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Mladic nennt sich vor UN-Tribunal unschuldig

Dem früheren General der bosnischen Serben werden schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen.Großansicht

Den Haag (dpa) - Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist nach 16-jähriger Flucht erstmals vor seine Richter beim UN-Tribunal in Den Haag getreten.

Der Ex-General, der als «Schlächter vom Balkan» traurige Berühmtheit erlangte, soll «Völkermord sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit» befehligt haben. Reglos hört er sich die Anklage an. Er kann offensichtlich nicht verstehen, warum ihm hier nach der Auslieferung von Belgrad der Prozess für die schwersten Kriegsverbrechen in Europa nach 1945 gemacht wird.

«Ich will nicht, dass man mir die Anklage vorliest», sagte der nach eigenen Angaben 68-Jährige. Der Vorsitzende Richter, der Niederländer Alphons Orie, besteht aber darauf, wenigstens eine Zusammenfassung der Vorwürfe vorzutragen. Der Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) sei für «Mord und Deportation» ebenso verantwortlich wie für Zwangslager und massenhafte sexuelle Gewalt. Auch die vielen Massengräber, aus denen die Leichen zur Vertuschung wieder herausgeholt und zerstückelt in neuen «Sekundärgräbern» verscharrt wurden, gingen auf das Konto des Angeklagten.

«Ich muss das gut durchlesen», reagierte Mladic auf die Vorwürfe in der 37-seitigen Anklageschrift. Es seien «monströse Worte» gefallen, «von denen ich noch nie gehört habe». «Ich habe mein Volk und mein Land verteidigt», beschrieb er seine Position. «Ich habe keine Muslime und keine Kroaten umgebracht.» Auch wenn er in seinem grauen Anzug mit Krawatte gebrechlich wirkte, so zeigte er gegenüber den Richtern - neben dem Vorsitzenden der Deutsche Christoph Flügge und der Südafrikaner Bakone Moloto - doch Selbstbewusstsein.

«Ich bin General Ratko Mladic», antwortete er auf Fragen nach seiner Person: «In der ganzen Welt weiß man, wer ich bin: Ich bin General Ratko Mladic». Er zeigte sich überzeugt, seine Unschuld beweisen zu können: «Ich will noch meine Freiheit erleben», sagte er. Die Verhandlung wurde auf den 4. Juli (1000 Uhr) vertagt, damit sich der Angeklagte auf seine Verteidigung vorbereiten kann.

Mladic wird vor allem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht. Dabei wurden rund um den 15. Juli 1995 bis zu 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Auch in Sarajevo herrschte Terror: drei Jahre wurde die bosnische Hauptstadt von den umliegenden Bergen mit schweren Waffen beschossen. Tausende kamen ums Leben.

«Ich bin ein schwer kranker Mann», berichtete der Ex-General zu Beginn des Prozesses mit schwerer Stimme. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit äußerte sich Mladic vor den Richtern über seinen Gesundheitszustand. Sein Belgrader Anwalt hatte behauptet, Mladic leide an Lymphdrüsenkrebs und könne die Verhandlung nicht überleben, das Tribunal bestritt diese Angaben.

«Im Augenblick gibt es keine Hinweise, dass der Gesundheitszustand Mladic hindern wird, am Gerichtsverfahren teilzunehmen», sagte der Sekretär des Tribunals, John Hocking, der Belgrader Zeitung «Blic» (Freitag). Auch Mladic-Sohn Darko betonte in Belgrad, sein Vater fühle sich gut. Das habe er selbst aus dem Gefängnis des Tribunals seiner Familie berichtet. Er sei zuversichtlich, seine Unschuld beweisen zu können.

Während die serbische Regierung die Finanzierung der Mladic-Verteidigung ablehnt, hat die Regierung der bosnischen Serbenrepublik 50 000 Euro als Soforthilfe bereitgestellt. Als Pflichtverteidiger wurde ihm zunächst der Anwalt Aleksandar Aleksic zugewiesen, bis er sein eigenes Verteidigerteam zusammengestellt hat. Aleksic hatte vor dem Tribunal schon zwei andere serbische Angeklagte vertreten. Wegen des besonderen Falles wird die Anklage vom Chefankläger, Serge Brammertz, persönlich vertreten.

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Der Fall Mladic
UN / Justiz / Kriegsverbrechen / Serbien
03.06.2011 · 16:51 Uhr
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