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Münsteraner Ausbrecher weiter auf der Flucht

Blick auf den Eingangsbereich der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Münster, aus der zwei Häftlinge fliehen konnten.Großansicht
Münster/Bielefeld (dpa) - Zwei am Dienstag aus dem Gefängnis in Münster ausgebrochene Häftlinge sind weiter auf der Flucht. «Wir haben keine Spur», sagte ein Sprecher der Polizei am Mittwochabend.

Unterdessen wurde ein mögliches Motiv für den Ausbruch bekannt. Dem 25 Jahre alten Häftling, der aus Albanien stammt, drohte nach Angaben seiner Anwältin die Abschiebung.

Der 25-Jährige und sein neun Jahre älterer Komplize waren am Dienstagmorgen durch das vergitterte Oberlicht einer Toilette im Werkstattbereich der JVA entkommen und über eine Regenrinne ins Freie geklettert. Die Ausbrecher saßen wegen Einbruchs und Diebstahls ein und werden von der Gefängnisleitung als nicht gewalttätig eingeschätzt. Hinweise aus der Bevölkerung hätten bislang zu keinem Fahndungserfolg geführt.

Einen Tag nach dem Ausbruch ordnete NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) einen Sicherheitscheck aller Gefängnisse im Land an. Bei einer Dienstbesprechung mit den Leitern aller 36 Haftanstalten forderte sie, dass bauliche Gegebenheiten als auch organisatorische Abläufe kontrolliert werden müssen. Die Schwachstellen jeder Anstalt müssten analysiert werden, die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollten zwischen den Anstalten kurzfristig und regelmäßig ausgetauscht werden. 

«Wir haben bereits einen sehr hohen Sicherheitsstandard in den Haftanstalten in Nordrhein-Westfalen», sagte Müller-Piepenkötter. Das zeige die geringe Zahl an Ausbrüchen in den vergangenen Jahren. «Wir wissen zugleich, dass wir keine hundertprozentige Sicherheit garantieren können.» Es müsse aber «alles Menschenmögliche» getan werden, um im Justizvollzug ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten.

Nach Angaben der JVA hatten die Ausbrecher einen Gitterstab an zwei Stellen herausgetrennt. «Offensichtlich haben sie gebohrt», sagte JVA-Abteilungsleiter Günter Schröder. Das Gefängnis werde jetzt alle Fenster im Werkstattbereich überprüfen und veraltete Gitter auswechseln.

Ihr Mandant habe sich illegal in Deutschland aufgehalten, sagte die Bielefelder Rechtsanwältin Daliborka Djukic-Schröder. «Der Ausbruch war vermutlich eine Verzweiflungstat.» Der Leiter des Amtes für Ausländerangelegenheiten in Münster, Hans-Joachim Schlumm, sagte, der 25-Jährige sei im Sommer 2009 wegen einer beabsichtigten Abschiebung befragt worden. «Seitdem ist nichts weiter passiert.»

Djukic-Schröder sagte, ihr Mandant habe sie im Dezember vergangenen Jahres beauftragt, nach Gründen zu suchen, die eine Abschiebung verhinderten. Der Häftling habe ihr erzählt, dass er in seiner Heimat zu sechs Jahren Haft verurteilt worden sei, nachdem er 2005 im Osten des Kosovo im Streit einen Polizisten niedergestochen habe. Der Mann habe damals überlebt. Bei dem Streit soll es um 10 000 Euro gegangen sein, die der Polizist einforderte. «Mein Mandant sagte, der Polizist habe ihn massiv bedrängt, obwohl er das Geld nicht hatte», sagte Djukic-Schröder. «Er habe aus Notwehr zugestochen. Ob diese Angaben stimmen, weiß ich nicht.»

[JVA Münster]: Gartenstraße 26, Münster

Kriminalität
20.01.2010 · 18:11 Uhr
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