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Murat Kurnaz lebt mit «Schatten» von Guantánamo

Der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz am 18.1.2007 vor dem BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages (Archivbild).Großansicht

Bremen (dpa) - Am 24. August 2006 ging für den Türken Murat Kurnaz aus Bremen ein Martyrium zu Ende. Nach mehr als viereinhalb Jahren Haft im US-Gefangenenlager Guantánamo konnte der junge Mann in seiner Heimat seine Mutter in die Arme schließen.

Er berichtete von Folter, Willkür und Isolationshaft hinter den Stacheldrahtverschlägen des Lagers auf Kuba. Seine traumatischen Erinnerungen schrieb er in seinem Buch «Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantánamo» auf. Sein Fall brachte ein Ermittlungsverfahren gegen Bundeswehrsoldaten ins Rollen und beschäftigte Untersuchungsausschüsse des Bundestages über mögliche Versäumnisse der deutschen Politik für seine Freilassung.

«Er hat ein Leben jenseits von Guantánamo gefunden», sagt sein Anwalt Bernhard Docke über den 28-Jährigen heute. «Er ist jedoch nicht komplett aus diesem Schatten heraus, das wird ihn immer beschäftigen.» Der ehemalige Schiffbaulehrling lebt wieder in Bremen und ist unterschiedlichen Arbeiten nachgegangen, hat auf Reisen Vorträge über Menschenrechte gehalten und sein Buch präsentiert.

«Er versucht sein Leben aktiv zu gestalten und kümmert sich um Menschenrechte», sagt Docke, der lange für die Freilassung des heute 28-Jährigen gekämpft hat. «Andere hätten sicher nicht die Kraft, so offensiv mit diesen Erfahrungen umzugehen.»

Im Alter von 19 Jahren reiste der jung verheiratete Kurnaz im Oktober 2001 - kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September - nach eigenen Angaben für eine Pilgerreise nach Pakistan. Er habe mehr über den islamischen Glauben erfahren wollen, bevor seine gläubige Braut nach Bremen kommen sollte. Wenige Wochen später wurde er unter Terrorverdacht festgenommen und im Februar 2002 nach Guantánamo gebracht.

Erst eine Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei US- Präsident George W. Bush im Januar 2006 brachte den Fall in Bewegung, was schließlich zur Freilassung führte. Nach seiner Rückkehr erfuhr er, dass seine Ehe annulliert wurde.

Terrorismus / Deutschland / USA
16.09.2010 · 16:54 Uhr
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