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Mehr Impfstoff soll kommen - aber nicht für alle

Patienten warten in einem Gesundheitsamt in Hamburg auf die Impfung gegen die Schweinegrippe.Großansicht
Berlin (dpa) - Angesichts der immer stärker grassierenden Schweinegrippe sollen die Engpässe beim Impfstoff in den kommenden Monaten teilweise behoben werden. Doch für Gesunde gibt es trotz immer zahlreicherer Fälle bis auf weiteres nicht genügend Impfserum.

Besonderer Impfstoff für Schwangere soll möglichst im Dezember in die Arztpraxen kommen. Bis Ende des Jahres sollten insgesamt 20 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix ausgeliefert werden, sagte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am Mittwoch in Berlin. Das habe der Hersteller Glaxosmithkline den Gesundheitsministern von Bund und Ländern bei einem Treffen in Berlin zugesichert. «Diese Zahlen machen schon deutlich, dass nicht jeder geimpft werden kann», räumte Rösler ein. «Wichtig ist, dass jetzt nicht jeder sofort zu den Impfstellen rennt.»

Bis Ende November sollten 9,3 Millionen Dosen ausgeteilt sein, sagte Rösler. Die 50 Millionen Dosen des Serums, die die Behörden insgesamt bestellt hatten, würden voraussichtlich erst bis März vollständig ausgeliefert, teilte der Minister mit. Klar sei dies aber noch nicht.

Maßgeblich für die Impfung seien die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, sagte der Minister. Zunächst solle demnach Sicherheits- und Gesundheitspersonal geimpft werden. Dann folgten Menschen mit chronischen Krankheiten. Rösler sagte, Gesunde könnten nicht schon Ende November reihenweise geimpft werden. «Man muss nicht unbedingt morgen geimpft werden», bekräftigte auch die rheinland- pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD).

Im Dezember sollten zusätzlich 150 000 Impfdosen ohne Wirkverstärker (Adjuvans) für Schwangere zur Verfügung stehen, sagte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD). Gemessen an den im vergangenen Jahr in Deutschland lebend geborenen 683 000 Kindern könne somit allenfalls jede dritte Schwangere diesen Impfstoff bekommen, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Auch mit Pandemrix, das Wirkverstärker enthält, könnten Schwangere jedoch nach Absprache mit dem Arzt geimpft werden, betonte Rösler. Im Januar und Februar solle beim Impfstoff nochmals nachgelegt werden, sagte Taubert.

Rösler warb für Verständnis für die schleppend angelaufene Massenimpfung. Die größte Impfaktion in der Geschichte Deutschlands habe erst vor zwei Wochen begonnen. Erst vor einem halben Jahr sei der Erreger ausfindig gemacht worden. «Insofern ist das eine Leistung.»

Das Robert Koch-Institut teilte mit, mehr als 50 000 Menschen seien in Deutschland mittlerweile infiziert. Zuletzt seien jede Woche rund 7 000 weitere dazugekommen, sagte Institutsleiter Jörg Hacker. Diese Zahl habe sich nun verdoppelt. Zuletzt waren 13 Tote gezählt worden.

Regressforderungen an den Hersteller machten keinen Sinn, auch wenn die Erwartungen nicht eingehalten worden seien, meinten die Minister. Vertraglich sei vereinbart worden, dass Deutschland 16 Prozent der für Europa bestimmten Impfmenge bekomme. Dieser Anteil bleibe gleich - auch bei insgesamt kleinerer Menge. Es handele sich eben um lebende Substanzen, erläuterten die Minister.

Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) zeigte sich eingeschränkt zufrieden mit dem Ergebnis des Treffens: «Wir brauchen mehr Impfstoff, bevor die Erkrankungswelle kommt», sagte sie.

Angesichts der Engpässe übte die Bundesärztekammer Kritik an den Behörden. «Man muss sich fragen, ob es klug war, in jedem Bundesland ein anderes Verteilungsverfahren zu machen», sagte Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery im rbb. Künftig sei eine bundeseinheitliche Vorgehensweise bei Pandemien nötig. Die Schwierigkeiten seien aber auch nicht verwunderlich. Es sei schließlich das erste Mal, dass man ein solch großes Projekt in Angriff nehme. Die Neue Grippe sei glücklicherweise nicht sehr gefährlich. «Daraus kann man lernen und klüger werden», sagte Montgomery.

Gesundheit / Grippe
11.11.2009 · 17:03 Uhr
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