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Mord an Siedlerfamilie: Israel sucht nach Tätern

Israelische SoldatenGroßansicht

Jerusalem (dpa) - Der blutige Mord an einem jüdischen Siedlerpaar und drei seiner Kinder im Westjordanland hat in Israel Entsetzen und Empörung ausgelöst. Vermutlich zwei palästinensische Terroristen hatten die Familie im Schlaf überfallen und ihre Opfer erstochen.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte am Sonntag an, die Armee werde mit «eiserner Faust» gegen die Täter vorgehen. Als Reaktion auf den Mord an der Familie aus der Siedlung Itamar südöstlich von Nablus billigte die israelische Regierung den Bau mehrerer hundert neuer Siedlerhäuser im Westjordanland.

Die Täter waren in der Nacht zum Samstag in das Haus der Siedlerfamilie eingedrungen. Die Eltern sowie Kinder im Alter von elf und vier Jahren und ein nur drei Monate alter Säugling wurden mit Messern getötet. Es war der folgenschwerste Anschlag im Westjordanland seit Jahren. Tausende von Menschen nahmen am Sonntag an dem Begräbnis der fünf Familienmitglieder in Jerusalem teil.

Israelische Sicherheitskräfte suchten am Sonntag im nördlichen Westjordanland intensiv nach den Tätern, die nach dem Mord fliehen konnten. Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, der Einsatz konzentriere sich auf die Umgebung der Siedlung Itamar sowie das naheliegende Dorf Awarta.

Itamar gilt als Hochburg radikaler Siedler. Benachbarte Palästinenser haben sich häufig über Übergriffe von Siedlern beschwert. Nach internationalem Gesetz sind Siedlungen in besetzten Gebieten illegal, Siedler gelten jedoch auch als Zivilisten und dürfen damit nicht angegriffen werden.

Zu der Bluttat bekannten sich die palästinensischen Al-Aksa-Brigaden, der bewaffnete Flügel der Fatah-Bewegung. Die Organisation rühmte die Morde in einer Erklärung als «heldenhaften Einsatz». Sie bezeichnete die Bluttat als Reaktion auf die israelische Besetzung des Westjordanlandes und die Abriegelung des Gazastreifens.

Die Leichen waren von einer zwölfjährigen Tochter der Familie entdeckt worden, die sich zur Tatzeit bei Freunden in der Nachbarschaft aufgehalten hatte und erst gegen Mitternacht heimkehrte. «Alles war durcheinander und voller Blut», sagte sie der israelischen Zeitung «Jediot Achronot».

Zwei weitere Kinder im Alter von zwei und acht Jahren wurden von den Angreifern verschont oder nicht entdeckt. Das kleinere Kind habe weinend bei den blutverschmierten Leichen gesessen und verzweifelt versucht, die toten Eltern aufzuwecken, berichteten Augenzeugen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu reagiert schockiert auf den Anschlag und kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen an. Er sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung am Sonntag, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe ihm telefonisch sein Bedauern über den Vorfall mitgeteilt. «Ich habe ihm gesagt, dass wir viel deutlichere Verurteilungen erwarten», sagte Netanjahu. Man fordere von der Palästinenserbehörde, Hetze gegen Israel zu unterbinden. «Menschen zum Frieden zu erziehen ist ein integraler Teil des Friedens», sagte Netanjahu.

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad verurteilte den Anschlag am Samstag. «Wir lehnen Gewalt uneingeschränkt ab und nichts kann sie rechtfertigen», sagte Fajad. Die Palästinenserbehörde verurteilte am Sonntag auch die neuen israelischen Baupläne. Nach Medienberichten sollen bis zu 500 neue Wohneinheiten in sogenannten Siedlungsblöcken gebaut werden, die Israel sich im Rahmen einer Friedensregelung einverleiben will.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den «schockierenden Mord» in Itamar. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte in Washington: «Ich war schockiert und zutiefst betrübt, als ich von dem brutalen Mord erfahren habe.» Ihr deutscher Kollege Guido Westerwelle sprach von einem «grausamen und hinterhältigen» Anschlag. «Die Täter müssen schnell gestellt und zur Verantwortung gezogen werden», erklärte er in Berlin.

Konflikte / Nahost
13.03.2011 · 15:52 Uhr
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