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Mehr als 20 Tote bei PKK-Angriff in Osttürkei

Türkische Soldaten sichern eine Landstraße in der Provinz Hakkari in der Nähe der irakischen Grenze. Archivfoto: dpaGroßansicht

Ankara/Berlin (dpa) - Beim schwersten PKK-Angriff seit Jahren haben kurdische Kämpfer im Südosten der Türkei mindestens 24 Soldaten und Polizisten getötet. Das bestätigte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Die Bundesregierung äußerte sich «bestürzt und erschüttert» über den Angriff der auch von der EU als Terrorgruppe eingestuften PKK.

Die türkischen Streitkräfte reagierten nach Medienberichten mit Bombenangriffen auf vermutete PKK-Lager im Irak. Zudem wurden Truppen in Marsch gesetzt. 21 PKK-Kämpfer sollen Medienberichten zufolge bei den türkischen Vergeltungsschlägen getötet worden sein. Die jüngste Gewalt bedeutet einen schweren Rückschlag für den Friedensprozess zwischen Kurden und Türken.

Angehörige der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK griffen am frühen Mittwochmorgen mit automatischen Waffen eine Armeeunterkunft in der Stadt Cukurca an. Wachleute erwiderten das Feuer. Bei dem halbstündigen Gefecht wurden zudem 22 Soldaten verwundet. Anschließend flohen die Angreifer. Sie wurden von Sicherheitskräften verfolgt, meldete der türkische Nachrichtensender NTV. In ersten Berichten war zunächst von 26 Toten die Rede.

Insgesamt griffen PKK-Kämpfer laut NTV acht Ziele in der Grenzprovinz Hakkari an. Die PKK bestätigte den türkischen Vergeltungsschlag: Bei dem Angriff auf einen Stützpunkt der PKK in der Provinz Dohuk «im Grenzdreieck zwischen dem Irak, der Türkei und dem Iran» habe es auf beiden Seiten Todesopfer gegeben, sagte ein PKK-Sprecher der irakischen Nachrichtenagentur Sumeria News.

Insgesamt seien 21 kurdische Rebellen getötet worden, berichtete der Fernsehsender CNNTurk. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Es war der folgenschwerste PKK-Angriff seit März 1999. Damals starben 13 Menschen bei einem Angriff auf ein Istanbuler Einkaufszentrum. Die Region wurde in den vergangenen Monaten vermehrt zum Ziel von PKK-Angriffen. Am Dienstag starben fünf Polizisten und drei Zivilisten bei einer Explosion in der Provinz Bitlis.

Das türkische Parlament hatte Anfang Oktober das Mandat der Regierung zur Bekämpfung der PKK im Nordirak verlängert. Die Armeeunterkunft Cukurca liegt nahe der irakischen Grenze. Es wurde daher vermutet, dass die Kämpfer aus dem Nordirak kamen. Die PKK unterhält dort mehrere Militärlager. Türkische Kampfflugzeuge hoben laut NTV ab, um PKK-Ziele im Nordirak zu bombardieren. PKK-Stellungen in den Kandil-Bergen und nahe der Stadt Zap seien unter den Zielen.

Türkischen Medienberichten zufolge hätten zudem türkische Stoßtrupps von etwa 600 Soldaten die Grenze zum Irak überquert. Die Angaben wurden von der Armee zunächst nicht bestätigt. 2008 hatten türkische Streitkräfte eine Bodenoffensive mit rund 10 000 Soldaten im Nordirak gestartet. Die Armee war einmarschiert, um mutmaßliche PKK-Lager aufzuspüren und zu zerstören.

Präsident Abdullah Gül schwor Vergeltung für den jüngsten Angriff. Die Türkei werde vom Terrorismus nicht erschüttert werden, sagte er vor Reportern. Auch Erdogan sagte dem Terror den Kampf an: «Wir werden nicht zurückweichen. Wir werden den Terrorismus und jeden bekämpfen, der ihn unterstützt - verdeckt oder offen.» Der Regierungschef sagte wegen der Angriffe eine geplante Reise nach Kasachstan ab.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich in Berlin «bestürzt und erschüttert» über den Angriff der PKK. Zugleich appellierte er an die Türkei und den Irak, gemeinsam mit der kurdischen Regionalregierung nach Lösungen für den Kurdenkonflikt zu suchen. Terrorgruppen wie die PKK dürften in der türkisch-irakischen Grenzregion kein Rückzugsgebiet haben. Auch die kurdische Partei für Frieden und Demokratie BDP kritisierte den PKK-Angriff mit ungewohnter Schärfe. «Diese Angriffe brechen uns das Herz. Wir sagen: Stopp! Es hat schon genug Tote gegeben», hieß es in einer Aussendung.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit Anfang der 1980er Jahre für Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat. Etwa 45 000 Menschen haben in dem Konflikt ihr Leben verloren.

Terrorismus / Türkei
19.10.2011 · 17:12 Uhr
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