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Merkel setzt Reise durch Golfregion fort

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) wird vor dem Palast des Königs in Dschidda (Saudi-Arabien) empfangen.Großansicht
Dschidda (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Bemühungen um bessere wirtschaftliche Beziehungen zu Saudi-Arabien mit diplomatischer Kritik am Umgang mit Frauen in dem Land verbunden.

Zur Rolle der Frau in dem Wüstenstaat sagte Merkel am Mittwoch in Dschidda am Roten Meer: «Das ist ein langsamer Prozess. Aber es es gibt Hoffnungszeichen.»

Saudi-Arabien war die zweite Station auf ihrer Reise durch die ölreiche Golfregion. Am Nachmittag traf die Kanzlerin in Katar ein. Am Donnerstag besucht sie Bahrain, bevor sie nach Berlin zurückkehrt.

Merkel kündigte an, sich persönlich für einen baldigen Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und dem Golfkooperationsrat einzusetzen, über das seit fast 20 Jahren verhandelt wird und das bislang an Menschenrechtsfragen gescheitert ist.

Merkel sagte: «Ich möchte nicht noch einmal nach Saudi-Arabien kommen und immer noch ist das Freihandelsabkommen nicht abgeschlossen. (...) Sonst können wir das Abkommen ins Museum stellen.» Merkel war bereits bei ihrem Besuch 2007 in Saudi-Arabien von einem baldigen Abschluss der Verhandlungen ausgegangen.

Ferner sicherte sie der Regierung in Saudi-Arabien einen unbürokratischeren Umgang mit Visa für Studenten und Geschäftsleute zu. Zugleich warb sie für einen erleichterten Zugang mittelständischer deutscher Betriebe zu Partnern in Saudi-Arabien.

Bei einer Wirtschaftskonferenz ging Merkel von sich aus auf die Stellung der Frau in Saudi-Arabien ein. Sie würdigte ausdrücklich König Abdullah, der 2009 gegen Widerstände von Religionswächtern eine Universität für Wissenschaft und Technologie nahe Dschidda eröffnet hat, an der erstmals Frauen und Männer gemeinsam studieren dürfen.

Merkel sagte, bei ihrem Besuch der - von der Öffentlichkeit weitgehend abgeschirmten - Universität am Dienstag habe sie gesehen, «dass sich Saudi-Arabien intensiv auf die Zukunft vorbereitet». Die Einrichtung sei ein Zeichen der Ambitionen Saudi-Arabiens, ein «wirklicher Wettbewerber» in der Wissensgesellschaft zu werden.

Die Kanzlerin betonte: «Wir wollen diese Ambitionen unterstützen. (...) Aber es wird sich auch herausstellen, dass wir etwas schneller sein müssen, als wir es in der Vergangenheit waren.» In Saudi-Arabien ist die Frau dem Mann untergeordnet und darf ohne seine Zustimmung nur eingeschränkt selbstständig handeln. Autofahren dürfen Frauen zum Beispiel nicht. In der Öffentlichkeit müssen sie sich verschleiern.

Merkel sagte, Deutschland sei beeindruckt von der klaren Vision, wie Saudi-Arabien sein Land entwickeln wolle. «Wir wissen, dass es nicht einfach ist, das Verhältnis von Tradition und Moderne in Einklang zu bringen.»

Merkel dankte König Abdullah für die Rettung zweier vor rund einem Jahr im Jemen entführter deutscher Mädchen mit Hilfe saudi-arabischer Sicherheitskräfte vor zehn Tagen. Über das Schicksal der Eltern und des kleinen Bruders der Mädchen ist allerdings nichts bekannt. Merkel sagte, Saudi-Arabien habe die fragile Sicherheitslage in der Region und «die Vielzahl der Gefährdungen im Jemen» im Blick.

International / Golfstaaten / Deutschland
26.05.2010 · 15:56 Uhr
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