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Mehr Spenden für Flutopfer in Pakistan

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Islamabad/Berlin (dpa) - Nach dramatischen Appellen der Vereinten Nationen und von Hilfsorganisationen gehen nun doch mehr Spenden für die Opfer der Jahrhundertflut in Pakistan ein.

Die Vereinten Nationen teilten am Mittwoch mit, sie hätten inzwischen mehr als 40 Prozent der erbetenen knapp 460 Millionen Dollar (rund 357 Millionen Euro) Soforthilfe bekommen.

Auch die Deutschen spenden nach anfänglichem Zögern mehr Geld. Insgesamt gaben die Bundesbürger bislang 24 Millionen Euro für die Flutopfer. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bei 37 Hilfswerken und Spendenbündnissen. Für die Erdbebenopfer in Haiti seien bis zum gleichen Zeitpunkt nach der Katastrophe 86 Millionen Euro in Deutschland gespendet worden. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) unterstützte die EU- Initiative für eine internationale Geberkonferenz.

Der Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in Pakistan, Maurizio Giuliano, sagte in Islamabad, 208 Millionen Dollar seien eingegangen. Das entspreche 42,5 Prozent der in der vergangenen Woche angeforderten Summe. «Dazu kommen noch Zusagen, so dass die Gelder eine Quote von 54,5 Prozent erreichen. Das ist definitiv eine Verbesserung der Lage.»

Die Regierung in Islamabad sicherte zu, gewissenhaft mit den Hilfen umzugehen. Man überlege, ausländische Prüfer zur Überwachung der Verwendung von Spenden einzusetzen, sagte Innenminister Rehman Malik der britischen BBC. Keinesfalls würden Mittel in die Hände von Extremisten gelangen. Die Hilfe gehöre «den Armen, den Flutopfern», sagte Malik. «Ich verspreche, dass sie bei ihnen ankommt.» Die Zurückhaltung der Spender war unter anderem mit der Angst vor Korruption und dem Einfluss der Taliban in Pakistan begründet worden.

Niebel sagte, der Vorschlag von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso für eine Geberkonferenz biete die Möglichkeit, dass sich noch einmal einige Kassen öffneten. Seinen Worten zufolge hat Deutschland als eines der größten Geberländer bislang 52 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Der FDP-Politiker ergänzte, die Internationale Gemeinschaft sei gut beraten, den Pakistanern zu helfen, um religiösen Extremisten in der Region den Nährboden zu entziehen. Gleichzeitig rief er die Deutschen noch einmal nachdrücklich zu Spenden auf. Durch die Zusammenarbeit mit bewährten Partnern sei gewährleistet, dass die Spenden nicht fehlgeleitet würden, versicherte der Minister.

Das Verteidigungsministerium prüft, ob Transportflugzeuge vorübergehend aus Afghanistan abgezogen werden können, um bei der Verteilung von Hilfsgütern in Pakistan zu helfen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums soll die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden für die Flutopfer vereinfacht werden. Der Beauftragte der Bundesregierung für Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, Markus Löning, wollte an diesem Donnerstag nach Pakistan reisen.

Papst Benedikt XVI. rief zu mehr Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan auf. «Ich hoffe, dass es unseren Brüdern und Schwestern, die so sehr geprüft werden, nicht an unserer Solidarität und nicht an konkreter Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft fehle», sagte er bei der Generalaudienz in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo südlich von Rom.

Die Europäische Union erhöhte ihre humanitäre Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe nach Angaben der zuständigen EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa um 30 Millionen Euro. Damit stellt die EU- Kommission jetzt 70 Millionen Euro bereit. «Das ist eine bedeutende Summe», sagte Georgiewa. «Aber dieses Geld ist nur Nothilfe, es reicht natürlich nicht, um Pakistan wieder aufzubauen.»

Der Chef der Meteorologiebehörde in Pakistan, Arif Mehmood, sagte in Islamabad, in den nächsten fünf bis sechs Tagen sei kein Regen vorausgesagt. Es könne allerdings einen Monat dauern, bevor die Überschwemmungen zurückgingen. Helfer versuchten weiterhin verzweifelt, die mehreren Millionen Notleidenden zu versorgen. In den vergangenen Tagen war es zu teils gewalttätigen Protesten von Flutopfern gekommen, die über Mangel an Nahrung klagten und sich von der Regierung im Stich gelassen fühlten.

Nach UN-Angaben sind mehr als 15 Millionen Menschen von der Jahrhundertflut betroffen, von denen acht Millionen dringend Hilfe brauchen. Die pakistanische Regierung geht dagegen von 20 Millionen Obdachlosen aus. Nach jüngsten Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA starben in den Fluten mindestens 1475 Menschen, 2052 weitere wurden verletzt. Fast eine Million Häuser wurden beschädigt.

Wetter / Unwetter / Pakistan
18.08.2010 · 18:01 Uhr
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