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Merkel will verstärkte Integrationsbemühungen

In der Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin hat sich Bundespräsident Wulff schützend vor die in Deutschland lebenden Migranten gestellt.Großansicht

Istanbul/Berlin (dpa) - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in der Debatte um Thilo Sarrazin vor die in Deutschland lebenden Türken gestellt, aber auch Fehlentwicklungen bei der Integration deutlich gemacht.

«Man muss Probleme klar benennen, aber man darf Fortschritte auch nicht verschweigen», sagte Merkel der türkischen Tageszeitung «Hürriyet» (Freitag). Für Deutschland sei es eine Schlüsselaufgabe, die Zuwanderer aktiv in die Gesellschaft hineinzuholen. «Aber in gleicher Weise erwarten wir natürlich, dass sie das auch wollen und sich aktiv darum bemühen.»

Sarrazins Vorwürfe bezeichnete Merkel als Unsinn, der die Integration erschwere. «Ich kann die Äußerungen nicht akzeptieren. (...) Ganze Gruppen in unserer Gesellschaft fühlen sich dadurch verletzt.» Deutschland wolle den Bürgern aus Zuwandererfamilien alle Chancen eines weltoffenen Landes eröffnen. «Sie sollen am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können.»

In Deutschland gebe es viele Beispiele für gelungene Integration, sagte die Kanzlerin. In den von vielen Türken bewohnten Bezirken in Berlin treffe man etwa Menschen ausländischer Herkunft, die gut deutsch könnten, kleine Geschäfte hätten und ihre Kinder zur Schule schickten. Merkel ergänzte: «Wenn man ehrlich ist, sieht man dort aber auch vieles, das zeigt: Wir haben in der Bildungs- und Sozialpolitik noch einen langen Weg vor uns.»

Ein Problem seien etwa «Migranten in der zweiten, dritten Generation, die schon in den ersten Schuljahren dem Lehrer nicht richtig folgen können, die dann keinen Ausbildungsplatz bekommen und deshalb auch unzufrieden werden». Um diesen Menschen zu helfen, müsse noch mehr getan werden. Die Migranten müssten zugleich «bereit sein, sich auf ein Leben in unserer Gesellschaft einzulassen und unsere gesamte Rechtsordnung vorbehaltlos zu akzeptieren», sagte Merkel. Dies erfordere Eigeninitiative und Einsatzbereitschaft. Die Deutschen bräuchten Toleranz «und die Bereitschaft, Menschen, die rechtmäßig bei uns leben, zu respektieren und ehrlich willkommen zu heißen».

Sarrazin hatte mit Äußerungen über den islamischen Hintergrund von Einwanderern als angebliche Ursache von Integrationsproblemen Empörung ausgelöst.

Migration / Integration / Bundesbank / SPD / Türkei
03.09.2010 · 11:14 Uhr
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