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Mixa gibt nach und bittet um Verzeihung

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Augsburg (dpa) - Nach wochenlangem Hin und Her fügt sich Walter Mixa dem Vatikan und liebäugelt nicht mehr mit einer Rückkehr auf den Augsburger Bischofsstuhl. In einer gemeinsamen Erklärung mit der Bistumsleitung stellte der 69-Jährige am Mittwoch klar, dass er seinen Rücktritt nicht mehr infrage stellt.

Zugleich bat er in einem offenen Brief die Gläubigen des Bistums um Vergebung: «Ich bin in vieler Hinsicht schuldig geworden und bitte alle, die ich enttäuscht habe, nochmals nicht nur um Verständnis, sondern auch um Verzeihung.» Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken reagierte erleichtert auf die neue Entwicklung.

Die Bistumsleitung, Mixa und die Anwälte beider Seiten hatten sich am Dienstag auf die Fünf-Punkte-Erklärung verständigt. Mixa werde der Einladung des Papstes zu einem Gespräch in Rom Anfang Juli nachkommen, dabei aber seinen Rücktritt und dessen Umstände nicht infrage stellen, heißt es darin. Für den Druck, den er bei der Unterzeichnung seines Rücktritts empfunden habe, mache Mixa niemanden verantwortlich und niemandem Vorwürfe.

Ursprünglich hatte Mixa vor allem den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, und den Vorsitzenden der Bayerischen Bischofskonferenz, den Münchner Erzbischof Reinhard Marx, scharf kritisiert: Sie hätten sich nicht brüderlich verhalten und ihn zum Rücktritt gedrängt. Mit dieser Begründung hatte Mixa am 24. April auch seinen drei Tage zuvor eingereichten Rücktritt widerrufen. Papst Benedikt XVI. nahm den Rücktritt dennoch am 8. Mai an. Der Papst reagierte damit auch auf ein Dossier, in dem Mixa angebliche Alkoholprobleme und angebliche homosexuelle Annäherungsversuche angelastet wurden.

In der am Mittwoch veröffentlichten Erklärung versprach Mixa auch, aus dem Bischofs-Palais auszuziehen. Das Bistum sucht ihm dafür im Gegenzug eine Übergangswohnung.

In dem offenen Brief an die Gläubigen, der auf der Homepage des Bistums veröffentlicht wurde, schrieb Mixa, er habe sich immer bemüht, einen richtigen Weg einzuschlagen. «Ich will keineswegs verschweigen, dass mir nicht immer alle diese Vorsätze in der rechten Weise gelungen sind», räumte der 69-Jährige ein. «Ich habe sicher auch viele Fehler gemacht, obwohl ich niemanden in irgendeiner Weise verletzen oder beschädigen wollte.»

Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sagte zur Augsburger Erklärung: «Man kann nur begrüßen, dass es zu einer solchen Gemeinsamkeit gekommen ist.» Bedauerlich sei aber, dass dies nicht schon früher möglich gewesen sei: «Das hätte allen Beteiligten und vor allem der katholischen Kirche viel erspart», sagte Glück der Nachrichtenagentur dpa.

Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats, Helmut Mangold, sagte, Mixas Erklärung sei ein erster Schritt in eine gute Zukunft. «Jetzt ist Versöhnung angesagt.» In dem zwischen Mixa-Gegnern und Mixa-Anhängern zerrissenen Bistum sei jetzt «echter Neuanfang» möglich, die Spaltung im Bistum müsse überwunden werden.

Mixa war im März mit schweren Prügel-Anschuldigungen konfrontiert worden, die er zunächst leugnete. Er habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in der Zeit von 1975 bis 1996 niemals Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt, hatte Mixa «reinen Herzens» versichert. Später räumte er dann Tätlichkeiten gegen Heimkinder ein, die ihm Betroffene zuvor in eidesstattlichen Versicherungen angelastet hatten. Auch Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von Stiftungsgeldern für Waisenkinder wurden ihm vorgeworfen. Ein weiterer Vorwurf wegen sexuellen Missbrauchs ist aber vom Tisch - die Staatsanwaltschaft Ingolstadt stellte entsprechende Vorermittlungen ergebnislos ein.

In seinem offenen Brief warf Mixa den Medien eine teilweise tendenziöse Berichterstattung vor. «In einer sehr schmerzlichen Situation» habe er «sehr schweren Herzens» dem Papst seinen Rücktritt angeboten. «Für mich ist es jetzt von einer ganz großen Bedeutung, dass in unserer Diözese gegenseitige Streitereien und gegenseitige schwerwiegende Vorwürfe abgebaut werden», heißt es weiter in dem Schreiben. Der Papst habe ihm in einem «sehr liebevollen Brief» geschrieben, dass er, Mixa, auch künftig geistliche Dienste wie die Feier der Eucharistie, die Spendung der Sakramente oder auch Firmungen wahrnehmen solle.

Kirchen
23.06.2010 · 17:13 Uhr
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