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Mehr tote Briten in Afghanistan als im Irak

Kampf in AfghanistanGroßansicht
London (dpa) - In Afghanistan sind nach dem Tod von acht Soldaten binnen 24 Stunden nun mehr Briten umgekommen als im Irak. Die Soldaten starben nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Einsatz an verschiedenen Orten in Südafghanistan.

Damit stieg die Zahl der getöteten Briten seit Beginn des Einsatzes vor fast acht Jahren auf 184 - beim sechs Jahre langen Irak-Einsatz starben 179 Soldaten. Premier Gordon Brown betonte am Wochenende, an dem Einsatz festzuhalten. Die Regierung geriet jedoch zunehmend in die Kritik.

Für die Briten war es einer der blutigsten Tage seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan. In den vergangenen zehn Tagen starben 15 Soldaten in dem Land. Die Opposition kritisierte die mangelnde Ausrüstung und Unterstützung des Militärs. Kriegsgegner riefen zu einer Demonstration gegen den «nicht zu gewinnenden Einsatz» auf.

Brown betonte jedoch, die Strategie in Afghanistan sei trotz der tragischen Verluste «die richtige». Obwohl die vergangenen Tage «außergewöhnlich schwierig» gewesen seien, zeige die Operation «Anzeichen des Erfolgs». Nur der Einsatz dort könne die Rückkehr der Terrorgruppe El Kaida verhindern. Die Briten sind derzeit mit rund 9000 Mann im gefährlichen Süden des Landes im Einsatz. Brown betonte, die Truppenstärke werde derzeit geprüft. Er bestätigte aber nicht Berichte, wonach bis zu 2000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan geschickt werden könnten.

US-Präsident Barack Obama stärkte Brown derweil den Rücken: «Großbritannien hat eine außerordentliche Rolle gespielt. Wir können weder Afghanistan noch Pakistan erlauben, ein Rückzugsgebiet für El Kaida zu sein», sagte er in einem Interview des britischen TV-Senders Sky News.

Sechs Soldaten kamen nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Freitag in der südlichen Provinz Helmand um, zwei weitere starben am Donnerstag. Die USA führen derzeit eine Großoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban in Südafghanistan. So soll die Sicherheit vor den anstehenden Wahlen im Land gewährleistet werden.

Außenminister David Miliband sagte, die Soldaten kämpften «für die Zukunft Großbritanniens». Afghanistan dürfe nicht wieder zur «Brutstätte des Terrorismus» werden. Der Chef der Streitkräfte, Jock Stirrup, erklärte, der Einsatz schütze die Menschen zu Hause vor Terrorangriffen. Die Taliban würden den Kampf «verlieren».

Oppositionschef David Cameron kritisierte, es sei «ein Skandal», dass dem Militär nicht genug Mittel zur Verfügung gestellt würden. Zum Beispiel fehlten Hubschrauber. Die Anti-Kriegs-Organisation Stop the War Coalition rief für diesen Montag zu einer Demonstration auf: Die Briten sollten aus Afghanistan abziehen.

Großbritannien hat seine militärische Präsenz bis zu den afghanischen Wahlen im kommenden Monat vorübergehend um einige hundert Soldaten aufgestockt. Den Irak-Einsatz hatten die Briten im April beendet.

Am Sonntag kamen bei einem Anschlag und neuerlichen Gefechten mindestens 18 Menschen ums Lebe. Der Polizeichef der südafghanischen Provinz Urusgan, Juma Gul Hemat, sagte, Soldaten der ISAF und der afghanischen Armee hätten zwölf Aufständische getötet. Die Truppen hätten in der Nacht zu Sonntag Taliban-Verstecke in der Provinzhauptstadt Tarin Kowt gestürmt. Unter den Toten sei ein Taliban-Kommandeur. Zivilisten seien nicht zu Schaden gekommen.

Der Polizeichef der zentralafghanischen Provinz Logar, Mustafa Khan Mosseni, sagte am Sonntag, fünf Polizisten seien getötet worden, als ihr Fahrzeug am Vortag in eine Sprengfalle geriet. Die Polizei in der ostafghanischen Provinz Kunar teilte mit, bei Gefechten zwischen ausländischen und afghanischen Soldaten mit Aufständischen seien ein Zivilist getötet und fünf weitere verwundet worden. Ein Geschoss habe das Haus der Zivilisten getroffen. Es sei unklar, welche der Konfliktparteien das Geschoss abgefeuert habe.

Konflikte / Großbritannien / Afghanistan
12.07.2009 · 14:29 Uhr
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