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Mohammed-Karikaturist entgeht Mordanschlag

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Kopenhagen (dpa) - Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner umstrittenen Mohammed-Karikaturen ist der dänische Zeichner Kurt Westergaard um Haaresbreite dem Anschlag eines mutmaßlichen Islamisten entkommen. «Das war knapp», sagte der Zeitungs-Karikaturist am Samstag.

Ein 28 Jahre alter Mann aus Somalia war am Freitagabend mit Axt und Messer bewaffnet in das Haus des Zeichners eingedrungen. Möglicherweise überlebte der 74-jährige Westergaard nur, weil er sich rechtzeitig in einen speziell gesicherten Raum («panic room») retten und von dort die Polizei alarmieren konnte.

Während er auf die Sicherheitskräfte gewartet habe, habe der Angreifer vor dem Raum getobt, «Rache» und «Blut» gefordert und gegen die Tür gehämmert. «Es war grauenhaft», schildert Westergaard das Drama wenige Stunden danach in der Online-Ausgabe der Zeitung «Jyllands-Posten», für die er arbeitet. «Es war knapp, wirklich knapp», betont er noch einmal. Mehr als um alles andere habe er sich Sorgen um seine fünf Jahre alte Enkelin gemacht, die zu der Zeit auch in seinem Haus gewesen sei. «Aber ihr ist nichts passiert.»

Als die Polizei das Haus des Zeichners in der Nähe von Århus am späten Freitagabend stürmte, warf der Eindringling seine Axt auf einen der Beamten. Daraufhin gaben die Polizisten Schüsse auf Hand und Knie des Angreifers ab. Die Verletzungen sind den Angaben zufolge nicht lebensgefährlich.

Auf einer Trage wurde der Mann am Samstag zu einem Haftrichter gebracht. Dieser ordnete an, dass der 28-Jährige weiter in Haft bleibt. Die Justiz wirft ihm versuchten Mord an Westergaard und an einem Polizisten vor. Bis zum 27. Januar soll er hinter Schloss und Riegel bleiben, davon die ersten zwei Wochen in Isolationshaft, entschied der Richter.

Der Beschuldigte wies den Vorwurf des Mordversuchs zurück, gab aber zu, im Haus des Karikaturisten gewesen zu sein. Westergaard wurde noch in der Nacht an einen sicheren Ort gebracht. Fahnder durchsuchten die Wohnung des Täters in einem Kopenhagener Vorort. Auch in Aalborg nördlich von Århus, wo der 28-Jährige Kontakte gehabt haben soll, ermittelte die Polizei.

Im September 2005 hatte «Jyllands-Posten» mehrere Karikaturen veröffentlicht, darunter eine Westergaard-Zeichnung von Mohammed mit einer Bombe im Turban. Dies hatte später zu wütenden Protesten in der islamischen Welt geführt, mehr als 150 Menschen kamen ums Leben. Westergaard erhielt mehrfach Drohungen und wurde unter Polizeischutz gestellt.

Nach Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hat der Festgenommene Verbindungen zu den radikal-islamischen Al-Shabaab-Milizen und zur Führung des Terrornetzwerkes El Kaida in Ostafrika. Geheimdienstchef Jakob Scharf stufte den Vorfall in einer Erklärung als «sehr schwerwiegend» ein. Helle Thorning-Schmidt, Parteichefin der oppositionellen Sozialdemokraten, sprach von einem Anschlag auf die Demokratie in Dänemark. «Wir akzeptieren nicht, dass fanatische Islamisten glauben, die Meinungsfreiheit abschaffen zu können», sagte die Politikerin.

Ein Aufschrei ging auch durch die Gemeinschaft der etwa 16 000 Somalier in Dänemark. «Das ist schrecklich und schockierend. Ich bin sicher, dass sich die gesamte somalische Gemeinschaft in Dänemark gegen diesen Anschlag auf Westergaard wendet», sagte Sprecher Mohamed Gelle. Nach den USA sollte nun auch die EU die Al-Shabaab auf die Liste der Terrororganisationen setzen.

Unterdessen forderte die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen eine harte Strafe für den Angreifer. «Manche Muslime mögen von Karikaturen von Kurt Westergaard schockiert gewesen sein, aber nichts rechtfertigt eine solche Gewalt und Intoleranz», hieß es in einer am Samstag in Paris verbreiteten Erklärung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung müsse gegen Minderheiten verteidigt werden, die gewaltsam versuchten, Terror und Schweigen zu erzwingen. Reporter ohne Grenzen hoffe, dass der Urheber des Anschlags von der dänischen Justiz angemessen und streng bestraft werde.

Kriminalität / Extremismus / Dänemark
02.01.2010 · 21:46 Uhr
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