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Nach Fan-Tumulten in Düsseldorf: Hertha erwägt Protest

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Düsseldorf/Berlin (dpa) - Nach einem Fußball-Abend zwischen Himmel und Hölle fehlt Fortuna Düsseldorf die letzte Gewissheit über den Aufstieg in die Bundesliga. Hertha BSC berät nach den skandalösen Fan-Tumulten über einen Protest.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat am Mittwoch die Ermittlungen aufgenommen. «Ich sehe keinen Handlungsbedarf für einen Protest und gehe fest davon aus, dass wir aufgestiegen sind», sagte Fortuna-Manager Wolf Werner nach dem 2:2 im Relegations-Rückspiel.

«Ich weiß gar nicht, ob ich mich nach diesen Bildern am Schluss des Spiels freuen soll», sagte Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth zu den Krawallszenen in der Esprit-Arena. Bereits nach dem 2:1 in der 59. Minute musste Referee Wolfgang Stark die Partie erstmals unterbrechen, weil aus dem Hertha-Block Feuerwerkskörper auf den Rasen geworfen wurden. Richtiges Chaos brach jedoch in der Nachspielzeit beim Stande von 2:2 durch Raffael (85.) aus. Sieben Minuten Verlängerung hatte der Linienrichter angezeigt, doch schon nach knapp sechs stürmten Hunderte Fortuna-Anhänger in den Innenraum.

«Die Fans sind nach einem geglaubten Abpfiff auf das Spielfeld gelaufen. Wir haben dann aber alles getan, um sie wieder aus dem Innenraum zu bringen», erklärte Werner. Da der Unparteiische Stark dennoch nach 21-minütiger Unterbrechung das Spiel fortsetzte, ist für ihn die Sachlage klar: «Damit ist die Spielwertung nicht gefährdet.»

Dafür bangte Hertha-Manager Michael Preetz um das Leben seiner Profis. «Ich glaube, die Sicherheit für die Spieler war nicht mehr gewährleistet. Da ist es schwierig für sie, wieder aus der Kabine zu kommen», sagte Preetz. Erst Schiedsrichter Stark musste die Berliner dazu bewegen, wieder aus den Katakomben zu kommen. Zuvor hatte er sich bei der Polizei versichert, ob eine gefahrlose Fortsetzung gewährleistet werden könnte.

«Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern», behauptete Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt im «Morgenmagazin» von ARD und ZDF. «Ich finde das total überzogen», entgegnete Werner ungehalten. Lob erhielt Stark vom Chef der DFB-Schiedsrichter für sein umsichtiges Handeln. «Aus unserer Sicht hat er das sauber bis zum Ende abgewickelt», erklärte Herbert Fandel.

Hertha muss nach Schickhardts Angaben bis Donnerstag Einspruch gegen die Wertung des Spiels einlegen. Der Fortuna würde im Extremfall ein Wiederholungsspiel drohen, wahrscheinlicher aber eine saftige Geldstrafe oder eine Partie vor einer Geisterkulisse. Die Berliner hatten das Hinspiel mit 1:2 verloren und sind nach dem 2:2 - vorbehaltlich einer DFB-Entscheidung - zum sechsten Mal aus der Bundesliga abgestiegen.

«Die Mannschaft ist cool geblieben», sagte Fortuna-Stürmer Thomas Bröker am Ende eines turbulenten Abends. Die Party nach dem Bundesliga-Comeback nach 15 Jahren wollten er und seine Mitspieler sich aber nicht verderben lassen. «Wir sind alle überglücklich. Es ist wohl für jeden einzelnen der schönste Moment in unserem Leben», sagte Torschütze Ranisav Jovanovic. «Ich kann nur jedem sagen: «Das ist kein Traum mehr, sondern nun Realität.» Ziemlich nahe gerückt war der fünfte Aufstieg nach 1966, 1971, 1989 und 1995 schon nach 25 Sekunden, als Maximilian Beister das Führungstor geschossen hatte.

«Dieses Spiel war Fortuna-like. Nach dem 2:2 mussten wir noch mal zittern», sagte Düsseldorfs-Trainer Norbert Meier. «Die wichtigste Erkenntnis ist für mich heute: Wir können nicht mehr aufsteigen. Dieses Wort kann ich nicht mehr hören.» Für Manager Werner ist der Höhenflug - von 2002 bis 2004 spielte Fortuna noch in der viertklassigen Oberliga - kaum zu glauben: «Ich hatte vor Jahren eine Vision aufgezeigt, wie wir in den Profi-Fußball zurückkehren können. Da hat man mir gesagt, wer Visionen hat, gehört ins Krankenhaus.»

Hertha BSC wird in der Saison 2012/13 wohl wieder in die 2. Liga spielen. «Es ist ein sehr bitterer Abend für den Verein und die Fans», sagte der Berliner Mittelfeldspieler Peter Niemeyer. Trotz des Absturzes will Hertha-Präsident Werner Gegenbauer an dem umstrittenen Manager Michael Preetz festhalten: «Für mich ist es völlig unstrittig, dass er in seiner Position bleibt.»

Für Otto Rehhagel fand seine mutmaßliche letzte Traineraufgabe ein erfolgloses Ende. «Jetzt können wir eine Nacht weinen, dann müssen die Augen nach vorne gerichtet und die Mannschaft verstärkt werden, um einen Neustart zu machen», sagte der 73-Jährige. Die Tumulte bezeichnete er als Katastrophe. «Ich habe so etwas noch nie erlebt.»

Fußball / Bundesliga / Relegation / Düsseldorf / Berlin
16.05.2012 · 13:45 Uhr
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