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Minister Jung: höflich, stolz und mit Schwächen

Franz Josef JungGroßansicht
Berlin (dpa) - Für Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) dürfte der von der Bundeswehr befohlene Luftangriff in Afghanistan mit Dutzenden Toten auch persönlich ein schwerer Schlag sein.

Angesichts der Dramatik und des großen Interesses an Aufklärung wird jetzt für mehr Menschen sichtbar, was bisher nur ein kleinerer Kreis in der vierjährigen Amtszeit des 60-Jährigen wahrgenommen hatte: Jungs Schwierigkeiten, in der Öffentlichkeit auf komplizierte und heikle Situationen zu reagieren.

Er flüchtet sich in solchen Fällen oft in ewig gleiche Formulierungen, unabhängig davon, ob er gefragt wurde oder nicht. «Ich hoffe und wünsche, dass wir einen Beitrag zu Stabilität und friedlichen Entwicklung in Afghanistan leisten», sagt er dann zum Beispiel, oder wie am Dienstag im Bundestag: «Ich kann nur unterstreichen, dass wir unseren Auftrag erfüllen zur Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in Afghanistan.»

Von einem starken Verteidigungsminister wird aber militärische und politische Analyse erwartet. Drei Wochen vor der Bundestagswahl könnten sich Jungs Chancen, im Falle eines Wahlsieges Verteidigungsminister zu bleiben, damit massiv verschlechtert haben. Er würde es gern bleiben. «Wenn es eine Chance gibt, dass ich weiter im Bund Verantwortung tragen kann, werde ich das sehr gerne tun», sagte er im August. Dem Winzer Jung wird nachgesagt, dass er lieber Bundeslandwirtschaftsminister geworden wäre. Er selbst sagt, das Amt des Verteidigungsministers sei sein großer Wunsch gewesen.

Jung ist ein enger Vertrauter von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Im Jahr 2000 war Jung als Chef der hessischen Staatskanzlei im Zusammenhang mit der CDU-Spendenaffäre um schwarze Kassen, geheime Auslandskonten und angebliche jüdische Vermächtnisse zurückgetreten. Er galt als Bauernopfer, damit Koch Regierungschef bleiben konnte. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 machte Koch dann seinen Einfluss in der CDU geltend und setzte Jung als Verteidigungsminister durch. Auf dem Bundesparkett hatte der Jurist und gewiefte CDU-Landespolitiker zunächst Anlaufschwierigkeiten.

Kaum im Amt musste er den Kongo-Einsatz der EU mitplanen und sich erste Kritik anhören, er sei der nationalen und der internationalen Bühne nicht gewachsen. Jung hatte sich früh zur Truppenstärke der deutschen Soldaten geäußert, die zwar dem Planungsstand entsprach, aber noch nicht genannt werden sollte. Auch seine frühe Einschätzung, dass es sich beim Libanon-Mandat um einen Kampfeinsatz handele, galt als richtig, aber undiplomatisch angesichts der öffentlichen Debatte. So mag er sich seine anfängliche Transparenz abgewöhnt haben.

Zu den Erfolgen in seiner Amtszeit zählen die Erhöhung des Wehrsolds und des Verteidigungsetats sowie das Weißbuch zur Sicherheitspolitik. Zuletzt hatte es 1994 eine solche Analyse gegeben. Hohe Militärs sagen, Jung zeichne akribisches Aktenstudium, Fleiß und die Fähigkeit aus, zuzuhören. Er sei fachlich präzise, verlässlich und fühle sich für «seine» Leute verantwortlich. Dazu gehört auch, dass sich Jung schnell und klar hinter den Oberst gestellt hat, der den Luftangriff in Afghanistan befohlen hat.

Jung ist stolz auf sein Amt. Das sagt er offen. Er betont, dass er für 360 000 Soldaten und Zivilangestellte zuständig und sein Etat doppelt so groß wie der gesamte Haushalt Hessens ist. Er ist ein freundlicher Mensch, der sich seine Höflichkeit trotz des hohen Amtes bewahrt hat. In Gesprächen blüht er immer dann auf, wenn es um die Politik der CDU geht. Dann redet er frei, engagiert und überzeugend.

Verteidigung / Personalien
08.09.2009 · 18:33 Uhr
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