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Mindestens 74 Tote bei Bombenanschlägen in Uganda

Bombenanschlag in UgandaGroßansicht
Kampala (dpa) - Bei einer Serie von drei Bombenanschlägen auf Fußballfans in Uganda haben mutmaßliche islamische Extremisten mindestens 74 Menschen getötet. Unter den Toten in der Hauptstadt Kampala sind mindestens 15 Ausländer, darunter ein US-Bürger.

Mehr als 60 Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt, als während des Endspiels der WM drei Bomben in einem Restaurant und einem Club explodierten. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurde auch ein Deutscher leicht verletzt.

Wie der arabische TV-Sender Al-Dschasira am Montag unter Berufung auf seinen Reporter in Mogadischu berichtete, bekannte sich die radikalislamische somalische Al-Shabaab-Miliz zu der Bluttat. Auch die ugandische Polizei geht davon aus, dass somalische Extremisten hinter dem Massaker stecken.

Der Tod kam am späten Sonntagabend in den letzten Minuten des Endspiels zwischen Spanien und den Niederlanden, als Dutzende Fans gemeinsam gebannt das Finale verfolgten. Ein Sprengsatz explodierte in einem äthiopischen Restaurant. Zwei weitere Bomben gingen kurz hintereinander in einem völlig überfülltem Rugbyclub in die Luft. Dutzende Fans, die das Spiel auf einer Großleinwand verfolgten, wurden in den Tod gerissen.

Ein Sprengsatz war Berichten zufolge hinter der Leinwand versteckt, der zweite unter einem Stuhl. Die Polizei sprach am Montagmorgen zunächst noch von insgesamt 64 Toten. Bis zum Nachmittag erlagen jedoch weitere Menschen ihren schweren Verletzungen. Die Al- Shabaab-Miliz hatte erst vergangene Woche zu Anschlägen auf diplomatische Einrichtungen Burundis und Ugandas aufgerufen. Die beiden Staaten stellen das Kontingent der Friedenstruppen der Afrikanischen Union in Somalia.

Die Täter hätten die Anschläge sorgfältig vorbereitet und eine möglichst große Zahl von Menschen töten wollen, sagte der ugandische Polizeichef Kale Kayihura der Zeitung «New Vision». Der somalische Präsident Sheik Sharif Ahmed sprach in einer Stellungnahme von einem «abscheulichen Terrorakt». Der ugandische Präsident Yoweri Museveni kündigte am Montag bei einem Besuch der beiden Tatorte an: «Wir werden die Täter finden und zur Verantwortung ziehen, wo immer sie auch sind.»

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschläge. Es sei an Heimtücke kaum zu überbieten, wenn Menschen, die sich ein friedliches Sportfest ansehen wollten, durch solche Anschläge getötet würden, sagte er in Berlin. Die EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton sprach von «feigen Angriffen auf unschuldige Zivilisten.» Auch die USA verurteilten den Anschlag. «Unser Mitgefühl ist mit den Familien und Freunden der Opfer in Uganda und den USA.» Die USA würden mit Uganda zusammen daran arbeiten, die Täter vor Gericht zu bringen, sagte Außenministerin Hillary Clinton.

In Südafrika, wo der erfolgreiche Abschluss der ersten Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent gefeiert wurde, verbreitete sich die Nachricht über den Anschlag erst am Montag. «Man kann die Verbrechen in der Welt nicht stoppen, selbst wenn man sich wünschen würde, dass während der WM Frieden herrscht und alle Menschen von ihren Gefühlen geleitet werden», sagte FIFA- Chef Joseph Blatter. Die südafrikanische Regierungspartei ANC sprach von Tätern «ohne Seele».

Nach der Nachricht über das Massaker herrschte am Montag in den Straßen von Kampala deutlich weniger Betrieb, mehrere Geschäfte in belebten Stadtvierteln blieben zunächst geschlossen. Radiostationen erhielten zahlreiche Anrufe von besorgten Menschen, die Freunde und Verwandte unter den Opfern der Anschläge vermuteten.

Terrorismus / Uganda
12.07.2010 · 18:19 Uhr
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