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Merkel in China: Wir reden nicht um den heißen Brei

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao besuchen eine Produktionshalle von Siemens in Xi´an.Großansicht
Xi'an (dpa) - Deutsche und chinesische Unternehmer haben bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Wen Jiabao die Marktbedingungen des jeweils anderen Landes deutlich kritisiert.

So bemängelten die deutschen Unternehmer Zugangsbeschränkungen für den chinesischen Markt, ihre chinesischen Kollegen forderten unter anderem eine Elbvertiefung.

Beide Regierungschefs warben bei dem Treffen um Verständnis für die Position der eigenen Länder und betonten zugleich, dass sich die Beziehungen verbessert hätten. Merkel sprach von einer «neuen Etappe» und neuer Offenheit. «In unseren Gesprächen reden wir nicht um den heißen Brei herum.»

Wen begleitete Merkel während ihres China-Besuchs auch im nordwestchinesischen Xi' und schenkte der Kanzlerin zu ihrem 56. Geburtstag am Samstag die Nachbildung einer silbernen Weinkaraffe aus der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.). Das Original steht in einem Museum in der Stadt. Merkel erfuhr von Wen, dass sie nach dem chinesischen Horoskop im Jahr des Pferdes geboren wurde. Solche Karaffen - auf Merkels Geschenk ist ein Pferd abgebildet - seien einst von Nomaden für die Bewirtung ihrer Gäste verwendet worden. «Das ist ein sehr schönes Geschenk», bedankte sich Merkel. Sie lud Wen nach Berlin ein.

Deutsche Topmanager beklagten während des Gespräches im nordwestchinesischen Xi'an mangelnden Patentschutz und Zugangsbeschränkungen für den chinesischen Markt. Chinesische Konzernchefs kritisierten die deutschen Visa-Bestimmungen und forderten die Vertiefung der Elbe vor Hamburg, um mit großen Containerschiffen den Hafen nutzen zu können.

Merkel stellte ihrerseits die Frage, ob der Zugang zu Rohstoffen in China verbessert werden könne. Wen sicherte Erleichterungen bei Genehmigungsverfahren auf regionaler Ebene zu und appellierte an deutsche Betriebe, China bei der wirtschaftlichen Erschließung seines Westens zu unterstützen.

Merkel sagte, Deutschland habe Hochachtung vor der chinesischen Kultur. «Ich werde in Deutschland dafür werben, dass wir mehr verstehen von dieser Geschichte.» Chinesen wüssten von Deutschland mehr als Deutsche von China. Bei dem Treffen mit den Unternehmern sagte sie: «Wir sind sehr froh, dass unsere Wirtschaftsdelegation gut aufgenommen wurde. Es gibt aber noch einige Probleme zu lösen.

BASF-Chef Jürgen Hambrecht pochte auf einen freien Zugang zu Chinas Märkten. Er sprach von einer «erzwungenen Offenlegung von Know-How im Gegenzug für Investitionsentscheidungen». Hambrecht: «Das entspricht nicht ganz unser partnerschaftlichen Vorstellungen.»

Wen antwortete: «Wir schaffen gute Bedingungen für den Eintritt in den chinesischen Markt (...) Auf dem Markt haben wir eine stabile und gerechte Atmosphäre. Ich begrüße die deutschen Investitionen in China und bitte Sie, sich zu beruhigen. Die Unterlagen von BASF prüfen wir gewissenhaft.» China arbeite mit BASF sehr gut zusammen.

Hambrecht sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gehe um ein Projekt in Chongping, wo BASF Vorprodukte für Kunststoffe herstellen wolle. Das Investitionsvolumen betrage eine Milliarde US-Dollar.

Der Chef von Chinas größten Reederei COSCO, Wei Jiafa, beklagte, dass die Elbe vor dem Hamburger Hafen für die großen chinesischen Schiffe nicht tief genug und auch die Kapazitäten des Hafens für die Löschung der Ladung nicht ausreichend sei. Merkel machte ihm wenig Hoffnung auf eine Elbvertiefung.

Siemens-Chef Peter Löscher sagte, chinesische Unternehmen müssten in Deutschland und und Europa fair behandelt werden. «Wir erwarten, dass wir gleiche Bedingungen vorfinden im Bereich der öffentlichen Ausschreibung» in China. Die noch bestehenden Beschränkungen für Handel und Investitionen - etwa in der Automobilindustrie und im Bereich der Finanzdienstleistung - müssten zügig abgebaut werden.

Am Vormittag wollte Merkel noch die weltberühmte Terrakotta-Armee nahe Xi'an besuchen. Die etwa 7600 Figuren waren 1974 bei Brunnenbohrungen entdeckt worden. Sie stammen aus der Zeit des ersten Kaisers Qin Shi Huangdi, der von 221 bis 210 vor Christus regierte.

International / Deutschland / China
17.07.2010 · 14:32 Uhr
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