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Mysteriöse Lichtkugel über Norddeutschland

Mysteriöse LichtkugelGroßansicht
Hamburg/Mannheim (dpa) - Wie gebannt starrten Menschen in Norddeutschland auf eine grün-weiße Lichtkugel am Himmel, in den Benelux-Staaten war sogar eine Art Überschallknall zu hören: Ein Naturschauspiel der besonderen Art hat am Dienstagabend gegen 19.00 Uhr für Faszination und Schrecken gesorgt.

Ursache war nach Ansicht von Experten ein Meteorit, der als brennende Kugel über den Himmel jagte und am Horizont verschwand. Der kosmische Brocken sei entweder in den Niederlanden oder über der Nordsee niedergangen, sagte meteomedia-Sprecher Mark Vornhusen. Ein Bewohner des niederländischen Dorfes Meedhuizen berichtete einem lokalen TV-Sender, dass Bruchstücke des Meteoriten dort eingeschlagen seien.

Rainer Arlt vom Astrophysikalischen Institut in Potsdam schätzt, dass der Stein etwa fünf bis zehn Kilogramm gewogen haben muss. «In Mitteleuropa dringen mehrmals im Jahr größere Meteoriten in die Atmosphäre ein und verbrennen dabei», sagte Arlt. Dann sei jeweils so starkes Licht wie am Dienstagabend sichtbar. «Seltener passiert es, dass die Steine nicht ganz verglühen und auf die Erde fallen.» Oft träfen sie Autos oder Häuser.

Ein kosmischer Lotto-Sechser

«Für die Augenzeugen war das ein kosmischer Lotto-Sechser: So etwas sieht man nur einmal im Leben», sagte Hobby-Astronom Werner Walter vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (CENAP) in Mannheim. Doch zunächst griffen viele Menschen ängstlich zum Telefon und berichteten der Polizei und der Feuerwehr von einer «brennenden Kugel» oder einem «leuchtenden Gegenstand am Himmel». Nach Angaben eines Polizeisprechers in Bremen sahen Anrufer, dass diese Kugel «zerbröselt und zu Boden gefallen ist».

Der kosmische Brocken soll laut Walter mit einer Geschwindigkeit von mindestens 200 000 Stundenkilometern aus dem Weltraum gekommen sein. «Für Weltraumschrott war es zu schnell: Der hat nur eine Geschwindigkeit von rund 28 000 Stundenkilometer beim Eintreten in die Atmosphäre und ist für zwei bis drei Minuten sichtbar, weil er relativ langsam ist», erklärte er.

Die bundesweite Meldestelle des CENAP in Mannheim registrierte mehr als 50 Beobachter - aus den Benelux-Staaten, Nord- und Westdeutschland. «Die Menschen kamen gerade von ihrem Job oder gingen Einkaufen - ein Landwirt in der Lüneburger Heide war mitten auf seinem Acker bei der Arbeit - als plötzlich eine weiß-grüne leuchtkugelartige Erscheinung quer über den Himmel schoss», erzählte Hobby-Astronom Walter. Der Feuerball sei aus Richtung Sonne gekommen und drei bis fünf Sekunden lang zu sehen gewesen.

Geräusche wie ein Überschallknall

Während Beobachter in Deutschland nur eine lautlose Himmelserscheinung beobachteten, nahmen die Menschen in den Benelux- Staaten auch Geräusche wie Überschallknall und eine Art Donnergrollen wahr, sagte der Gründer des Europäischen Netzwerks zur Erforschung von Feuerkugeln und Meteoriten (erfm), Thomas Grau. «Wir haben Bilder von der Feuerkugel und von der Meteorwolke.» Vermutlich sei der Meteorit vor dem Emsland in die Nordsee gestürzt.

Grau hat schon mehrfach mit spektakulären Funden von Meteoriten Schlagzeilen gemacht. So entdeckte er nach Berechnungen und Befragungen von Augenzeugen auf der dänischen Insel Lolland im März Reste eines Meteoriten, der im Januar niedergegangen war. Die damit verbundene Lichterscheinung hatte vor allem in Mecklenburg-Vorpommern für Aufsehen gesorgt. Im Mai fand Grau in Slowenien in der Grenzregion zu Österreich einen 2,35 Kilogramm schweren Gesteinsbrocken aus dem All. Der Meteorit war am 9. April im Karawanken-Gebirge niedergegangen und zerbrochen.

«Man darf sich den Einschlag nicht wie in einem Katastrophenfilm vorstellen», sagte meteomedia-Sprecher Vornhusen. «Wenn der Meteorit komplett verglüht ist, fällt er als fußballgroßer, schwarzer Stein einfach senkrecht zu Boden.» In Deutschland sei auf keinen Fall ein Bruchstück gelandet. «Es ist hier kein Überschallknall gemeldet worden. Dann hätten in den Häusern die Wände gewackelt.»

(Achtung: Dazu hat dpa den Hintergrund «Meteoriten - Geschosse aus dem All» (dpa 0499) und Bilder gesendet. Auf den Bildern NIE003-006 ist der Meteorit am Abendhimmel vor einem Teil der Hamburger Stadtkulisse zu sehen. Aufgenommen wurde das Bild gegen 19.00 Uhr im Stadtteil Hammerbrook mit Blickrichtung Westen. Zu erkennen sind die Türme der Hauptkirchen St. Petri und St. Jakobi sowie klein die Kuppel von St. Michaelis. Im Vordergrund sind Gebäude am Berliner Tor zu sehen.)

(Internet: www.erfm.eu; http://cenap.alien.de)

[Thomas Grau]: 16321 Bernau bei Berlin

[CENAP]: Eisenacher Weg 16, Mannheim

[Astrophysikalisches Institut]: An der Sternwarte 16, 14482 Potsdam

Astronomie
14.10.2009 · 16:12 Uhr
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