waren zwischen Braunschweig und Lehrte bei Hannover etwa 240 Autos ins Schleudern geraten oder ineinandergerast. Viele Reisende waren zu schnell unterwegs. Nach Polizeiangaben wird gegen 67 Fahrer, die Unfälle verursacht haben sollen, ermittelt. Sie müssen mit Bußgeldbescheiden oder Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung rechnen. «Mit einem Verkehrsleitsystem hätten wir auf die ersten Unfälle reagieren können», sagte der Ermittlungsleiter Hans-Hermann Ehlers. 20 Schwerverletzte lagen am Dienstag noch im Krankenhaus.

Vom Polizei-Hubschrauber aufgenommene Bilder des Unfallgeschehens sollen in den kommenden Tagen ausgewertet werden. «Aber eigentlich ist die Unfallursache klar», sagte Ehlers. Durch die untergehende Sonne seien die Fahrer geblendet worden. «Die Sicht betrug um 40 Meter - wie im Nebel.» Die A2 als Ost-West-Achse mit bis zu 30 Prozent Schwerlastverkehr war lange als «Todesstrecke» verrufen, seit 2008 sinken allerdings die Unfallzahlen. «Im Moment fahren aber aufgrund der Wirtschaftskrise auch 25 Prozent weniger Lkws», sagte der Experte der Autobahnpolizei.

Das niedersächsische Verkehrsministerium hat bisher die Hälfte der niedersächsischen A2 mit einem elektronischen Verkehrsleitsystem ausstatten lassen. Bis spätestens Anfang 2011 soll der Abschnitt Braunschweig-Nord bis nach Lehrte folgen. Von Wunstorf bis zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen werde derzeit gebaut, die Anlagen sollen Ende dieses Jahres stehen, teilte das Ministerium mit. Zudem gibt es massive Kontrollen und Warnhinweise auf der unfallträchtigen Strecke.

Für SPD und Grüne ist dies nicht genug. «Die Situation auf der A2 und A7 ist dramatisch. Mit diesem Geklecker ist keinem geholfen», kritisierte der Grünen-Abgeordnete Enno Hagenah. Anstatt an dem umstrittenen langfristigen Neubau der A39, A33 und A22 festzuhalten, sollten die 500 Millionen Euro Bundesmittel für den Ausbau der Nord-Süd-Achse A7 und der Ost-West-Achse A2 ausgegeben werden. Dies sei auch ökologisch sinnvoll, meinte Hagenah. «Die Emissionen sinken, wenn der Verkehr fließt.»

Die SPD erklärte, sie fordere «seit Jahren» für die A2 ein lückenloses Verkehrsleit- und Informationssystem. «Doch unsere Warnungen wurden vom Wirtschaftsministerium immer wieder in den Wind geschlagen», kritisierte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gerd Will. 

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Jörg Bode sprach sich dagegen für eine entlastende Parallel-Autobahn über das Dreieck Walsrode in Richtung Osten bis Berlin aus. «Es fehlt keine Technik an der A2, es sind einfach zu viele Autos auf der Autobahn», erklärte er.

Dagegen hält der Verkehrsexperte Prof. Manfred Wermuth technische Anlagen sowie einen Ausbau der Autobahnen für notwendig. «Die A7 bräuchte wirklich einen dreistreifigen Ausbau», sagte der frühere Leiter des Instituts für Verkehr und Stadtbauwesen an der Technischen Universität Braunschweig der dpa.

Unfälle / Verkehr
21.07.2009 · 17:34 Uhr
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