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Missbrauchs-Vorwürfe gegen Mixa

Walter Mixa im Oktober 2005 bei der Einführung in sein Amt als Bischof des Bistums Augsburg.Großansicht
Augsburg/Ingolstadt (dpa) - Erstmals steht in Deutschland mit Walter Mixa ein katholischer Bischof unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat gegen den Augsburger Oberhirten Vorermittlungen eingeleitet.

Dies bestätigte Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) am Freitag. Mixa ließ über einen Augsburger Anwalt die erhobenen Vorwürfe «mit Entschiedenheit» zurückweisen. Medienberichten zufolge hat Papst Benedikt XVI. den von Mixa angebotenen Rücktritt angenommen. Vom Vatikan war am Freitag keine Stellungnahme dazu zu erhalten.

Nach wochenlanger Kritik und Gewaltvorwürfen ehemaliger Heimkinder hatte der für markige Worte bekannte Augsburger Bischof am 21. April dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Die Annahme dieses Rücktrittsersuchens werde der Vatikan an diesem Samstag um 12.00 Uhr in Rom und Augsburg bekanntgeben, berichtet die Tageszeitung «Die Welt» (Samstag) unter Berufung auf römische Kirchenkreise. Ausdrücklich bestritten werde allerdings ein Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs gegen den 69-Jährigen, schreibt das Blatt. Auch das «heute-journal» des ZDF erfuhr aus Kirchenkreisen, dass eine Annahme des Rücktrittsgesuchs bevorstehe.

Zum neuen Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen Mixa sagte Merk, der Hinweis an die Anklagebehörde sei direkt aus der katholischen Kirche gekommen. Mixa, der sich zur Zeit in der Schweiz aufhalten soll, ließ über seinen Augsburger Anwalt erklären, er werde mit der Staatsanwaltschaft zur Aufklärung der Vorwürfe zusammenzuarbeiten.

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) äußerte sich am Freitag nicht zu den Vorermittlungen. DBK-Sprecher Matthias Kopp sagte in Bonn: «Es gibt von uns keine Stellungnahme.» Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, Helmut Mangold, sagte der Nachrichtenagentur dpa, er sei schockiert. Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, wäre das der «Super-Gau» für das Bistum.

Nach Medienberichten soll es sich dabei um einen Missbrauchsfall aus Mixas Zeit als Eichstätter Bischof zwischen 1996 bis 2005 handeln. Auch das Augsburger Ordinariat bestätigte, dass die Hinweise für die Vorermittlungen von der Kirche ausgegangen seien.

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt erklärte, zu dem Fall könnten aus ermittlungstaktischen Gründen keine Einzelheiten genannt werden. Aus Bistumskreisen war zu erfahren, dass die Vorwürfe nach eingehender Prüfung über den Missbrauchsbeauftragten der Diözese an den Generalvikar des Bistums, Karlheinz Knebel, weitergeleitet worden waren. Dieser soll sich dann entschieden haben, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Der Sprecher der katholischen Reformbewegung «Wir sind Kirche», Christian Weisner, nannte das Bekanntwerden staatsanwaltschaftlicher Vorermittlungen gegen Mixa «eine schockierende Nachricht» für alle deutschen Katholiken. Der Fall Mixa sei längst keine Augsburger Angelegenheit mehr, sondern werfe dunkle Schatten über die gesamte katholische Kirche in Deutschland.

Mixa hatte erst nach wochenlanger Kritik seinen Rücktritt angeboten. Ihm war zuvor in mehreren eidesstattlichen Versicherungen vorgeworfen worden, in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (1975-1996) Heimkinder brutal mit der Faust und einem Stock geschlagen zu haben. Der Bischof hatte die Prügel-Vorwürfe zunächst geleugnet und erklärt, er versichere «reinen Herzens», niemals Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausgeübt zu haben. Später hatte er dann doch Schläge eingeräumt und für alle Fehlleistungen um Verzeihung gebeten. Zusätzlich wird Mixa vorgeworfen, eine namhafte Summe von Stiftungsgeldern zweckentfremdet zu haben.

Nach bundesweiten Rufen nach einem Rücktritt Mixas hatte der DBK- Vorsitzende, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, Mixa im April öffentlich zu einem vorübergehenden Amtsverzicht aufgefordert - ein bisher einmaliger Fall in der jüngeren Geschichte des Katholizismus in Deutschland. Noch am selben Tag hatte Mixa dann dem Vatikan in Rom sein Rücktrittsangebot zustellen lassen. Damit wolle er Schaden von der Kirche abwenden und einen Neuanfang ermöglichen, hieß es in dem Schreiben.

Ende April war Zollitsch mit dem Vorsitzenden der bayerischen Bischofskonferenz, Münchens Erzbischof Reinhard Marx, zu einer Papstaudienz nach Rom gefahren, um mit dem Papst Einzelheiten über den Fall Mixa zu beraten. Ein Bischof ist erst dann autorisiert, sein Amt niederzulegen, wenn der Papst entsprechend entschieden hat.

Dem «Welt»-Bericht zufolge will bereits an diesem Samstagnachmittag das Domkapitel in Augsburg zusammentreten und einen Diözesan-Administrator wählen. Dieser soll bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs die Diözese leiten.

Kirchen / Kriminalität
07.05.2010 · 19:33 Uhr
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