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Nach «Curiosity» - Wie eine Kolonie auf dem Mars entsteht

Der Mars-Rover «Curiosity» ist gelandet und funkt Bilder des Roten Planeten zur Erde. In den kommenden Jahren soll die Sonde Untersuchungen durchführen. Das große Ziel der Wissenschaftler, eine bemannte Reise zum Mars, rückt damit näher. Doch wie sieht ein möglicher Fahrplan für eine Mars-Kolonie aus? Wie lange würde ein solches Vorhaben brauchen, mit welchen Schwierigkeiten wäre es verbunden?

Der deutsche Astronaut und Astrophysiker Ulrich Walter, 68, gibt im news.de-Interview Antworten. Walter flog im Jahr 1993 an Bord der «Discovery» zehn Tage ins All. Heute ist er Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München.

Welche Ergebnisse erwarten Sie von der «Curiosity»-Mission?

Walter: Diese Mission unterscheidet sich nicht wesentlich von ihren Vorgängern. Aber die Instrumente des «Curiosity»-Rovers sind besser, um nach Leben auf dem Mars zu suchen. Zudem kann der «Curiosity»-Rover in der Tiefe nach Gestein und Wasser bohren - die Vorgänger-Rover hatten nur Schaufeln.

Erwarten Sie einen Wettlauf um den Mars?

Walter: Nein, zurzeit nicht. Ich denke, eine Erkundungsmission wird jeder selbst durchführen.

Wie laufen die kommenden Vorbereitungsjahre für eine bemannte Mars-Mission ab?

Walter: Eine Reise zum Mars dauert zweieinhalb Jahre: rund 200 Tage Hinflug, ein 500-Tage-Aufenthalt, nochmal 200 Tage Rückflug. Das schüttelt niemand aus der Hüfte. Zur Vorbereitung muss es eine Mond-Mission geben, bei der Astronauten zwei, drei Jahre auf dem Mond bleiben, um zu zeigen, dass die Technik funktioniert und beherrscht wird. Ich glaube nicht, dass die Amerikaner vor dem Jahr 2025 auf dem Mond sein werden - und erst nach dem Aufenthalt kann mit den Planungen für eine Mars-Mission begonnen werden.

Welche Schwierigkeiten gibt es noch?

Walter: Wenn Sie den Abschuss zum Mars gesetzt haben, können Sie nicht mehr zurück - dann sind Sie zweieinhalb Jahre unterwegs. Neben der Technik sind auch kosmische Strahlung und die Psyche problematisch - gerade dafür gab es die Mars500-Simulation.

Wann werden die ersten Menschen den Mars betreten?

Walter: Alle 15 Jahre tritt eine besonders günstige Konstellation für eine bemannte Mars-Mission auf - die nächste im Mai 2032. Das wird aber zu knapp, denke ich. Deshalb könnte die übernächste Konstellation im Jahr 2047 für eine bemannte Mission genutzt werden.

Wie kann der Mars bewohnbar gemacht werden?

Walter: Zunächst muss der Mars aufgewärmt werden - durch das Einbringen von Flurkohlenwasserstoffen als Treibhausgas. Durch die gestiegene Temperatur würden die CO2-Polkappen auftauen. Es entstünde schließlich eine Atmosphäre aus Kohlendioxid mit vielleicht zehn, zwanzig Grad plus. Das Wasser auf dem Mars, das vermutlich unter der Oberfläche verborgen ist, würde schmelzen. Danach müssten wir Pflanzen in den fruchtbaren Mars-Boden einbringen, die Sauerstoff produzieren. Nach einigen hundert, vielleicht sogar tausend Jahren hätten die Pflanzen ausreichend Kohlendioxid in Sauerstoff umgewandelt, damit Menschen dort frei atmen können.

Bis dahin müssten Menschen im Raumanzug auf dem Mars wohnen?

Walter: Ja, das müssten sie. Allein, weil die Atmosphäre zu gering ist und die kosmische Strahlung damit zu hart ist.

Sie glauben, dass Außerirdische, die zur Erde kommen, feindlich sind?

Walter: Das müssen sie sein. Diese Lebensformen wären hunderte Jahre unterwegs gewesen, so verlangt es die Physik - das macht niemand aus Jux und Dollerei. Es kann nur einen Grund geben: Ihr Planet ist kaputt und sie müssen sich einen neuen suchen.

Sie selbst waren als Wissenschaftler 1993 an Bord der «Columbia». Was hat Sie am Weltall am meisten fasziniert?

Walter: Die Losgelöstheit, mit der man auf die Erde sieht, und die Erkenntnis, dass wir ziemlich allein in einem menschenfeinlichen All sind. Wir müssen eben auf uns selbst aufpassen.

Aktuelles / Gesellschaft
[news.de] · 11.08.2012 · 08:00 Uhr
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