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Nach dem Beben droht japanischen AKWs die Kernschmelze

Japanisches Atomkraftwerk Fukushima DaiichiGroßansicht

Tokio (dpa) - In Folge des Jahrhundert-Erdbebens mit anschließendem Horror-Tsunami droht Japan auch noch eine Atomkatastrophe. Nach Problemen mit dem Kühlsystem im Kraftwerk Fukushima 1 wurde am Samstagmorgen auch für das Nachbarkraftwerk Fukushima 2 der atomare Notstand ausgerufen.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft berichtete, fiel auch dort in drei Reaktoren das Kühlsystem aus. In beiden Werken drohte damit eine Kernschmelze. Die Regierung in Tokio ordnete in weitem Umkreis Evakuierungen an, um die Bevölkerung in Sicherheit zu bringen.

Am Morgen nach dem Beben der Stärke 8,9 und dem verheerenden Tsunami, der bis weit ins Land hinein Schiffe, Häuser, Autos und Menschen mitgerissen hatte, wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar. Man müsse von über 1000 Toten ausgehen, meldete Kyodo. Allein in der nordöstlichen Hafenstadt Sendai sollen bis zu 300 Menschen ums Leben gekommen sein. Bis Samstagmorgen wurden 236 Tote bestätigt. Hunderte wurden verletzt. Mehr als 700 Menschen galten als vermisst. Tausende Häuser waren zerstört. Raffinerien brannten, noch immer stiegen dicke Rauchsäulen in den Himmel.

Im Kontrollraum des Kraftwerks Fukushima 1 sei die radioaktive Strahlung auf das tausendfache des normalen Werts gestiegen, berichtete Kyodo unter Berufung auf die nationale Atomsicherheitsbehörde. Um Druck von dem Reaktor zu nehmen, sollte kontrolliert Dampf abgelassen werden, teilte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien mit. Dieser Dampf werde gefiltert, um die Radioaktivität nicht in die Umwelt entweichen zu lassen, hieß es unter Berufung auf japanische Angaben. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass dabei keine Radioaktivität freigesetzt werde. Man habe jedoch nicht genügend Informationen aus Japan, um die Lage umfassend einschätzen zu können, hieß es bei der IAEA.

Die Generatoren des Werks, die unter anderem das Kühlsystem mit Energie versorgen sollen, waren durch den Tsunami zerstört worden. Japans Premierminister Naoto Kan weitete den Evakuierungsbereich um die Atomanlage aus. Er forderte die Menschen in einem Radius von zehn Kilometern um das Kraftwerk auf, sich in Sicherheit zu bringen. Er ließ sich mit einem Hubschrauber zu dem Kraftwerk fliegen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Nach der Ausrufung des atomaren Notstands im etwa 12 Kilometer entfernten Fukushima 2 wurden auch dort die Bewohner in einem Umkreis von drei Kilometern um das Kraftwerk aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.

In weiten Teilen Japans bebte die Erde auch am Samstagmorgen immer wieder. Die Menschen im Großraum Tokio wurden von einer neuen schweren Erschütterung aufgeschreckt. Auch in der Provinz Nagano gab es starke Nachbeben. Das japanische Fernsehen zeigte Bilder von großflächigen Überschwemmungen an der Küste. Viele Menschen verbrachten die eiskalte Nacht frierend im Freien auf den Dächern umfluteter Häuser.

Das gewaltige Beben hatte Japan am Freitag gegen 14.45 Uhr Ortszeit (6.45 Uhr MEZ) erschüttert. Das Zentrum der Erdstöße lag 24,4 Kilometer unter dem Meeresboden, 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. An der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu fielen Gebäude wie Kartenhäuser zusammen, eine Wasserwand raste ins Landesinnere und riss alles mit sich, was ihr im Weg stand. Auch ein Reisezug wurde an der Küste vermisst, berichtete die Agentur Kyodo. Wie viele Menschen in dem Zug waren, blieb zunächst unklar.

Im gesamten Pazifikraum wurden in etwa 50 Ländern zeitweise Tsunami-Warnungen ausgelöst. Während die gefürchteten Flutwellen auf Taiwan, den Philippinen und auf den Pazifik-Inselstaaten ausblieben, ließ die chilenische Regierung die gesamte 5000 Kilometer lange Küste des Landes evakuieren. Dort wurde mit Wellen mit einer Höhe von bis zu drei Metern gerechnet. An der US-Westküste gab es eher kleinere Schäden. Einige Länder hoben ihre Warnungen bereits wieder auf.

International wurde der japanischen Regierung Hilfe angeboten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte langfristige Unterstützung beim Wiederaufbau der zerstörten Landstriche zu. «Japan soll wissen, dass Deutschland in dieser schwierigen Stunde an seiner Seite steht», sagte Merkel am Freitag in Brüssel. Deutsche Experten seien bereits unterwegs, um zu helfen.

Die USA schickten rund 140 Katastrophenhelfer nach Japan, um die Such- und Rettungsmaßnahmen zu unterstützen. Die Teams würden zudem 75 Tonnen Hilfsmaterial und Suchhunde mit in das Land bringen, teilte die US-Behörde für Internationale Entwicklung mit. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten bereits zur Unterstützung einen Flugzeugträger nach Japan entsandt.

Erdbeben / Japan
12.03.2011 · 02:12 Uhr
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