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Merkel und Tusk: Schuldenkrise ist Chance für Europa

Der polnische Premierminister Donald Tusk (l) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Anschluss an die Verleihung des Internationalen Karlspreises.Großansicht
Aachen (dpa) - Deutschland und Polen haben bei der Karlspreis- Verleihung an Premierminister Donald Tusk die schwere Schuldenkrise Europas als eine Chance bezeichnet.

Die Situation biete die Möglichkeit zur Stärkung und Weiterentwicklung der Gemeinschaft, sagten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Polens Regierungschef in Aachen. Tusk wurde als «Patriot und großer Europäer» mit dem Karlspreis gewürdigt. Der 53-Jährige sei ein herausragender Streiter für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, stellte das Karlspreis-Direktorium fest. Der insgesamt dritte polnische Preisträger stehe für ein demokratisches und weltoffenes Polen.

Merkel betonte die dringende Notwendigkeit einer stärkeren finanz- und wirtschaftspolitischen Verzahnung Europas. Seit der Verabschiedung des Maastricht-Vertrages sei die EU größer geworden, «aber die innere Verfasstheit hat nicht Schritt gehalten», sagte Merkel. «Wir müssen die Krise zum Anlass nehmen, die Versäumnisse nachzuholen, die auch nicht durch den Lissabon-Vertrag behoben wurden», betonte die Bundeskanzlerin.

Merkel machte deutlich, dass die Überwindung der Schuldenkrise alternativlos sei. Die Krise um die Zukunft des Euro sei existenziell. «Sie ist die größte Bewährungsprobe, die Europa seit 1990, wenn nicht sogar in den 53 Jahren seit Verabschiedung der Römischen Verträge zu bestehen hat.» Diese Probe müsse bestanden werden. Gelinge das nicht, dann seien die Folgen für Europa «und darüber hinaus» nicht absehbar. «Gelingt es aber, dann wird Europa stärker sein als je zuvor», sagte Merkel.

Mit der Schuldenkrise beginne nicht die Dämmerung Europas, widersprach Tusk Skeptikern. «Ich sehe die Krise paradoxerweise als Chance, um Europa zu stärken und weiterzuentwickeln», sagte er in seiner Dankesrede. «Die Stunde Europas schlägt und die Überwindung der Krise wird der beste Beweis sein», sagte Tusk.

Seinen Preis widmete er der «Solidarnosc-Generation» und den fast 100 Landsleuten, die mit dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski am 10. April bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Als Zeichen des «tiefen Respekts» und Mitgefühls «mit unseren polnischen Freunden» wurden zum ersten Mal in der Geschichte des Karlspreises zwei Nationalhymnen gesungen - die polnische und die deutsche.

In seiner sehr persönlichen Dankesrede schilderte Tusk sein Erleben der ersten Arbeiterproteste in Danzig und die Anfänge der polnischen Arbeiterbewegung Solidarnosc 1980, die ihn sehr prägten. Die Ereignisse seien Bestandteil der kollektiven Biografie einer Generation, die diese große Volksbewegung mitbegründet habe. Diese Bewegung habe den Niedergang des Kommunismus ausgelöst, sagte Tusk. Polen sei sich seiner europäischen Wurzeln immer bewusst gewesen.

Begründung Karlspreis an Tusk: http://dpaq.de/PpMmU

International / Auszeichnungen
13.05.2010 · 15:10 Uhr
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