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Mladic aus Gerichtssaal gewiesen

Bereits bei seinem ersten Erscheinen vor dem Haager Gerichtshof am 3. Juni hatte sich der serbische Ex-General Ratko Mladic geweigert, eine Stellungnahme zur Anklage abzugeben.Großansicht

Den Haag (dpa) - Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic hat mit flegelhaftem Auftreten vor dem UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien seinen Rausschmiss aus dem Gerichtssaal provoziert.

Als der 69-Jährige bei seiner zweiten Anhörung dem Vorsitzenden Richter Alphons Orie wiederholt ins Wort fiel und eine Stellungnahme zur Anklage verweigerte, ließ dieser den Ex-General zurück in die Zelle bringen.

Nach kurzer Beratung mit den anderen Richtern - dem Deutschen Christoph Flügge und dem Südafrikaner Bakone Moloto - trug der Niederländer Orie dann eine Zusammenfassung der elf Punkte der Anklage vor. Sie umfasst Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges 1992-95, dem etwa 100 000 Menschen zum Opfer fielen. In Abwesenheit des Angeklagten legte Orie gemäß den Verfahrensregeln des Gerichtshofes fest, dass die Plädoyers von «unschuldig» auszugehen haben.

Kurz zuvor hatte Mladic den Richter angeherrscht: «Nein, nein, ich höre nicht zu!». Daraufhin verwies dieser den Angeklagten aus dem Saal. Mladic hatte dem Tribunal von Beginn der Sitzung an immer wieder vorgehalten, es verweigere ihm juristischen Beistand durch zwei von ihm ausgewählte Verteidiger - den serbischen Juristen Milos Saljic und den russischen Anwalt Alexander Meziajew.

Vergeblich wies der Richter Mladic daraufhin, dass er nach dem vom Gericht bestellten Pflichtverteidiger selbstverständlich Anwälte seiner Wahl beauftragen dürfe. Die Gerichtsverwaltung prüfe aber noch den Regeln entsprechend die Qualifikation der beiden von Mladic gewünschten Juristen. Diese Prüfung habe noch nicht abgeschlossen werden können, da der Angeklagte sie erst vor kurzem benannt habe. «Sie wollen über meine Verteidigung bestimmen, was für ein Gericht ist das hier?», schrie Mladic den Richter daraufhin an.

Der frühere Militärführer der bosnischen Serben muss sich unter anderem wegen der Massaker in Srebrenica im Sommer 1995 verantworten, bei denen bis zu 8000 bosnische Muslime ermordet wurden, sowie für die jahrelange Belagerung von Sarajevo, der etwa 10 000 Einwohner der einstigen Olympia-Stadt zum Opfer fielen.

Mladic war am 26. Mai nach 16 Jahren Flucht in Serbien festgenommen und wenige Tage später an das Tribunal in Den Haag überstellt worden. Er sitzt im selben UN-Untersuchungsgefängnis wie sein einstiger ideologischer Mentor Radovan Karadzic, der ebenfalls im Zusammenhang mit den Massakern in Srebrenica wegen Völkermordes angeklagt ist.

Mladic bezeichnete die Anklage bei seinem ersten Erscheinen vor dem Tribunal am 3. Juni als «abscheuliche Vorwürfe» sowie «ungeheuerliche Worte». Ähnlich hatte sich vor ihm auch Karadzic geäußert, der sich ebenfalls weigerte, ein Plädoyer auf schuldig oder unschuldig abzugeben.

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ICTY zum Mladic-Fall
UN / Justiz / Serbien
04.07.2011 · 15:44 Uhr
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