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Merkel ganz nah bei Wulff - jedenfalls für Fotografen

Berlin (dpa) - Am Ende wollte Christian Wulff noch mehr Nähe haben. «Ein bisschen enger», rief er dem versammelten schwarz-gelben Kabinett zu, das sich beim Neujahrsempfang um ihn und Gattin Bettina geschart hatte.

Die Aufforderung war mit Blick auf die Fotografen gemeint, die Mühe hatten, alle Regierungsmitglieder zusammen mit dem Präsidentenpaar auf ein Bild zu bringen. Ansonsten hatte der Bundespräsident keinen Anlass zur Beschwerde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Minister machten aus dem Treffen einen demonstrativen Schulterschluss mit dem bedrängten Präsidenten.

Wie lange die von Merkel im Schloss Bellevue inszenierte Geschlossenheit hält, steht auf einem anderen Blatt. Der Kanzlerin jedenfalls war am Donnerstag erkennbar daran gelegen, Unterstützung für den in seiner Kredit- und Medienaffäre gebeutelten Präsidenten zu zeigen und damit den deutlich kritischen Stimmen aus der Union nicht zu viel Raum zu geben.

Dabei hatte sich die Lage für Wulff noch einmal zugespitzt. Die Erwartung, die Anwälte des Bundespräsidenten würden nun doch weitere Informationen vorlegen und ihre Antworten auf Hunderte von Medienanfragen veröffentlichen, war enttäuscht worden. Weniger die Aussicht auf neue belastende Details ließ die Unterstützung für Wulff weiter schwinden, es war eher der Eindruck, er habe auch bei seinem als Befreiungsschlag geplanten Fernsehinterview vor einer Woche ein wenig getrickst.

Dass nun wilde Spekulationen ins Kraut schießen, wer Wulffs Nachfolger im Falle eines Rücktritts werden könnte, alarmierte die Union aber derart, dass ihr Bundestagsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sie in den «Kieler Nachrichten» schnell als «Quatsch» abqualifizierte. Aus Kauders Reihen hatte der Bundestags-Hinterbänkler Karl-Georg Wellmann zuvor mit einer Rücktrittsempfehlung an Wulff für mediale Aufmerksamkeit gesorgt.

In Kiel kommt der CDU-Bundesvorstand an diesem Freitag zu einer Klausur zusammen, um gemeinsam und möglichst kraftvoll in das neue Jahr zu starten. Dafür müssen Parteichefin Merkel und Generalsekretär Hermann Gröhe viel Mut machen, denn die vergangenen Monate in der Koalition mit der FDP und die vergangenen Wochen mit der Affäre des Präsidenten waren kräftezehrend, sagen Funktionsträger.

Die Parteispitze will eine Erklärung mit dem Titel «Ideen von Morgen - Made in Germany» verabschieden. Man darf annehmen, dass Merkel trotz aller Dementis auch eine Idee für den Fall parat hat, dass sich Wulff nicht im Amt halten kann. Man darf ebenso davon ausgehen, dass sie so lange wie möglich - und so lange, wie es sie als Kanzlerin selbst nicht beschädigt - darüber schweigt. Merkel habe genügend andere und vor allem mit der Euro-Krise belastende Baustellen und wolle nicht schon wieder nach einem Kandidaten und dem Rückhalt für diesen suchen, heißt es immer wieder in der Partei.

Wulff und seine doch etwas erschöpft wirkende Frau Bettina waren sichtlich bemüht, den Empfangsmarathon geschäftsmäßig durchzustehen. Merkel und das Kabinett machten den Schluss des fast dreistündigen Defilees, das Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Morgen begonnen hatte.

Es wurde gegrüßt und gelächelt, geplauscht und zugehört. Als ob nichts gewesen wäre. Im Schnitt weniger als eine Minute hatten die Wulffs für jeden ihrer Gäste beim Defilee Zeit. Erst danach, als die Journalisten längst weg waren, gab es beim Mittagessen Gelegenheit zu weiteren Gesprächen. Viele der verdienten Bürger, für die die Einladung zum Empfang eine große Ehre war, wollten dem Präsidenten ihre Unterstützung zeigen.

«Ich habe ihm gesagt, das er für viele türkische Landsleute ein Hoffnungsträger ist», sagte Ahmet Cengelköy aus Worms und lobte Wulffs Eintreten für Integration und gegen Fremdenfeindlichkeit. Fatma Cetin aus Berlin erzählte, Wulff habe im Gespräch einen sehr entspannten Eindruck gemacht. Auch Wolfgang Schuch aus Speyer hebt das Thema Integration hervor. «Dass er in dem Sinne weitermacht, halte ich für wichtig.» Und der Behindertensportler Florian Sitzmann berichtet über sein Gespräch mit Wulff : «Er hat mir gesagt, dass er im Moment wenig Fernsehen schaut, was ich gut nachvollziehen kann.»

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12.01.2012 · 23:03 Uhr
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