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Milliardenschäden alarmieren Wirtschaft und Politik

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sorgt sich um die Auswirkungen der Flugausfälle.Großansicht
Frankfurt/Main (dpa) - Die Milliardenschäden durch die Flugverbote alarmieren Wirtschaft und Politik. Bundesregierung und Industrie setzten am Montag eine Arbeitsgruppe ein. In der Politik wurden erste Diskussionen über staatliche Hilfen für Airlines laut.

Nach einer Sitzung der «task force» am Nachmittag äußerte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, er hoffe, dass die Auswirkung für die Wirtschaft abgemildert und möglichst viel durch Aufholeffekte ausgeglichen werden könne. Der FDP-Politiker appellierte in Berlin an die Länder, das Nachtflugverbot zu lockern. Ähnlich sollte auch mit dem Sonntags-Fahrverbot für Lkw verfahren werden. Ziel sei es, möglichst schnell wieder zur Normalität zurückzukehren. Dies könne etwa 10 bis 14 Tage dauern. Über staatliche Hilfen sei nicht gesprochen worden.

Brüderle und der Präsident des Industrieverbandes BDI, Hans-Peter Keitel, vereinbarten für nächste Woche ein weiteres Treffen.

Nach Berechnung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) entgehen deutschen Unternehmen durch das Flugverbot täglich rund eine Milliarde Euro an Geschäftsvolumen. Diese Zahl beziehe sich ausschließlich auf den Außenhandel, davon würden wertmäßig 35 bis 40 Prozent über die Luftfahrt abgewickelt, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Ein großer Teil könne wieder hereingeholt werden, sobald die Flugzeuge nach dem Abzug der Vulkanasche-Wolke wieder starten könnten.

Jeder Tag, an dem die Sperrung des Luftraums anhalte, habe «tiefere Eingriffe» zur Folge, sagte BDI-Präsident Keitel. Rund 40 Prozent der deutschen Exporte gingen per Flugzeug ins Ausland. Um der Gefahr von Produktionsstopps zu begegnen, müssten «Notlösungen» her.

Brüderle schloss bei einer deutlichen Verlängerung der Luftraum- Sperre staatliche Hilfen nicht aus. Denkbar seien zum Beispiel günstige Kredite der staatlichen KfW Bankengruppe, hieß es im Wirtschaftsministerium. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wies dagegen Forderungen nach Schadenersatz für die Luftfahrtbranche zurück. «Ich wehre mich gegen jeden Ruf an den Staat», sagte er im Deutschlandfunk.

Nach Schätzungen des Luftfahrtverbandes IATA haben die Airlines in Europa täglich Einnahmeausfälle von mindestens 150 Millionen Euro, möglicherweise aber auch mehr als 200 Millionen Euro. Hinzu kämen Mehrkosten für die Betreuung der Passagiere und das Umorganisieren der Flotte. «Die Wirkung auf die Ertragsrechnung ist noch nicht zu schätzen», sagte IATA-Präsident Giovanni Bisignani in Paris.

Nach der Wiederöffnung der Lufträume werde die Krise aber schnell überwunden werden, sagte Bisignani. Anders als nach den Anschlägen vom 11. September gebe es keine lähmende Vertrauenskrise. «Es würde optimistisch geschätzt zwischen drei und sechs Tage dauern, bis sich der Flugverkehr normalisiert.»

Nach Einschätzung der EU-Kommission beschert die isländische Aschewolke den Fluggesellschaften in Europa schwerere Verluste als die Terroranschläge von 2001. «Die Auswirkungen übertreffen die Folgen von damals deutlich», sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel. «Diese Situation kann nicht lange Zeit aufrechterhalten werden.» 80 Prozent der europäischen Flughäfen seien geschlossen.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia stellte in Aussicht, die Auflagen für staatliche Subventionen zu lockern: «Wir sind bereit, ähnlich zu reagieren wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.» Die Kommission wolle nun einen Rahmen mit Regeln aufstellen.

Aktien von Luftfahrtunternehmen gehörten am Montag erneut zu den großen Verlierern. Papiere von Lufthansa oder Air Berlin sackten bis zum Mittag um jeweils mehr als fünf Prozent ab, erholten sich in der Folge jedoch etwas. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bekräftigte, er halte weiter an seinem Gewinnziel für das laufende Jahr fest. Nach vier Tagen Flugverbot sehe man noch keinen Bedarf, die Prognose anzupassen.

Vulkane / Luftverkehr / Konjunktur / Island
19.04.2010 · 23:05 Uhr
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