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Murdoch sagt «Sorry» zu den Briten

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London (dpa) - Mit einem späten Schuldbekenntnis hat Medienmogul Rupert Murdoch versucht, die Abhöraffäre um seine britische Skandalzeitung «News of the World» in den Griff zu bekommen. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen sagte Murdoch «Sorry».

Allerdings ging mit Les Hinton am Vortag bereits der zweite Murdoch-Topmanager im Sumpf der Affäre unter. Der Dow-Jones-Chef und frühere Vorstandschef der britischen Zeitungsholding News International musste genauso den Hut nehmen wie seine Nachfolgerin, die umstrittene Verlagschefin Rebekah Brooks.

«We are Sorry» («Es tut uns leid») lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war. Der Text trägt die Signatur von Rupert Murdoch. «Das Geschäft der News of the World war es, andere zur Verantwortung zu ziehen. Sie versagte, als es um sie selbst ging. Das ernsthafte Fehlverhalten, das passierte, tut uns leid», heißt es in dem Text. Und Murdoch fügt darin hinzu: «Es ist mir klar, dass es nicht genug ist, sich einfach zu entschuldigen.»

Reporter der Sonntagszeitung haben den bisherigen Erkenntnissen zufolge systematisch die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört. Die Vorfälle fallen in jene Zeit, in der Hinton den Verlag in Großbritannien führte und auch erste Details ans Licht kamen. «Als ich News International im Dezember 2007 verlassen habe, dachte ich, der faulige Teil der "News of the World" wäre ausgemerzt», sagte Hinton am späten Freitag (Ortszeit). Zuvor war Brooks unter öffentlichen Druck gegangen. Sie war bis 2003 Chefredakteurin der «News of the World» und danach von Murdochs zweiter britischer Boulevardzeitung «The Sun», bevor sie 2009 an die Verlagsspitze von News International wechselte.

Murdoch, der sich tags zuvor bereits persönlich bei den Angehörigen des abgehörten Entführungsopfers Milly Dowler entschuldigt hatte, kündigte einen transparenten Aufklärungsprozess an. «In den kommenden Tagen, in denen wir weitere konkrete Schritte unternehmen werden, um diese Dinge zu lösen und den Schaden zu begleichen, den sie verursacht haben, werden Sie mehr von uns hören.» Reporter hatten die Mailbox der entführten Milly angezapft und Nachrichten gelöst. Die Eltern der damaligen 13-Jährigen und die Polizei wurden so in die Irre geführt.

Rupert Murdoch soll gemeinsam mit seinem Sohn James am kommenden Dienstag vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu der Abhöraffäre aussagen. Seine Entschuldigung wurde in weiten Teilen der britischen Öffentlichkeit mit Skepsis aufgenommen. Murdoch hatte erst vor wenigen Tagen in seiner US-Zeitung «Wall Street Journal» ein Interview gegeben, in dem er nur wenige, kleinere Fehler beim Management der Krise einräumte und Kritiker bezichtigte, «Müll» zu reden.

Unterdessen wurde bekannt, dass Premierminister David Cameron noch im März dieses Jahres seinen bereits im Januar zurückgetretenen Regierungssprecher Andy Coulson in Camerons offiziellem Amtssitz zum Essen empfangen hat. Coulson war schon 2007 als Chefredakteur von «News of the World» zurückgetreten. Vor wenigen Tagen nahm ihn die Polizei fest. Außenminister William Hague verteidigte im «Independent» Cameron. Die Einladung sei ein «ganz normales, menschliches Ding» gewesen.

Medien / Kriminalität / USA / Großbritannien
16.07.2011 · 16:03 Uhr
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