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Nach Absturz in Libyen: Junge kommt nach Hause

In diesem Krankenhaus in Tripolis wird der neunjährige Junge behandelt.Großansicht
Amsterdam/Tripolis (dpa) - Der holländische Junge, der als einziger den Flugzeugabsturz in Tripolis mit 103 Toten überlebte, soll an diesem Samstag nach Hause geflogen werden.

Das teilte der Generaldirektor des niederländischen Außenministeriums, Ed Kronenburg, in Tripolis mit. Bislang habe noch niemand dem neunjährigen Ruben aus Tilburg gesagt, dass seine Eltern und sein elfjähriger Bruder bei dem Absturz am Mittwoch umgekommen sind, hieß es in Berichten niederländischer Medien, die den Jungen «Wunderkind von Tripolis» nannten.

Das Kind wurde in einem Krankenhaus in Tripolis unter anderem wegen Beinbrüchen operiert. Nach Angaben von Ärzten erlitt der Neunjährige auch eine Gehirnerschütterung sowie Verletzungen am Rücken. Sein Zustand sei aber stabil. Die Weiterbehandlung soll in einer niederländischen Spezialklinik für Unfallopfer erfolgen.

Die libysche Regierung hatte für die Heimkehr von Ruben ein Flugzeug mit medizinischen Einrichtungen angeboten. Eine Tante und ein Onkel sind inzwischen bei dem Jungen und werden ihn wahrscheinlich auf dem Rückflug begleiten.

Derweil wurde in den Niederlanden scharfe Kritik an einem Telefoninterview laut, das die Zeitung «De Telegraaf» mit dem offenkundig noch unter Schock stehenden Jungen führte. Kronenburg, bezeichnete das Telefonat als «übel». «Das hätte es nicht geben dürfen», sagte der Generaldirektor des Außenministeriums. Familienminister André Rouvoet nannte das Vorgehen der Reporter «schamlos».

Die Chefredaktion des «Telegraaf» erklärte daraufhin, dass Interview sei «unerwartet zustande gekommen». Reporter hätten in dem Krankenhaus angerufen, um sich nach dem Befinden des Jungen zu erkundigen, als plötzlich ein Arzt sein Handy an Ruben weitergereicht habe. Der niederländische Botschafter in Tripolis habe das Krankenhaus aufgefordert, abgesehen vom medizinischen Personal, nur Angehörige zu dem Jungen vorzulassen.

Ruben musste bis dahin einen Strom von Besuchern in seinem Krankenzimmer im Al-Chadra-Krankenhaus ertragen. Neben Fotografen und Kameraleuten kam auch Seif al-Islam al-Gaddafi, der politisch ambitionierte Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi, um nach dem verletzten Jungen zu schauen. In dem Telefongespräch mit Ruben sei deutlich geworden, dass das Kind bislang keine Erinnerung an den Absturz am Mittwoch habe. «Ich weiß nicht, wie ich hierhergekommen bin, ich kann mich nicht erinnern», sagte er laut Zeitung.

Die Zeitung «Libya al-Yom» meldete unterdessen, der Stimmenrekorder und der Flugdatenschreiber der Unglücksmaschine seien französischen Experten zur Auswertung übergeben worden. Der Airbus A330-200 war am Mittwochmorgen mit 104 Menschen an Bord beim Landeanflug auf die libysche Hauptstadt abgestürzt und zerborsten. Weshalb der Pilot der libyschen Fluggesellschaft Afriqiyah Airways die Landebahn verfehlte, ist noch unklar.

Der Vorsitzende der libyschen Untersuchungskommission, Nadschi Dhawan, sagte nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija am Freitag: «Der Pilot hat vor der Landung nicht über ein technisches Problem berichtet, der Dialog mit dem Tower war völlig normal.» Bislang sei noch offen, weshalb er kurz vor der Landebahn aufsetzte. An der Untersuchung werden seinen Angaben zufolge auch Experten aus Frankreich, den USA, Südafrika und den Niederlanden teilnehmen.

Die Angaben der Fluggesellschaft und der niederländischen Behörden zur Zahl der holländischen Opfer gehen noch auseinander. In den Niederlanden hieß es, 70 Holländer seien ums Leben gekommen. Afriqiyah Airways sprach von 66 holländischen Toten sowie jeweils 13 Südafrikanern und Libyern, vier Belgiern, zwei Österreichern sowie je einem Passagier aus Deutschland, Simbabwe, Frankreich und Großbritannien. Die Nationalität eines Opfers ist noch unklar.

Website von Afriqiyah Airways mit Infos zum Absturz

Unfälle / Luftverkehr / Libyen / Niederlande
14.05.2010 · 15:58 Uhr
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