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Nach Blutbad: Kein Strategiewechsel in Afghanistan

Ein Bundeswehrsoldat sichert in Afghanistan eine Erkundungsmission. (Archivfoto)Großansicht

Kabul/Berlin (dpa) - Neuer Terrorschock in Afghanistan: Einen Tag nach dem Blutbad in einem Bundeswehrlager sind bei einem der schwersten Anschläge der vergangenen Jahre am Hindukusch mindestens 42 Menschen getötet worden.

Ein Todeskommando der Taliban stürmte am Samstag eine Bankfiliale in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Dschalalabad und eröffnete das Feuer auf Angestellte und Kunden. Die Extremisten trugen Uniformen der afghanischen Armee. In der Nachbarprovinz Kunar warfen die Behörden der internationalen Schutztruppe Isaf vor, bei mehreren Einsätzen 51 Zivilisten getötet zu haben.

Nach dem Angriff eines afghanischen Soldaten auf die Bundeswehr in der Provinz Baghlan wurden am Sonntag sieben Verletzte nach Deutschland ausgeflogen. Der Zustand von zwei Soldaten war weiterhin kritisch. Die drei gefallenen Panzergrenadiere aus dem niederbayerischen Regen sollen an diesem Montag übergeführt werden.

Die Bundesregierung will die Afghanistan-Strategie, die auf verstärkte Ausbildung afghanischer Soldaten auch an vorderster Front setzt, trotz des Blutbads nicht in Frage stellen. «Wir würden aus unserer Gesamtstrategie ein wichtiges Element herausnehmen», sagte auch der Kommandeur der internationalen Truppen in Nordafghanistan, Generalmajor Hans-Werner Fritz, der Nachrichtenagentur dpa.

Unter den Toten in Dschalalabad waren nach Angaben des Innenministeriums 21 Soldaten und Polizisten sowie 4 Angreifer. Außerdem wurden 71 Sicherheitskräfte sowie eine unbekannte Anzahl Zivilisten verletzt. Zum Zeitpunkt des Angriffs hatten sich vor den Schaltern lange Schlangen gebildet, da an diesem Tag die Gehälter an die Sicherheitskräfte ausgezahlt wurden. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Staatspräsident Hamid Karsai verurteilte den Angriff als «unislamisch».

Am Freitag hatte ein Soldat der afghanischen Nationalarmee beim schlimmsten Angriff auf die Bundeswehr seit fast einem Jahr in einem Vorposten in der Provinz Baghlan ein Blutbad angerichtet. Drei Soldaten wurden getötet, sechs verletzt, zwei davon schwer. Wenige Stunden später wurden vier weitere Bundeswehrsoldaten bei einem Gefecht in der Provinz Kundus verwundet.

An diesem Montag soll im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif eine Trauerfeier für die drei Gefallenen stattfinden. Bei den Toten handelt es sich um Panzergrenadiere aus dem niederbayerischen Regen im Alter von 21, 22 und 30 Jahren.

Die radikalislamischen Taliban übernahmen zwar die Verantwortung für den Angriff auf die Patrouille bei Kundus, bestritten aber jede Verbindung zu dem Todesschützen von Baghlan. Provinzgouverneur Munshi Abdul Majeed erklärte, erste Informationen wiesen darauf hin, dass der Angreifer politische Motive gehabt und mögliche Verbindungen zu einem «terroristischen Netzwerk» gepflegt habe. Der Mann, der eigentlich zum Schutz des Bundeswehr-Außenpostens «OP North» eingesetzt war, wurde bei dem Angriff erschossen.

Die in dem Lager stationierten 500 Bundeswehrsoldaten gehören zu einem Ausbildungsbataillon, das für das Training afghanischer Kameraden mitten im Kampfgebiet zuständig ist. Dieses sogenannte Partnering ist das Kernelement der neuen Afghanistan-Strategie, die im vergangenen Jahr in die Wege geleitet wurde.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte bereits am Freitag davor gewarnt, das Vorgehen in Frage zu stellen. Wer dies tue, spiele dem Gegner in die Hände. Dieser Haltung stimmten auch Politiker von FDP, SPD und Grünen zu. Die Linke forderte als einzige Bundestagspartei ein Ende des Afghanistan-Einsatzes.

Auch Generalmajor Fritz bezeichnete die Ausbildungsstrategie als alternativlos - trotz der damit verbundenen möglichen Gefahren. «Wenn man das Partnering völlig einstellen würde, würde ein wesentlicher Teil der Säule Sicherheit fehlen.» Die afghanischen Armee sei weiterhin ein verlässlicher Partner.

Verteidigung / Bundeswehr / Afghanistan
20.02.2011 · 19:34 Uhr
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