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Milliardär Prochorow will bei Präsidentenwahl antreten

Michail ProchorowGroßansicht

Moskau (dpa) - Mitten in der wachsenden Proteststimmung in Russland hat der Multimilliardär Michail Prochorow (46) überraschend seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekanntgegeben. Der Oligarch steht im Verdacht, ein doppeltes Spiel zu spielen - am Ende aber im Sinne des Kreml.

Er strebe die Zulassung für den Wahlgang am 4. März 2012 an, sagte Prochorow am Montag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. «Das ist wahrscheinlich die ernsteste Entscheidung meines Lebens», fügte der Oligarch hinzu, der als widersprüchliche politische Figur gilt. Bei der Wahl kandidiert auch Regierungschef Wladimir Putin, der bereits von 2000 bis 2008 Präsident gewesen war.

Gerade erst schrieb Prochorow in einem Internetblog angesichts der Proteste gegen die umstrittene Duma-Wahl, dass Putin im Moment der einzige Politiker sei, der den «ineffektiven Staatsapparat» lenken könne. Der Politologe Mark Urnow billigt Prochorow, der als einer der reichsten Russen gilt, bei der Wahl des Kremlchefs bestenfalls 7 Prozent zu. Zunächst muss Prochorow allerdings zwei Millionen Unterschriften von Wahlberechtigten für die Registrierung sammeln.

Regierungschef Putin gilt laut Umfragen weiter als haushoher Favorit für die Wahl. Allerdings könnte Prochorow nach Einschätzung von Beobachtern Proteststimmen gegen Putin abfangen, die andernfalls etwa Kommunistenchef Gennadi Sjuganow zufließen könnten. Politologen gingen davon aus, dass die geplante Kandidatur Prochorows vom Machtapparat inszeniert und mit dem Kreml abgesprochen ist.

Prochorow ist Chef des Investmentfonds Onexim und befasste sich bisher mit Aluminium- und anderen Metallgeschäften, Energie und Finanzen sowie mit Medien und Nanotechnologien. Sein Vermögen wird auf 18 Milliarden Dollar (12,7 Milliarden Euro) geschätzt. Nach Angaben des Finanzmagazins «Forbes» belegt er damit Platz drei auf der Liste der reichsten Russen.

Prochorow war im September nach nur kurzer Zeit als Vorsitzender der Mittelstandspartei Gerechte Sache abgetreten und hatte den Kreml scharf kritisiert. Er warf der Präsidialverwaltung Einmischung in das politische Leben und in die Kontrolle von Parteien vor. Jetzt kündigte Prochorow die Gründung einer neuen politischen Bewegung an. Dabei hält er nach eigenen Angaben eine Zusammenarbeit mit dem unlängst entlassenen Finanzminister Alexej Kudrin für möglich. In der Zeitung «Wedomosti» äußerte sich auch Kudrin über neue Pläne.

Prochorow sprach sich erneut für die Freilassung des Kremlkritikers und Ex-Ölmagnaten Michail Chodorkowski aus. Chodorkowski hatte sich offen gegen Putin gestellt und war 2003 als Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos verhaftet worden. Die Prozesse gegen den Putin-Kritiker unter anderem wegen Geldwäsche gelten als politisch gesteuert.

Innenpolitik / Russland
12.12.2011 · 17:45 Uhr
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