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Mugabe attackiert auf FAO-Gipfel den Westen

Robert MugabeGroßansicht
Rom (dpa) - Der umstrittene simbabwische Präsident Robert Mugabe hat die Bühne des UN-Welternährungsgipfels in Rom zu einer scharfen Attacke auf den Westen genutzt.

«Neokolonialistische Feinde seines Landes wollten mit den internationalen Sanktionen gegen Simbabwe erreichen, «dass die von uns unternommenen Agrarreformen scheitern», sagte der seit knapp 30 Jahren das südafrikanische Land beherrschende Mugabe am Dienstag. Vor der Konferenz der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) rief er den Westen dazu auf, «die illegalen und unmenschlichen Sanktionen» gegen das Land und das Volk aufzuheben.

Der autokratische Präsident sprach auf dem Gipfel von einer Strafpolitik westlicher Länder, «hinter der wir den Wunsch sehen, uns abhängig zu machen von den Nahrungsmittelimporten.» Mugabes Auftritt eröffnete den zweiten Tag des UN-Treffens. Vor allem die EU hatte Simbabwe unter anderem wegen Menschenrechtsverletzungen wiederholt mit Sanktionen wie etwa Reiseverboten belegt. Mugabe hat allerdings das Recht, an offiziellen Tagungen der UN auch in Europa teilzunehmen. Er kam schon 2007 zur FAO-Tagung und verteidigte die Umverteilung von Land weißer Farmer an schwarze Bauern in Simbabwe.

Durchweg kritisch ist im italienischen Blätterwald die Tatsache aufgenommen worden, dass der Welternährungsgipfel in seiner am Montag verabschiedeten Erklärung nur unverbindliche Ziele im Kampf gegen den Hunger auflistet. «Die G8-Chefs bleiben fern, und vom Gipfel kommen also nur Versprechungen und keine Gelder», hielt die Turiner Zeitung «La Stampa» am Dienstag fest. Auch die römische «La Repubblica» geht mit dem Gipfel ins Gericht, der keine Verpflichtungen eingehe, obwohl doch Papst Benedikt XVI. einen so dringenden Appell an alle gerichtet habe. Die UN-Konferenz dauert bis Mittwoch und beschäftigt sich unter anderem noch mit den Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft.

«Hunger ist das grausamste und konkreteste Zeichen von Armut», hatte Benedikt XVI. am Montag bei einem Auftritt vor der FAO gemahnt. Der Überfluss und die Verschwendung seien angesichts des Hunger-Dramas nicht mehr akzeptabel, so der Papst; gleiches gelte für Spekulantentum und Profitdenken. «Wir müssen dem internationalen Handel die Grundlage des reinen Profitdenkens entziehen», verurteilte Benedikt vor mehr als 60 Staats- und Regierungschef den «Egoismus», mit Getreide zu spekulieren. Er wandte sich gegen Agrarsubventionen, die den Nahrungsmittelmarkt zulasten der armen Länder verzerrten.

Die Konferenz der 192 FAO-Mitgliedsstaaten einigte sich schon am ersten der drei Gipfeltage auf eine Erklärung mit einem Fünf-Punkte-Plan gegen den Ernährungsnotstand, der von Hungerhilfe-Organisationen allerdings als zu unverbindlich kritisiert wurde.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte den Gipfel mit dramatischen Zahlen eröffnet: «Allein am heutigen Tag werden mehr als 17 000 Kinder an Hunger sterben, ein Kind alle fünf Sekunden, sechs Millionen pro Jahr.» Dies erfordere sofortiges Handeln. Außerdem nannte der UN-Chef die Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen entscheidend. Denn Nahrungsmittelsicherheit für die Weltbevölkerung und der Kampf gegen den Klimawandel seien eng miteinander verbunden.

Ein Fünf-Punkte-Plan gegen den Hunger wurde bereits am Montag als Gipfelpapier vereinbart. Dabei bekräftigten die Teilnehmer der dreitägigen Konferenz vor allem die im Jahr 2000 formulierten Millenniums-Ziele, in denen die Vereinten Nationen anstreben, den Hunger bis 2015 zu halbieren. FAO-Chef Jacques Diouf hatte als Ziel abgesteckt, dass die Regierungen jährlich 44 Milliarden Dollar (etwa 30 Milliarden Euro) bereitstellen, um die Agrarproduktion anzukurbeln. In der Schlusserklärung fehlen jedoch konkrete Zahlen.

UN / Ernährung
17.11.2009 · 11:58 Uhr
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