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«Milo, du Ratte!» Afrikas Trainer haben es schwer

Nairobi/Accra/Abidjan (dpa) - Vor wenigen Monaten noch war Milovan Rajevac für die Fußballfans in Ghana der Held. Immerhin hatte der aus Serbien stammende Nationaltrainer die «Black Stars» als beste schwarzafrikanische Mannschaft auf Platz zwei beim Afrika Cup gebracht.

Nun, auf der Fußball-WM am Kap, schlagen Rajevac Misstrauen und Verschwörungstheorien entgegen. «Milo, du Ratte!» gehörte noch zu den freundlicheren Aufschreien in Leserbriefen und Internetkommentaren. Seit es der Trainer beim 1:0-Sieg der «Black Stars» über seine serbischen Landsleute an Begeisterung über das Ergebnis fehlen ließ, wird ihm mangelnde Loyalität, ja Verrat unterstellt. «Ein serbischer Judas!» ereiferte sich ein Fan im Internetportal «ghanaweb».

«Ich rieche hier faules Spiel!» empörte sich Ghana-Anhänger Kwame Jones, nachdem Rajevac von seiner Hoffnung auf ein Unentschieden gegen Deutschland gesprochen hatte. «Das ist doch eine Verschwörung, damit die beiden europäischen Teams weiterkommen. Wenn es auf der WM nur zwei Siege für die afrikanischen Mannschaften gibt, kann etwas nicht stimmen!»

Dass die Schuld für schlechte Ergebnisse erst mal dem Trainer und nicht der Mannschaft zugewiesen werden, ist ja nicht gerade neues Fanverhalten. Besonderheit in Afrika ist allerdings die buchstäbliche schwarz-weiß-Malerei dabei. «Lagerbäck ist der typische europäische Söldner. Er hat überhaupt keinen professionellen Ehrgeiz, Nigeria weit zu bringen» zürnte der Nigerianer Gerard Onochie nach dem schlechten Abschneiden der Super-Adler.

Ein anderer Fan wollte in einem Leserbrief an die Zeitung «Punch» nicht ganz so weit gehen. «Er hat den nigerianischen Fußball nun mal nicht im Blut», meinte er schon beinahe versöhnlich. Aber die Konsequenz müsse klar sein: «Wir brauchen nigerianische Trainer, keine Europäer!»

«War es denn wirklich nötig oder überhaupt wünschenswert, einen schwedischen Trainer einzustellen?» klagte wiederum in «Soir Info» ein Anhänger der «Elefanten» von der Elfenbeinküste. «Haben wir keine brauchbaren einheimischen Trainer? Diese Ausländer füllen nur ihre Taschen und tun nichts für unsere Nationalelf.»

Paul Le Guen, der französische Nationaltrainer Kameruns, war bereits während der Spiele der nun doch nicht so unbezwingbaren Löwen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. In den Kneipen von Jaunde gab es ebenso wie in den Medien des zentralafrikanischen Landes bittere Klagen über seine Mannschaftsaufstellung und Taktik. Nachdem klar war, dass Kameruns Löwen als erste afrikanische WM-Teilnehmer die Koffer für die Heimreise packen müssen, versicherte Le Guen noch, dass er keinerlei Rücktrittsabsichten hat. In kamerunischen Medien wird bereits seine Entlassung gefordert.

Für viele Fans nicht nur in Kamerun gelten derzeit nur afrikanische Trainer als Allheilmittel für den täglich wachsenden WM- Kater nach den riesigen Erwartungen eines afrikanischen Fußballfestes am Kap. Die weißen Fußballlehrer, so die kollektive Kritik in Afrika, seien teuer, lebten auf afrikanische Kosten luxuriös und hätten nun einmal keine Ahnung von Mentalität und Ballgefühl der afrikanischen Teams.

Fußball / WM / Afrika / Trainer
23.06.2010 · 13:56 Uhr
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