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Merapi bringt über Nacht Tod und Verwüstung

Eine riesige Aschewolke steigt aus dem Merapi auf.Großansicht

Jakarta/Singapur (dpa) - Beim wohl schlimmsten Ausbruch des indonesischen Vulkans Merapi seit mehr als 100 Jahren sind mehr als 70 Menschen gestorben. 150 Menschen wurden in der Nacht zum Freitag nach Krankenhausangaben teils schwer verletzt.

Mit lautem Getöse hatte sich kurz nach Mitternacht die bisher schwerste Eruption seit dem Erwachen des Vulkans vor knapp zwei Wochen angekündigt. Aus dem Krater stob glühende Asche und brachte an den Hängen des 3000 Meter hohen Berges auf der indonesischen Insel Java erneut Tod und Zerstörung. Der Flughafen der nahe gelegenen Großstadt Yogyakarta wurde geschlossen. Seit dem 26. Oktober kamen insgesamt mehr als 120 Menschen am Merapi ums Leben.

«Dies ist der schwerste Ausbruch des Merapi seit mindestens 100 Jahren», sagte der Chefgeologe des Energieministeriums, Raden Sukhyiar, der Zeitung «Jakarta Post». Der Merapi ist einer der gefährlichsten Vulkane der Welt. Er war zuletzt vor vier Jahren ausgebrochen. 1930 waren bei einem Ausbruch 13 Dörfer zerstört worden und 1370 Menschen ums Leben gekommen. «Es sieht so aus, als würden die Eruptionen weitergehen», sagte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono.

Wer konnte, rannte in der Nacht noch um sein Leben, als die Glutwolken die Hänge hinunterrasten. In den Notunterkünften kamen am Morgen viele völlig verstörte Menschen an. «Mein Haus ist abgebrannt, das ganze Dorf liegt unter einer dicken Ascheschicht», berichtete ein schockierter Anwohner dem Sender ChannelNewsAsia. Sein ganzer Kopf war mit grauer Asche bedeckt. Ein kleiner Junge, vielleicht fünf, stand offensichtlich unter Schock, blickte stur geradeaus. Auf seinen Lippen war die Asche zur Kruste geworden.

Die Ascheströme waren so heiß, dass sie alles auf ihrem Weg in Brand setzten. Im Nachthimmel waren die lodernden Flammen zu sehen, die ganze Dörfer auslöschten. Stundenlang konnten die Helfer nicht vorrücken, weil ihnen die heiße Ascheschicht die Schuhsohlen weggebrannt hätte. Helfer Bayu Gawtama kämpfte sich zu dem Dorf Bronggang vor, nachdem Flüchtlinge von der Not dort berichteten. «Wir haben überall verbrannte Leichen gesehen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. «Die, die noch lebten, schrien um Hilfe.» Eine sterbende Frau habe ihm ihren dreijährigen Sohn anvertraut. «Wir haben sechs Leute lebend geborgen, aber wir konnten nicht alle retten, auch die Frau nicht, die Hitze war zu intensiv.»

Wo die Erde abgekühlt war, zeigte sich am Freitagmorgen eine kahle Mondlandschaft. Metro TV zeigte Brandruinen und totes Vieh auf den Weiden. Über allem lag eine zentimeterdicke graue Schicht.

Die Behörden hatten die Gefahrenzone um den Krater gerade von 15 auf 20 Kilometer ausgedehnt. Etliche Anwohner widersetzten sich jedoch dem Räumungsbefehl, vor allem, weil sie ihr Vieh nicht verlieren wollen. Viele der Opfer wurden nun im Dorf Cangkringan rund 15 Kilometer unterhalb des Kraters geborgen.

Präsident Susilo Bambang Yudhoyono kündigte ein staatliches Viehkauf-Programm an. Die Menschen sollen mit dem Bargeld für einen Neuanfang dazu gebracht werden, sich der Räumung nicht länger zu widersetzen. Rund um den Merapi wurden zudem weitere Suppenküchen eingerichtet. Mehr Psychologen werden zu den Notunterkünften gebracht, um den Menschen beizustehen. 160 000 Menschen waren bis zum Freitag aus ihren Häusern geflohen.

Vulkane / Indonesien
05.11.2010 · 22:33 Uhr
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