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Nach Berichten über Massengrab keine Leichen gefunden

Vermeintlicher TatortGroßansicht

Washington (dpa) - Ein angebliches Massengrab in Texas mit bis zu 30 Leichen hat die USA in Aufregung versetzt, doch Medienberichte über den grausigen Fund erwiesen sich als komplett falsch.

Die Polizei hatte am Dienstag (Ortszeit) nach dem Tipp einer Anruferin, die sich als Wahrsagerin bezeichnete, ein Grundstück im Osten des Bundesstaates durchsucht, dort sollten auch verstümmelte Kinder verscharrt sein. Die grausige Nachricht verbreitete sich in Windeseile. Fernsehsender und Onlinemedien meldeten, es seien tatsächlich Tote entdeckt worden.

Nach wenigen Stunden konnten die Behörden in der Nacht zum Mittwoch Entwarnung geben: Eine Suche mit Leichenspürhunden in der Nähe des fraglichen Hauses nahe dem Ort Harding - 110 Kilometer nordöstlich von Houston - habe nichts ergeben, sagte Craig McNair, Richter im Bezirk Liberty, nach Berichten der Zeitung «Houston Chronicle».

Dem Lokalsender KPRC sagte McNair, eine Frau habe sich als Wahrsagerin ausgegeben und die Beamten zu dem Haus geschickt. Sie habe sehr genaue Kenntnis von dem Anwesen gehabt und erschien deshalb als ausreichend glaubwürdig. «Wir müssen solche Tipps sehr ernst nehmen.» Die Polizei habe richtig gehandelt.

Der makabre Verdacht genügte schon, um ein Medienspektakel auszulösen. Zahlreiche Journalisten brachten sich vor dem Grundstück in Stellung, zwei Helikopter mit Fernsehkameras an Bord kreisten über der angeblichen Fundstelle, berichtete die «New York Times». TV-Sender wie CNN und MSNBC sprachen unter Berufung auf «eigene Quellen» von Leichenfunden, als die Polizei selbst noch auf einen Durchsuchungsbefehl wartete. Die Behörden waren am Abend für Bestätigungen nicht zu erreichen.

«Wir haben einige Umstände angetroffen, die Fragen aufwarfen, deshalb haben wir einen Durchsuchungsbefehl beantragt», sagte Polizeisprecher Rex Evans. Ein fauliger Geruch in dem Haus habe von bergeweise Abfall hergerührt, zitiert der «Chronicle» eine Behördenquelle. «Es gibt nichts, was mit den Angaben des Wahrsagers übereinstimmt.»

An dem zunächst verdächtigen Haus hätten die Beamten «etwas Dunkles entdeckt, das hätte Blut sein können». Einem ersten Test zufolge habe es sich tatsächlich um menschliches Blut gehandelt.

Der Besitzer des Hauses sagte dem Lokalsender KHOU, das Blut auf der Veranda stamme von dem Selbstmordversuch des Freundes seiner Tochter. «Er war betrunken und hat sich die Pulsader aufgeschnitten», sagte Joe Bankson. «Ich habe niemanden umgebracht», betonte er.

Die Bewohnerin und ihr Ehemann seien über die Vorwürfe völlig geschockt gewesen, schrieb die «Times». Die Tippgeberin sei der Familie als «geistig verwirrt» bekannt.

Kriminalität / USA
08.06.2011 · 15:33 Uhr
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