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Mehr als 70 Staaten bei Kabul-Konferenz

Vor Internationaler Konferenz in Kabul - SicherheitsvorkehrungenGroßansicht
Berlin (dpa) - Kurz vor der Afghanistan-Konferenz in Kabul hat NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eingeräumt, dass die internationale Gemeinschaft den Einsatz am Hindukusch unterschätzt habe.

«Nach neun Jahren internationalen Engagements ist es auf schmerzvolle Weise deutlich geworden, dass der Preis, den wir zahlen müssen, viel höher ist als erwartet - insbesondere angesichts all der getöteten internationalen und afghanischen Soldaten», schrieb Rasmussen in einem Gastbeitrag für das «Hamburger Abendblatt» (Montag).

Am Dienstag kommen in Kabul rund 40 Außenminister und hochrangige Vertreter aus 30 weiteren Ländern zur größten internationalen Konferenz in Afghanistan seit einem halben Jahrhundert zusammen. Auch Rasmussen und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nehmen an dem nur siebenstündigen Treffen unter massiven Sicherheitsvorkehrungen teil. Deutschland wird von Außenminister Guido Westerwelle vertreten.

Der FDP-Vorsitzende zeigte sich zuversichtlich, dass die Nachbarländer Afghanistans in die Stabilisierung des Landes eingebunden werden können. Zwar seien die Staaten in der Region alle politisch unterschiedlich gestrickt und hätten unterschiedliche Interessen, sagte er im rbb-Inforadio. «Ich habe aber den Eindruck, alle haben ein gemeinsames Interesse, nämlich dass der Terrorismus in Afghanistan keine neue Chance bekommt.»

Rasmussen machte deutlich, dass er mit weiter steigenden Opferzahlen in Afghanistan rechnet. Die Militäroffensiven in das Kerngebiet der Taliban würden «unweigerlich zu heftigeren Gefechten führen», schrieb der Generalsekretär. «Bedauerlicherweise wird es mehr Opfer geben. Aber diese militärischen Aktionen seien von enormer politischer Bedeutung. Sie tragen dazu bei, die Taliban sowohl politisch als auch militärisch zu schwächen.»

Bei der Afghanistan-Konferenz am Dienstag werde «ein klarer Weg erarbeitet für den Übergang zu afghanischer Verantwortung und Teilhabe», schrieb Rasmussen. «Es wird ein Meilenstein sein in dem Prozess, durch den die Afghanen endlich Herr im eigenen Haus werden.» Rasmussen betonte aber, dass die Afghanen auch langfristig die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft benötigen würden, einschließlich die der NATO.

Der nationale Sicherheitsberater von Präsident Hamid Karsai rief die Staatengemeinschaft dazu auf, sein Land als gleichberechtigten Partner zu behandeln. «Die Zeiten, in denen Diplomaten oder Kommandeure in Afghanistan auf den Tisch hauen wollten, sind passé», sagte Rangin Dadfar Spanta der ARD. Zwar sei Afghanistan wirtschaftlich «bis auf die Knochen abhängig» vom Westen. «Aber kein wichtiger Staat oder Politiker sollte sich erlauben ... zu sagen: Entweder Sie sind mit uns oder gegen uns.»

Gleichzeitig sprach sich Spanta gegen einen verfrühten Rückzug internationaler Truppen aus Afghanistan aus. Die Festlegung auf einen frühen Abzugstermin würde von den radikalislamischen Taliban als Schwäche interpretiert werden, glaubt er. Sollte es dennoch dazu kommen, würden sich die Aufständischen nicht mehr auf Verhandlungen über ein Ende des Konflikts einlassen.

Afghanistan-Seite der Bundesregierung

Regierungserklärung Westerwelle

Offizielle Seite Kabul-Konferenz

Konflikte / Konferenz / Afghanistan
19.07.2010 · 14:25 Uhr
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