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Mehrheit der Bürger: Wulff verdient zweite Chance

Auf den Fernsehern eines großen Elektronik-Markts ist Bundespräsident Christian Wulff bei seinem TV-Interview zu sehen. Foto: Britta PedersenGroßansicht

Berlin (dpa) - Bundespräsident Christian Wulff sieht sich auch zwei Tage nach seinem Fernsehinterview erneut mit Widersprüchen konfrontiert.

Nach der «Bild»-Zeitung wies auch die BW-Bank seine Darstellung in einem Punkt zurück - und erklärte, der neue Kreditvertrag zur Finanzierung von Wulffs Privathaus sei keineswegs bereits im November besiegelt worden. Das hatte der Bundespräsident am Mittwoch bei ARD und ZDF erklärt. Wulff empfing am Freitag gemeinsam mit seiner Frau Sternsinger aus dem Ruhrgebiet im Schloss Bellevue. Es war sein erster offizieller Termin in der Öffentlichkeit nach der Weihnachtspause.

Wulff hat die Bürger mit seinem Fernsehauftritt zwar nicht überzeugt - eine Mehrheit will ihm aber eine zweite Chance geben. In einem «ARD-Deutschlandtrend extra» fanden 61 Prozent derjenigen, die das Interview gesehen hatten, Wulff eher nicht überzeugend, 30 Prozent sahen ihn positiver. Jedoch waren 60 Prozent der Ansicht, Wulff habe «jetzt eine zweite Chance verdient», 36 Prozent sahen dies anders. 56 Prozent sprachen sich in der ARD-Blitzumfrage dafür aus, dass Wulff im Amt bleibt - neun Punkte mehr als am Mittwoch vor dem Interview.

Unmittelbar nach Wulffs Fernsehinterview waren am Mittwoch neue Fragen aufgetaucht. Die «Bild»-Zeitung widersprach seiner Darstellung, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann den ersten Bericht über seine Hausfinanzierung nur verschieben, aber nicht verhindern wollen. Inzwischen widersprach die BW-Bank der Aussage Wulffs, wonach der Vertrag für das langfristige Darlehen zur Finanzierung des Einfamilienhauses bereits Ende November 2011 zustande gekommen sei.

Im November habe man sich nur mündlich geeinigt, dies reiche aber nicht aus, zitierte «Die Welt» (Freitag) aus einer Antwort der Bank auf eine entsprechende Anfrage der Zeitung. «Ein Kreditvertrag mit Verbrauchern bedarf der Schriftform.» Einen schriftlichen Vertrag habe die Bank aber erst am 12. Dezember an Wulff geschickt, unterschrieben habe er diesen am 21. Dezember, bei der Bank sei er erst am 27. Dezember eingegangen.

Wulff hatte bei ARD und ZDF erklärt, der Vertrag sei bereits im November unter Dach und Fach gebracht worden: «Denn wenn Sie am 25. November sich geeinigt haben und die Bank das eingebucht hat, sich dafür abgesichert hat, dann ist der Vertrag geschlossen.» Eine Unterzeichnung sei dann eigentlich gar nicht mehr nötig: «Es gilt auch Handschlagqualität in diesem Bereich, wenn man sich mit einer Bank verständigt.»

Mit dem Vertrag wurde Wulffs kurzfristig refinanzierter, äußerst günstiger Geldmarktkredit in ein langfristiges Darlehen umgewandelt. Die Frage des Zeitpunkts ist deshalb interessant, weil am 13. Dezember der erste «Bild»-Bericht über die Hausfinanzierung von Wulff erschienen war. Am 15. Dezember hatte der Bundespräsident erklärt, er habe das langfristige Bankdarlehen bereits festgeschrieben.

«Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann unterstrich in einem Kommentar am Freitag, dass es seine Zeitung keineswegs auf ein Duell mit Wulff anlege: Wer «den Fall und die Probleme des Bundespräsidenten jetzt zu einem "Machtkampf" zwischen dem ersten Mann im Staat und der größten Zeitung im Land aufpumpt, der geht wahrhaft völlig in die Irre».

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil verlangte erneut ein klärendes Wort von Kanzlerin Angela Merkel. Sie müsse sagen, ob Wulff noch den Ansprüchen gerecht werde, die sie an das Amt des Staatspräsidenten habe, sagte er im ARD-«Morgenmagazin». «Schließlich war das ihr Kandidat», meinte Heil. «Ich würde mir wünschen, dass Angela Merkel sich nicht weiter wegduckt. Das erinnert fatal an den Fall Guttenberg.» Auch in der Affäre um den schließlich zurückgetretenen Verteidigungsminister habe die Kanzlerin versucht, das Problem auszusitzen.

Bundespräsident
06.01.2012 · 12:24 Uhr
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