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Mindestens 44 Tote bei Selbstmordanschlag in Pakistan

Pakistan - SelbstmordanschlagGroßansicht

Islamabad (dpa) - Eine mit Sprengstoff und Handgranaten bewaffnete Frau in einem Ganzkörperschleier hat in Pakistan ein Blutbad angerichtet. Mindestens 44 Menschen starben bei dem Selbstmordattentat in einem Zentrum für internationale Nahrungsmittelhilfe in der Stadt Khar im Distrikt Bajaur.

Mehr als 70 Menschen wurden verletzt, etliche davon schwer. Die radikal-islamischen Taliban übernahmen die Verantwortung.

Die junge Attentäterin hatte nach Angaben von Augenzeugen zunächst Handgranaten in die Menge geworfen, als sie am Tor von Sicherheitskräften gestoppt wurde. Dann habe sie sich in die Luft gesprengt. «Körperteile, Hände und Füße lagen nahe dem Tor verstreut», sagte der Augenzeuge.    

Ein Regierungsbeamter sagte, auf dem Gelände waren zum Zeitpunkt des Anschlags am Samstag etwa 300 Menschen versammelt. In dem Zentrum im unruhigen pakistanischen Stammesgebiet an der Grenze zu Afghanistan werden Flüchtlinge mit Nahrungsmittelhilfen der Regierung und des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen versorgt. Tausende Menschen sind wegen der Kämpfe zwischen Regierungssoldaten und den Taliban auf der Flucht und dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Der Augenzeuge schätzte die Täterin auf Anfang 20. Selbstmordanschläge durch Frauen sind eher selten. In Pakistan gab es vor dem jüngsten Anschlag lediglich zwei Attentate dieser Art. Auch der Regierungsbeamte ging davon aus, dass eine Frau das Blutbad anrichtete.    

In dem Gebiet bekämpft die Regierung Taliban-Kämpfer und Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Bajaur war früher ein Hauptdurchgangsgebiet für Aufständische, die jenseits der Grenze in Afghanistan Anschläge verübten. Kurz vor einem massiven US- Drohnenangriff in Bajaur im Jahr 2006 konnte der Vize von Al-Kaida- Chef Osama bin Laden, der Ägypter Eiman al-Sawahiri, aus der Gegend fliehen, wie es aus Sicherheitskreisen hieß.

Im vergangenen Jahr hatte das pakistanische Militär verkündet, die Militanten aus der Region vertrieben zu haben. Allerdings sollen sich weiterhin Aufständische in den Bergen verstecken und Soldaten und Zivilisten in Bajaur und im benachbarten Distrikt Mohmand angreifen.

Erst in der Nacht zum Freitag hatten rund 150 Aufständische fünf Checkpoints im Stammesgebiet Mohmand angegriffen. 11 Soldaten und 24 Extremisten starben. Am Samstag nahmen Militärhubschrauber Positionen der Militanten ins Visier, mindestens 40 Menschen kamen ums Leben. Binnen zwei Tagen seien insgesamt 64 Aufständische getötet worden, sagte ein Militärsprecher.

Konflikte / Pakistan
25.12.2010 · 15:52 Uhr
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