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Mutmaßlicher Afghanistan-Amokläufer angeklagt

Der mutmaßliche US-Amokläufer von Kandahar Staff Sergeant Robert Bales (l) im National Training Center in Fort Irwin. Foto: Ryan Hallock, DVIDS/ ArchivGroßansicht

Washington (dpa) - Nach dem folgenschweren Massaker an Zivilisten in Afghanistan muss der mutmaßliche Täter in den USA die Todesstrafe fürchten.

Der US-Unteroffizier ist des 17-fachen Mordes angeklagt. Der 38 Jahre alte Unteroffizier Robert Bales soll in der südafghanischen Provinz vorsätzlich 17 Zivilisten getötet haben, teilte die internationale Schutztruppe am Freitag in Kabul mit.

Zudem habe Bales versucht, sechs weitere Menschen umzubringen. Insgesamt werden 29 Anklagepunkte aufgelistet. Dem Soldaten droht in dem Verfahren die Todesstrafe.

Der zweifache Familienvater soll vor knapp zwei Wochen nachts heimlich seinen Stützpunkt verlassen und in einem naheliegenden Dorf das Blutbad angerichtet haben. Unter den getöteten Zivilisten waren nach afghanischen Angaben neun Kinder und acht Erwachsene, darunter mehrere Frauen. Die Regierung in Kabul hatte ein öffentliches Verfahren gegen den US-Soldaten in Afghanistan verlangt. Er war dagegen in die USA gebracht worden und sitzt derzeit in einem Militärgefängnis im US-Bundesstaat Kansas.

Sein amerikanischer Anwalt John Henry Browne zog die vom Militär herangezogenen Beweise für Bales' mutmaßliche Schuld öffentlich in Zweifel. Der Verteidiger wies auch zurück, dass Alkohol und Stress im Spiel gewesen seien. Sein Mandant habe vor Jahren im Irak ein Schädeltrauma erlitten und sei gegen seinen Willen nach Afghanistan geschickt worden. Experten meinen, ein Prozess könne sich über Jahre hinziehen. Die minimale Haftstrafe für diese Art der Vorwürfe beträgt lebenslänglich.

Das Massaker hatte in Afghanistan Wut und harte Kritik an den internationalen Truppen ausgelöst. Auch die Forderung nach einem schnelleren Abzug wurde laut. US-Regierungsmitglieder und zuletzt auch das US-Militär wiesen das zurück. Auch 2013 müsse eine bedeutende Zahl an Kampftruppen in dem Land stationiert bleiben, sagte der US-Kommandeur der internationalen Truppen am Hindukusch, General John Allen, am Donnerstag (Ortszeit) vor einem Ausschuss des Senates in Washington.

Die genaue Zahl der benötigten Soldaten sei noch zu ermitteln, sagte er weiter. Die bisherigen Planungen seien aber weiterhin eine gute Grundlage für die Mission. Bis September dieses Jahres sollen noch 23 000 US-Soldaten aus Afghanistan abziehen, um die 2010 festgelegte Reduzierung um insgesamt 33 000 zu erreichen. Damit blieben 68 000 amerikanische Militärangehörige mit 40 000 aus den anderen beteiligten Nationen in dem Land, sagte Allen. Derzeitige Pläne sehen einen vollständigen Rückzug der Amerikaner bis Ende 2014 vor.

Konflikte / Afghanistan / USA
23.03.2012 · 20:24 Uhr
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