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Mordanklage gegen S-Bahn-Schläger - Neuer Übergriff

Ein Jugendlicher steht am Tatort vor niedergelegten Blumen.Großansicht
München/Eching (dpa) - Die Staatsanwaltschaft hat die beiden mutmaßlichen Münchner S-Bahn-Schläger wegen Mordes an dem Manager Dominik Brunner angeklagt. Das teilte die Staatsanwaltschaft München I am Donnerstag mit.

Der damals 18 Jahre alte Markus S. und der 17- jährige Sebastian L. sollen den 50-jährigen Brunner am 12. September 2009 am S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt haben, als der sich schützend vor vier Kinder stellte. Die jungen Männer hatten die Kinder bedroht und von ihnen Geld verlangt. Fast zeitgleich zu der Mordanklage wurde am Donnerstag ein neuer brutaler Angriff von Jugendlichen im Münchner S-Bahn-Bereich bekannt: Ein 58 Jahre alter Mann wurde von zwei Jugendlichen krankenhausreif geschlagen.

Der Tod Brunners hatte im vergangenen Jahr bundesweit Entsetzen ausgelöst. Bundespräsident Horst Köhler hatte ihn für seine Zivilcourage posthum mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Der Vorsitzende Richter der zuständigen Jugendkammer am Landgericht München I, Reinhold Baier, sagte auf Anfrage, der Prozess werde nicht vor Ablauf von mindestens zwei oder drei Monaten beginnen können. «Es wird sicher Frühjahr werden», sagte Baier.

Wegen des Alters der Angeschuldigten, von denen einer als jugendlich und einer heranwachsend gilt, kann die Öffentlichkeit bei der Verhandlung auch ausgeschlossen werden. Baier betonte aber: «Es wird grundsätzlich öffentlich verhandelt in einer solchen Konstellation.» Baier bestätigte Angaben der «Bild»-Zeitung, dass in der Anklage mindestens 50 Zeugen benannt sind, außerdem Rechtsmediziner, Psychologen und Psychiater. Er rechne nicht mit einem kurzen Prozess. «Ich gehe davon aus, dass es doch einige Zeit dauern wird - das kann man in einer Woche nicht abhandeln.»

Das Verfahren gegen einen dritten Beschuldigten wurde abgetrennt: Der damals 17-Jährige soll dabei gewesen sein, als die Kinder bedroht wurden, nicht aber bei dem tödlichen Überfall. Ihm werden gefährliche Körperverletzung und versuchte räuberische Erpressung vorgeworfen.

Alle drei waren schon vorher bei der Polizei bekannt. Sie hatten teils gestohlen, erpresst oder geschlagen, auch Drogenbesitz gehörte bei einem von ihnen zu den Delikten. Die beiden Jüngeren waren seit Monaten in einem Haus einer Suchthilfeeinrichtung untergebracht.

Der Verteidiger von Markus S., Maximilian Pauls, beklagt eine Vorverurteilung seines Mandanten durch die Medien. Der Angeschuldigte hat bisher zu Vorwürfen geschwiegen. Pauls bestätigte Angaben der «Süddeutschen Zeitung», dass er sich auch bei dem bei allen drei mutmaßlichen Tätern nötigen psychiatrischen Gutachten nicht äußerte.

Nach dem neuen Übergriff zweier Jugendlicher liegt das 58 Jahre alte Opfer seit einer Woche mit zahlreichen Verletzungen im Krankenhaus. Nach den Schlägern, die etwa 18 Jahre alt sind, wird gefahndet. Die Tat ereignete sich bereits vergangenen Freitag am S- Bahnhof in Eching, wurde aber erst am Donnerstag von der Bundespolizei in München mitgeteilt.

Der 58-Jährige war nachmittags mit der S-Bahn von Freising nach Eching gefahren und wollte nach Hause gehen. In der Unterführung sprachen vier junge Männer das Opfer an. Sie forderten 50 Euro, um sich davon Alkohol kaufen zu können, wie sie sagten. Doch der Mann hatte nur 8 Euro bei sich. Zwei von ihnen schlugen daraufhin auf Kopf und Oberkörper des 58-Jährigen ein. Er erlitt mehrere blutende Wunden am Kopf und Blutergüsse am Rücken und am rechten Arm. Die Schläger rannten davon. Sie sollen etwa 17 bis 19 Jahre alt sein.

Richter Baier wird im März auch gegen drei Schweizer Jugendliche zu Gericht sitzen, die wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt sind. Die drei damals 16-jährigen Schüler aus dem Kanton Zürich hatten im vergangenen Sommer auf einer Klassenfahrt in München innerhalb einer halben Stunde völlig grundlos fünf Menschen brutal zusammengeschlagen.

Bereits 2008 hatte Baier die beiden Münchner U-Bahn-Schläger wegen Mordversuchs verurteilt, deren Fall ebenfalls über Bayerns Grenzen hinaus für Schlagzeilen sorgte. Ein Heranwachsender wurde damals nach Erwachsenenrecht mit zwölf Jahren Freiheitsentzug bestraft, sein jüngerer Komplize bekam achteinhalb Jahre Jugendstrafe. Sie hatten in einem U-Bahnhof einen Rentner lebensgefährlich verletzt, der sie auf das Rauchverbot hingewiesen hatte.

Kriminalität
04.02.2010 · 16:18 Uhr
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