News
 

Müntefering: Blick zurück im Zorn - oder nach vorn?

MünteferingGroßansicht
Berlin (dpa) - Was macht die SPD ohne Franz Müntefering? Was macht Franz Müntefering ohne die SPD? Die Aufmerksamkeit an diesem Freitag auf dem SPD-Bundesparteitag in Dresden gilt nicht nur der Wahl seines Nachfolgers Sigmar Gabriel.

Mit mindestens genau so großer Spannung wird zuvor Münteferings Rede zum Rechenschaftsbericht erwartet. Wird es eine Abschiedsrede mit Blick zurück im Zorn? Oder ein Vermächtnis mit Mahnungen für die Zukunft?

Wer den 69-jährigen Sozialdemokraten näher kennt, weiß, dass er nicht gerne aus dem Amt scheidet. In den ersten Stunden und Tagen nach der verheerenden Wahlniederlage der SPD am 27. September hatte Müntefering durchaus noch im Blick, in Dresden erneut als SPD-Chef anzutreten und seine Partei - vielleicht auch für eine Übergangszeit - weiter zu führen. Doch der Druck hin zu Erneuerung und Politikwechsel war zu groß. Die Akteure hinter den Kulissen um Gabriel und die künftige SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles wollten mit der Ablösung Münteferings an der Parteispitze auch optisch ein Zeichen für einen Neuanfang setzen.

Wie kaum ein anderer Sozialdemokrat aus der engeren Parteiführung verkörpert der kantige Sauerländer Müntefering Aufstieg und Fall der SPD in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten. «Münte» gilt als der «Architekt» und erfolgreiche Planer des legendären SPD-Wahlsieges von 1998. Zugleich ist Münteferings Name in der Partei aber auch eng verbunden mit der umstrittene Rente mit 67 - und mit einem bisweilen recht autoritärem Führungsstil, mit dem er in seiner Zeit als SPD- Fraktionschef dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder die Mehrheiten für die Agenda-Politik sicherte.

«Politik muss organisiert werden», lautet einer der knappen Lieblingssätze Münteferings. Doch ein Organisieren von oben herab oder hinten den Kulissen passt wohl nicht mehr zu den Beschwörungen der neuen SPD-Führungscrew, künftig die Parteimitglieder bei politischen Entscheidungen einzubeziehen - und sie nicht nur als beitragszahlende «Förderer» oder als Wahlkampfhelfer beim Plakatekleben zu betrachten.

Mehrfach hat Müntefering dementieren lassen, er strebe nach seinem Abschied als SPD-Chef im nächsten Jahr den Vorsitz der Friedrich-Ebert-Stiftung an. Doch die Gerüchte darum wollen nicht verstummen - auch weil Münteferings engstem Vertrauten, SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel, Ambitionen auf den Posten des Generalsekretärs der Stiftung nachgesagt werden.

Doch gleich wie das Tauziehen um die künftige Führungsspitze der SPD-Stiftung ausgehen wird - auch Ex-SPD-Fraktionschef Peter Struck hat seinen Hut in den Ring geworfen - einen völligen Abschied aus der Politik wird es für Müntefering ohnehin vorerst nicht geben. Sein Bundestagsmandat wird er weiter ausüben und wie bisher schon seit seinem Ausscheiden aus dem Amt des Bundesarbeitsminister dem Parlamentsausschuss für Familien, Senioren und Jugend angehören.

Doch Müntefering kann nicht nur Politik und Partei. Er hat auch Privatleben. Nach dem Tod seiner Frau Ankepetra hat er in der 29-jährigen Journalistin Michelle Schumann eine neue Lebensgefährtin gefunden. Die Society-Kolumnistin Beate Wedekind spürte «Münte» unlängst im Kreuzberger Szene-Lokal «Mädchen ohne Abitur» auf. «Zierlich, glücklich, unglaublich jung wirkend, seinen sozi-roten Parka über den Stuhlrücken gestülpt», berichtete die Beobachterin in ihrem Blog. «Den Tisch präsidiert die Frau, die ihn glücklich macht: Michelle Schumann, 40 Jahre jünger als er. Die Anderen am Tisch sind ihre Freunde. Er genießt sein Bierchen und hört einfach nur zu, was die jungen Leute reden.»

Parteien / SPD / Parteitag
12.11.2009 · 21:54 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
Es liegen momentan keine neuen Nachrichten vor.
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
08.12.2016(Heute)
07.12.2016(Gestern)
06.12.2016(Di)
05.12.2016(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen