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Mütter wollen Untersuchung des Peking-Massakers

Juni 1989: Rauchsäulen über dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking.Großansicht
Peking (dpa) - Vor dem 20. Jahrestag der Niederschlagung der Demokratie-Bewegung in China an diesem Mittwoch haben die Familien der Opfer eine Aufarbeitung des Militäreinsatzes auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) gefordert.

Die Regierung in Peking sperrte am Dienstag vor dem Jahrestag offensichtlich den Zugang zu dem populären Twitter-Dienst im Internet. Die Organisationen Reporter ohne Grenzen und Amnesty International forderten ein Ende der Zensur für Berichte über die Vorfälle von 1989 und die Entlassung der seither festgehaltenen Gefangenen.

«Wir fordern die Regierung auf, die Wahrheit zu enthüllen. Wie viele Menschen sind getötet worden? Wer ist gestorben?», fragte die pensionierte Professorin Ding Zilin, die dem Netzwerk der «Mütter von Tian'anmen» vorsteht, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa in Peking. «Es muss den Familien der Getöteten eine Erklärung gegeben werden. Wie sind unsere Angehörigen ums Leben gekommen?», fragte die Professorin, deren 17-jähriger Sohn einer der ersten war, die von den Truppen erschossen worden waren, als in der Nacht zum 4. Juni 1989 Panzer anrollten und Soldaten das Feuer auf die Demonstranten eröffneten.

Auch die Schriftstellervereinigung P.E.N.-Zentrum Deutschland (Darmstadt) rief zur Wahrung der Menschenrechte auf. Autoren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das kollektive Gedächtnis an die blutigen Ereignisse von 1989 wach zu halten, würden von der chinesischen Führung verstärkt unter Druck gesetzt, heißt es in einer Mitteilung von P.E.N.-Präsident Johano Strasser. Die «Freiheit des Wortes» werde in China bis heute missachtet.

Die «Mütter von Tian'anmen» stellten unterdessen weitere Forderungen. «Es muss eine Untersuchung durch die Justiz geben», sagte Ding Zilin. Die Familien forderten Beweise für die Behauptung, dass ihre getöteten Angehörigen wirklich Randalierer gewesen seien und an einer «konterrevolutionären Rebellion» teilgenommen hätten, wie es damals noch geheißen hatte. «Gebt uns eine Erklärung», sagte die 73-Jährige Professorin. «Es sollte nicht für immer ein Geheimnis bleiben. Das ist der Schlüssel.» Fakten seien die Voraussetzung und die Grundlage zur Aufarbeitung des Massakers. «Wurde mein Kind aus Versehen getötet oder unschuldig?»

Der chinesische Volkskongress solle einen Untersuchungsausschuss schaffen, um die Wahrheit und die Verantwortlichen zu ermitteln. Auch sollten die Opfer und ihre Familien entschädigt werden. Seit Jahren stellten die «Mütter von Tian'anmen» immer wieder diese Forderungen an Regierung und Parlament. «Aber niemand spricht mit uns.» Die Professorin forderte auch ein Ende der Beobachtung und Belästigung der Familien durch die Staatssicherheit. Immer wieder werde ihnen das Recht verweigert, um den Jahrestag auf den Friedhöfen um die Angehörigen zu trauern.

Zeitung: Twitter-Zugang in China gesperrt

Bereits am frühen Dienstagnachmittag hätten zahlreiche Nutzer aus China in verschiedenen Internet-Foren und Blogs beklagt, keinen Zugang mehr zu dem «Twitter»-Kurznachrichten-Dienst zu bekommen, berichtete unter anderem das «Wall Street Journal» in seiner Online- Ausgabe. Twitter hatte in China zuletzt während des verheerenden Erdbebens in Sichuan stark an Popularität gewonnen. Mit dem sogenannten Micro-Blogging-Dienst können über das Internet kurze Mitteilungen von maximal 140 Zeichen versendet werden.

Über manche Schnittstellen-Software wie Tweetdeck sei der Zugang zu Twitter teilweise noch möglich, berichtet die Zeitung. Zeitweise sei am Dienstag auch der Foto-Dienst Flickr blockiert gewesen. Der Zugang zum Video-Portal YouTube war in China bereits über mehrere Wochen immer wieder blockiert worden.

Reporter ohne Grenzen und Amnesty kritisieren China

Reporter ohne Grenzen bemängelte, 20 Jahre nach den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens sei es für die chinesischen Medien immer noch unmöglich, über die Vorkommnisse zu berichten. Amnesty kritisierte in Berlin, die chinesische Regierung habe bisher alle Versuche hintertrieben, Licht in das Dunkel um die Vorgänge vom 4. Juni vor 20 Jahren zu bringen. Noch immer würden im Zusammenhang mit dem Jahrestag Aktivisten inhaftiert.

Menschenrechte / Tian'anmen / China
02.06.2009 · 16:50 Uhr
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