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Mindestens 32 Tote bei Grubenunglück in Sibirien

In einer Grube in Westsibirien hat es zwei Methangas-Explosionen gegeben.Großansicht
Moskau (dpa) - Mindestens 32 Tote und 58 Verschüttete: Nach einem der schwersten Grubenunglücke im sibirischen Kohlebecken Kusbass machte sich Russland am Montag auf das Schlimmste gefasst.

«Es bleibt wenig Hoffnung auf Überlebende», sagte Zivilschutzminister Sergej Schoigu am Unglücksort. Die Agentur Interfax zitierte ein namentlich nicht genanntes Mitglied des Krisenstabs mit den Worten, die Chancen der in rund 500 Metern Tiefe verschütteten Bergleute seien «praktisch null». Zu den Eingeschlossenen im Bergwerk «Raspadskaja» im Gebiet Kemerowo fehlte jeder Kontakt. Deshalb war auch zwei Tage nach den schweren Methangas-Explosionen unklar, ob die Männer noch lebten.

Die Zahl der Toten war am Montag auf mindestens 32 gestiegen. Die meisten der geborgenen Leichen waren Rettungskräfte. Sie hatten die etwa 60 Bergleute am Wochenende retten wollen. Die Helfer waren aber bei einer zweiten Explosion selbst verschüttet worden. Die Rettung der Bergleute sei «außerordentlich schwer», räumte Kremlchef Dmitri Medwedew am Montag beim Besuch von vier Verletzten ein, die in eine Moskauer Klinik geflogen worden waren. «Wir setzen aber die Suche fort, bis wir die ganze Wahrheit kennen», sagte der Präsident kämpferisch. Etwa 700 Helfer waren im Einsatz. Bei dem Unglück waren auch etwa 60 Bergleute verletzt worden.

«Unseren Männern geht doch in dem Schacht die Luft aus. Sagen Sie uns endlich die Wahrheit!», schrie eine Angehörige an der Unglücksstelle. Nach Angaben von Minister Schoigu stellten Helfer in der Nacht zum Montag wieder die Belüftung und die Stromversorgung in dem 37 Jahre alten Kohlebergwerk her. Wegen der hohen Methangas- Konzentration in dem Schacht waren am Sonntag, als Russland landesweit den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland vor 65 Jahren feierte, die Rettungsarbeiten unterbrochen worden. Regierungschef Wladimir Putin hatte da bereits von einer «Tragödie» gesprochen.

Schoigu nannte die Gefahr weiterer Explosionen «groß». Zudem drohe eine Flutung des 370 Kilometer langen Tunnelsystems. Für die Rettung der Bergleute blieben nur noch höchstens 48 Stunden, sagte der Minister. Zur Unterstützung von Schoigu entsandte Medwedew am Montag den Vize-Regierungschef Viktor Subkow nach Kemerowo. «Raspadskaja» ist das größte Kohlebergwerk seiner Art in Russland und gehört über das Unternehmen Ewras zum Imperium des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, dem Besitzer des Londoner Fußballvereins FC Chelsea.

Vor dem Sitz der Unternehmensleitung warteten am Montag verzweifelte Angehörige auf ein Lebenszeichen der Verschütteten. Obwohl die Bergleute noch nicht gerettet sind, steht die Höhe der Entschädigung schon fest. Familien von getöteten Arbeitern sollen umgerechnet 25 000 Euro erhalten. Zum Zeitpunkt der ersten Detonation am Samstagabend waren 359 Arbeiter unter Tage gewesen.

Auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion kommt es immer wieder wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen zu Grubenunglücken mit hohen Opferzahlen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verstoßes gegen den Arbeitsschutz.

Zur Koordinierung der Rettungsarbeiten war Schoigu am Sonntag in das mehrere tausend Kilometer von Moskau entfernte Gebiet geflogen. Kemerowo liegt im berühmten Kusnezker Kohlenbecken («Kusbass»). Die Kohle wird an Betriebe in Russland, der Ukraine und Asien geliefert. In der Region war es zuletzt Anfang 2007 zu zwei schweren Unglücken gekommen. Damals starben in einem Nachbarschacht von Nowokusnezk 110 Arbeiter.

Unfälle / Bergbau / Russland
10.05.2010 · 18:21 Uhr
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