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Michael Buback - Herr Professor jagt die Mörder seines Vaters

Am 7. April 1977 wurde der Rechtsstaat der Bundesrepublik empfindlich getroffen, 15 Schüsse aus einem halbautomatischen Gewehr wurden von einem Motorrad aus abgefeuert. Sie trafen den Mercedes und die drei Personen, die darin saßen. Fahrer Wolfgang Göbel, Georg Wurster, der Leiter der anwaltschaftlichen Fahrbereitschaft, und Siegfried Buback, Generalbundesanwalt und damit RAF-Chefermittler, wurden getötet.

Das «Kommando Ulrike Meinhof» bekannte sich zum Attentat auf Buback. Drei RAF-Terroristen wurden verurteilt: Christian Klar, Knut Folkerts, Brigitte Mohnhaupt. Doch wer tatsächlich vom Motorrad aus die tödlichen Schüsse abgefeuert hat, das ist auch 35 Jahre nach der Bluttat nicht klar.

Bubacks These: Mord wurde vom Staat gedeckt

Als Sohn des Generalbundesanwalts kämpft Michael Buback seit Jahren einen einsamen, erbitterten Kampf. Er will keine Rache, er will Aufklärung, sagt er. Der 67-jährige Chemie-Professor an der Universität Göttingen hat deshalb einen anstrengenden Nebenjob: Er ermittelt in eigener Sache, will endlich wissen, wer seinen Vater auf dem Gewissen hat. Das ist seine Form der Trauerarbeit. 2008 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel Der zweite Tod meines Vaters, in dem er den Verdacht anbringt, deutsche Geheimdienste könnten an der Ermordung seines Vaters beteiligt gewesen sein oder zumindest darüber Bescheid gewusst haben. Grund für seine Annahme: Die RAF-Terroristin Verena Becker könnte eine V-Frau gewesen sein, die wahren Mörder seien von den Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten deshalb vielleicht gedeckt worden.

Der Sohn, der Aufklärung wollte, schaffte es mit seinem Buch, Verena Becker für den Buback-Mord vor Gericht zu zerren. Buback war Nebenkläger im Prozess. 21 Monaten lang wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verhandelt, am Ende wurde die ehemalige RAF-Terroristin wegen Beihilfe zum Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Buback als Privat-Ermittler

Doch der private Aufklärungsfeldzug hat Buback keinen Sieg eingebracht. Am Ende des Mammutprozesses, bei den Schlussplädoyers, wendet sich die Staatsanwaltschaft gegen den Buback-Sohn – weil der seine These wiederholt, nach der der Geheimdienst mit RAF-Terroristin Becker zusammengearbeitet habe. Das sei eine «durch nichts zu rechtfertigende Unverfrorenheit», entrüstete sich deshalb Bundesanwalt Walter Hemberger. Mann könne sich die Angeklagte nicht «zurechtbiegen», viele der angeblichen Zeugen seien «unglaubwürdig»: «Jedes weitere Wort ist der Vortrag des Nebenklägers nicht wert», so Hemberger.

In seinem Blog, das Buback auf der Seite des öffentlich-rechtlichen Kultursenders 3sat unterhält, wirkt Buback gekränkt. Darüber, dass Bundesanwalt Hemberger ihm reine Genugtuung als Motivation für den Mammutprozess unterstellen würde. Und darüber, dass ihn der Bundesanwalt für einen Laien hält. «Das gilt sicher für das rein Juristische, nicht aber für die kriminalistische Aufklärung des Sachverhalts», so Buback aus der Überzeugung heraus, dass er es war, der einen der längsten RAF-Prozesse ins Rollen gebracht hat.

Misstrauen gegenüber den Ermittlern

Es ist nicht das erste Mal im Prozess, dass Staatsanwaltschaft und Buback als Nebenkläger gegeneinander prallen. Dass Buback Privatermittlungen durchführt, dass er Zeugen aufsucht, allen Spuren nachgeht, das macht den Prozess nicht einfacher, weil eigentlich den staatlichen Ermittlungsbehörden das Monopol der Verbrechensrecherche obliegt. Doch Buback misstraut den Staatsorganen, der renommierte Professor ermittelt selbst. Da kommen auch Verschwörungstheorien nicht zu kurz, etwa die eines Auftragsmordes an Buback.

Hat der Buback-Sohn seinen verständlichen Wunsch, die Mörder seines Vaters zu stellen, zu weit getrieben? Er selbst zeigte sich nach dem Mammutprozess resigniert. «Das Urteil hat ... keinen hohen Wert mehr für uns, da der Weg dorthin zu hart für uns war.» Auch er hat eingesehen, dass Verena Becker seinen Vater nicht erschossen hat. Es war ein Strohhalm – vermutlich der letzte in der aussichtslosen Suche nach den wahren Mördern seines Vaters.

[news.de] · 06.07.2012 · 09:51 Uhr
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